Tradition, die man fühlen kann

Hinter der Mode und den kuscheligen Textilien von Steiner1888 in Mandling stecken viele Arbeitsschritte. Ein Einblick in die Manufaktur.

Tradition, die man fühlen kann

Hinter der Mode und den kuscheligen Textilien von Steiner1888 in Mandling stecken viele Arbeitsschritte. Ein Einblick in die Manufaktur.

Viermal pro Woche werden bei Steiner1888 in Mandling Führungen durch die Wollwelt angeboten, die Einblicke in die Produktion der Loden geben – vom Färben der Wolle bis hin zum fertigen Produkt. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen und sind mit dabei, als es auf zur Tour geht. Die erste Überraschung: Die Produktionsstätte befindet sich direkt hinter dem Verkaufsraum – hier wird also tatsächlich noch vor Ort produziert, regionaler geht es kaum. Auch die Rohstoffe stammen zum Teil aus der Region Schladming-Dachstein: Verarbeitet wird hier nämlich vor allem die Schurwolle des Bergschafs. Aber auch andere Wollsorten wie z. B. von Alpaka, Kaschmirziege und Angorakaninchen kommen zum Einsatz. Diese müssen weltweit zugekauft werden.

Einen ersten Einblick in die Produktion erhalten wir im 3D-Kino, mit dem die Führung beginnt. Dann geht’s los mit den einzelnen Arbeitsschritten. Rund 70 Tonnen Wolle werden hier jährlich verarbeitet: entweder zu Stoffen für Bekleidung, zu Bezugsstoffen, Decken und anderen Wohnaccessoires oder zu Bekleidung selbst. Am Anfang steht das Waschen und Färben der Wolle. Aus verschieden gefärbter Wolle setzt sich dann der endgültige Farbton zusammen. „Wieso färbt man nicht gleich in der Farbe, die man am Ende haben möchte?“, wollen wir wissen. Tja, das ist natürlich eine gefinkelte Sache: Zum einen, so erklärt uns unser Guide Sigrid Steiner, lassen sich Farben dadurch schwerer kopieren. Zum anderen entsteht durch die verschiedenen Farbtöne eine sogenannte Melange, wodurch der Stoff am Ende durch die verschiedenen Farbfacetten lebendiger wirkt.

Die Wolle wird dann zu Garn gesponnen, auf Spulen aufgewickelt und so für das Weben vorbereitet. Bis zu 6.000 Längsfäden werden dabei gespannt, um die richtige Stoffbreite von 1,50 Metern zu erreichen. Nach der Besichtigung der einzelnen Arbeitsschritte für das Spinnen und Weben (in der Weberei bekommen wir ein Video in Zeitlupe zu sehen, da das Weberschiffchen in Echtzeit so schnell hin- und herflitzt, dass man es kaum erkennen kann) geht es in das Herzstück der Produktion: die Walke. Sigrid Steiner erklärt uns das Grundprinzip des Walkens: Es ist, als ob man Wollsocken zu warm wäscht und diese sich zusammenziehen. In diesem Fall ist das „Verfilzen“ ein kontrollierter Vorgang, wodurch die Vorteile der Wolle verstärkt werden.

Die Hammerwalke und der Schladminger

Besonders stolz ist man auf die Hammerwalke, die seit Beginn der Walkerei im Jahr 1888 im Einsatz ist. Sie ist weltweit einzigartig und sorgt dafür, dass der Schladminger sein bekanntes, grau-meliertes Muster erhält. Mit modernen Maschinen ist eine solche Musterung gar nicht mehr möglich, erfahren wir. Danach werden die Stoffe vorgetrocknet und auf 5 weiteren Stationen unterschiedlich bearbeitet, bevor sie auf etwaige Fehler untersucht, bevor sie entweder vor Ort in der Schneiderei weiterverarbeitet oder verkauft werden.

Nach der Führung landen wir wieder direkt im Shop, wo wir die Produkte diesmal mit anderen Augen sehen und noch einmal die Unterschiede zwischen Decken aus Bergschafwolle und Kaschmirwolle fühlen dürfen. „Wolle gewinnt wieder zunehmend an Bedeutung“, erklärt Sigrid Steiner abschließend – denn die Vorteile von Wolle seien nach wie vor unübertroffen: „Es handelt sich um einen nachwachsenden Rohstoff, der sich selbst reinigt, atmungsaktiv ist und problemlos mit allen Funktionsstoffen mithalten kann.“

Nähere Infos gibt es unter www.steiner1888.com