Kulinarium Steiermark: der Blick über den Tellerrand

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Die Kulinarium-Steiermark-Betriebe stehen für authentische, hochqualitative steirische Küche. Wir waren zu Gast bei drei Traditionsbetrieben in der Erlebnisregion Graz: im Gösser Bräu, im Schlossberg-Restaurant und beim Genusstreffpunkt Höfer in Weinitzen.

Es ist geschichtsträchtiger Boden, den man im Gösser Bräu in der Grazer Innenstadt betritt: Seit 1902 werden im zur Grossauer-Familie gehörenden Gastronomiebetrieb kulinarische Wünsche erfüllt, neue Bekanntschaften geschlossen, Jahrestage gefeiert, in den heimeligen Ecken philosophische Gespräche geführt und natürlich Biergläser geleert. In all den Jahren hat sich zwar das Erscheinungsbild des Gasthauses geändert; der Grundgedanke ist jedoch derselbe geblieben, wie Betriebsleiterin Anna Schnur betont: „Wir haben eine lange Tradition und deswegen soll auch vieles so sein wie früher: die Speisen, die hohe Qualität und die Tatsache, dass in der Küche alles mit Herz und Liebe zubereitet wird.“

Gekocht wird – ganz der Philosophie von Kulinarium Steiermark entsprechend – vorwiegend mit regionalen Produkten. „Es gibt beispielsweise eine über 20-jährige Zusammenarbeit mit dem Gemüsebauer Haar. Er liefert uns täglich frisches Gemüse aus der Region“, erzählt Anna Schnur. Die Speisekarte ist durch und durch steirisch: „Wir haben alle Klassiker vom Käferbohnen- und Kartoffelsalat über Schnitzel und Backhendl, aber auch moderne Gerichte wie Ripperl und Burger, zubereitet im hauseigenen Smoker“, so Anna Schnur. Vegetarier und Veganer kommen ebenfalls nicht zu kurz: Mit dem veganen Erdäpfelgulasch und anderen Speisen beweist das Gösser Bräu, dass es trotz aller Tradition am Puls der Zeit zu finden ist.

Insider-Tipp: das Gösser-Bräu-Gulasch

Von allen Gerichten steht allerdings eines ganz oben auf der Prioritätenliste der Gäste: das Gulasch. Und da gibt’s nicht nur ein gewöhnliches Gulasch (das übrigens auch unglaublich köstlich ist), sondern auch ein eigenes Gösser-Bräu-Gulasch, kreiert vom berühmtesten Lehrling des Traditionsbetriebs: Starkoch Johann Lafer. Das Gösser-Bräu-Gulasch ist nicht auf der Speisekarte zu finden, sondern ein wahrer und etwas seltsam anmutender Geheimtipp, für uns gezaubert von Küchenchef Benjamin Juhasz. Es besteht aus dem klassischen Gulasch, Salzerdäpfeln, einem Spiegelei und einer Frankfurter – garniert mit einem Essiggurkerl. Die Spezialität des Hauses dürfen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Und wir sind überrascht: Die Kombination ist nicht nur gelungen – sie ist ein regelrechtes Feuerwerk für den Gaumen. „Unser Gösser-Bräu-Gulasch wird immer noch sehr gern bestellt, vor allem von Hausgästen. Gäste, die diese Kreation nicht kennen, bestellen sie für gewöhnlich auch nicht, weil sie so seltsam klingt. Deswegen ist sie nicht auf der regelmäßig wechselnden Speisekarte zu finden“, verrät Anna Schnur.

Traditionsbetrieb mit dem Grünen Herz

Dass ein Betrieb mit so viel Liebe zur Tradition, Qualität und Regionalität das Grüne Herz von Kulinarium Steiermark tragen muss, liegt auf der Hand. „Zwischen dem Gösser-Bräu-Inhaber Robert Grossauer und Steiermark Tourismus gibt es eine sehr gute Zusammenarbeit. Und wir wollten unbedingt auch das Grüne Herz auf unsere Speisekarten drucken. Dafür gibt es ein Qualifizierungsverfahren, für das wir uns gleich beworben haben. Und nun dürfen wir uns voller Stolz zu den Kulinarium-Steiermark-Betrieben zählen“, so Anna Schnur. Und was ist ihr persönliches Lieblingsgericht der Gösser-Bräu-Speisekarte? Da muss sie nicht lange überlegen: „Der Krustenschweinsbraten. Der gart über Nacht und bekommt wirklich eine unglaubliche Kruste, dazu gibt’s klassisch Sauerkraut und Semmelknödel.“ Da läuft uns das Wasser im Munde zusammen!

Schlossberg Restaurant: über den Dächern von Graz

Weiter geht’s mit einem nicht weniger bekannten Traditionsbetrieb, diesmal über den Dächern von Graz: dem Restaurant Schlossberg, zu dem wir stilecht mit der Schlossbergbahn anreisen. Empfangen werden wir von Küchenchef Markus Meichenitsch, der uns bereits ein besonderes Menü vorbereitet hat. Auch hier haben die Genussgebote des Kulinarium Steiermark oberste Priorität: regional, authentisch und immer mit Herzblut zubereitet. „Wir vertreten hochwertige Gastronomie und hochwertige regionale Lebensmittel gepaart mit Gastlichkeit. Jeden Tag versuchen wir, die höchsten Ansprüche zu erfüllen. Da war es für uns naheliegend, dem Kulinarium Steiermark beizutreten“, erklärt Markus Meichenitsch.

Und schon tischt er uns den ersten Beweis für Regionalität auf höchstem Niveau auf: ein Sashimi von der steirischen Gebirgsgarnele aus Rottenmann. Serviert wird die Garnele flambiert mit Dashi-Gel, Crispy-Chili-Öl und Apfel-Kren-Salat. „Wir vereinen hier steirische Zutaten mit internationalen Zubereitungsarten und bieten neue Erlebnisse mit bekannten Produkten“, fasst Markus Meichenitsch den Anspruch des Schlossberg-Restaurants zusammen. Daher finden sich regionale Klassiker wie Käferbohnen, Topinambur, Zotter-Schokolade oder Zucchini plötzlich in ungewöhnlicher Form wieder. „Ein gutes Beispiel für unsere neu gedachten Klassiker ist auch unser Brathendl, wofür wir ein Perlhuhn nehmen. Die Keule wird langsam geschmort, die Brust vorsichtig gebraten. Dazu gibt es Sandkarotten, die werden perfekt gereift geerntet und dann in Sand gelagert, sodass sie ein unglaubliches Aroma entfalten. Die Sauce und den Schaum bereiten wir mit schwarzem Knoblauch zu“, so der Küchenchef.

An der Speisekarte erkennt man die Jahreszeiten

Auch die Hauptspeise ist schon beinahe Kunst. Ein knusprig gebratener Rücken vom heimischen Spanferkel wird mit Maisschnitte, eingelegten Eierschwammerln und einer himmlisch cremigen Pfeffersauce kombiniert. Könnte fast zum Klassiker auf der Speisekarte werden – aber nur fast. Denn das beliebteste Evergreen ist das Wiener Schnitzel, gefolgt vom Beef Tatar, hier in Bio-Qualität vom Simmentaler Rind fein gehackt und unter anderem mit Traubenkernöl mariniert. Die Speisekarte variiert je nach Saison, wobei es durchaus auch einmal vorkommen kann, dass im Dezember plötzlich Spargel auf der Speisekarte auftaucht. Warum? „Weil wir viel selbst einkochen und einrexen. Dadurch sind wir zeitlich sehr flexibel und haben trotzdem hausgemachte, regionale Zutaten“, so Markus Meichenitsch. Und: „Ich habe das Einrexen hier im Schlossberg-Restaurant etabliert, da wir absolut keine Convenience-Produkte verwenden.“ Selbstgemacht ist also das oberste Gebot.

Er selbst genießt an der steirischen Kulinarik vor allem, dass sich überall die Jahreszeiten widerspiegeln. „Wenn du in ein klassisches Wirtshaus mit authentischer Küche gehst, erkennst du an der Speisekarte, ob es draußen Herbst oder Frühling ist. Im Herbst ist überall Kürbis zu finden, im Frühling dann Spargel und Bärlauch – man schmeckt und spürt immer die Saison und das schätze ich sehr.“ Und wir können das bestätigen, denn das Dessert, das uns am Ende serviert wird, schmeckt nach purem Sommer. Wir bekommen nämlich eine Polenta-Flammerie mit eingekochten Heidelbeeren und Reisschokoladen-Ganache. Die zarte Säure der Heidelbeeren, die sich mit der milden Süße der Schokolade verbindet, können übrigens auch Veganer genießen: Das Dessert zählt zu den veganen Gerichten auf der Speisekarte, von denen es immer mindestens vier gibt.

Genusstreffpunkt Höfer: Regionaler geht es kaum

Unser letzter Weg des heutigen Tages führt uns zum Genusstreffpunkt Höfer in Weinitzen, nur wenige Kilometer von Graz-Mariatrost entfernt. Dort betreten wir ein kleines Stück Paradies: Die Terrasse bietet einen Blick über den hauseigenen Weingarten und weit über die umliegenden Wälder und Hügel. Im Wirtshaus werden wir bereits vom Gastgeber-Ehepaar Manuel und Barbara Höfer-Schwarze erwartet und herzlich begrüßt. Seit rund 7 Jahren ist der Genusstreffpunkt Höfer Mitglied beim Kulinarium Steiermark – aus gutem Grund. Denn regionaler als hier kann man kaum speisen.

Fisch und Sorbets

Gemüse, Säfte und Weine stammen aus dem eigenen Anbau, der Großteil der anderen verwendeten Produkte kommt aus nahezu fußläufiger Umgebung. „Diese regionale Vielfalt ist es auch, was wir an der steirischen Küche so schätzen“, erklärt Barbara Höfer-Schwarze. „Vom Bach über Almen bis hin zu Äckern und Feldern ist hier alles vor der Haustür. Obst, Kartoffeln, Fisch, Fleisch – dafür muss man nirgends weit hin.“ Das spiegelt sich in der Liste der regionalen Produzenten wider, die den Genusstreffpunkt Höfer mit Zutaten versorgen: das Fleisch stammt von der bekannten Fleischerei Buchberger aus Pöllau, die Eier kommen aus der Gemeinde Weinitzen, Gemüse (wenn nicht vom eigenen Acker) von Gemüse Hütter aus Ludersdorf.

Berühmt ist das 2-Hauben-Lokal vor allem für seine Sorbets – natürlich zubereitet aus dem eigenen Obst, und das je nach Saison. „Wenn auf unserem Kirschbaum die Kirschen reif sind, gibt es Kirschsorbet. Die restliche Zeit des Jahres dann halt nicht“, so Barbara Höfer-Schwarze. Neben den süßen Sorbets (wir probieren die Sorte Heidelbeere und schmelzen dahin!) ist das Wirtshaus vor allem für seine Fischgerichte bekannt. Der Fisch stammt aus der Forellenzucht Igler in Stattegg – und kommt also ebenfalls quasi direkt aus der Nachbarschaft. „Im Sommer sind unsere Fischgerichte definitiv am beliebtesten. Im Winter stehen vor allem Schmorgerichte hoch im Kurs“, weiß Manuel Höfer-Schwarze.

Steirisch, aber mit viel Feinschliff

Gekocht wird – wie könnte es anders sein – klassisch steirisch, „aber mit viel Feinschliff“, wie Barbara Höfer-Schwarze betont. Das Wiener Schnitzel wird natürlich in Butterschmalz gebacken, der sanft geschmorte und butterzarte Zwiebelrostbraten noch nach traditioneller Art mit Erdäpfeln und Speckbohnen serviert. Auch die selbstgebackenen Holzofenbrote á la Bruschetta-Stil sind eine Erwähnung wert: Wir verkosten die drei Sorten Tomate, Eierschwammerl und Pesto (natürlich hausgemacht!). Fazit: super knusprig und aromatisch! Danach bleiben wir vegetarisch, schließlich steht die Schwammerlsaison vor der Tür und die Steinpilz-Tascherl dürfen wir uns nicht entgehen lassen.

Der Schnitzel-Tag muss sein

Schade, dass unser Magen nicht größer ist, denn zu gerne hätten wir auch noch Gerichte probiert, die Bekanntschaft mit dem waschechten Holzkohlegrill in der Küche gemacht haben. Der Küchengriller lüftet das Geheimnis, warum die gegrillten Speisen hier wirklich nach Barbecue, Sommer und Raucharoma schmecken. Und was sucht sich Barbara Höfer-Schwarze am liebsten selbst auf der Speisekarte aus? Da kommt es wie aus der Pistole geschossen: „Schnitzel! Ganz klassisch. Am Sonntag muss es ein Schnitzel sein, da gibt’s keine Diskussion.“ Ganz traditionell also – wie es sich für einen Traditionsbestrieb gehört.

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