Neue Ideen für Graz

Kurz vor der Gemeinderatswahl am 26. September haben wir den Grazer Vizebürgermeister Mario Eustacchio zum Interview gebeten.

Neue Ideen für Graz

Kurz vor der Gemeinderatswahl am 26. September haben wir den Grazer Vizebürgermeister Mario Eustacchio zum Interview gebeten.

Nicht nur Neubauten, sondern auch die Sanierung von Altbau soll in Zukunft gefördert werden, fordert Vizebürgermeister Mario Eustacchio. Und auch in puncto Tierschutz hat der Grazer viele Ideen. Im Interview verrät er, was er in Graz in den kommenden Jahren gerne umsetzen würde – und was er persönlich an der steirischen Landeshauptstadt so sehr schätzt.

Was macht Graz für Sie zu einer so lebenswerten Stadt?
Mario Eustacchio: Die Größe von Graz ist für mich perfekt. Wir haben die Vorzüge einer Großstadt: beispielsweise das großartige Kultur- und Veranstaltungsangebot und gleichzeitig ist der Umgang in Graz untereinander ein vertrauter. In der Innenstadt läuft einem eigentlich immer jemand über den Weg, den man kennt.

Was schätzen Sie persönlich am meisten an unserer Landeshauptstadt? Was ist Ihr Graz-Highlight?
Mario Eustacchio: Am meisten schätze ich unsere historische Altstadt. Insbesondere den Schlossberg, die historische Festungsanlage der Stadt, sollte man als Besucher in Graz unbedingt gesehen haben.

Sie haben ja in den vergangenen Jahren so einiges umgesetzt – was möchten Sie noch weiter verbessern oder vorantreiben?
Mario Eustacchio: Insbesondere im Tierschutz und in den Gemeindewohnungen konnten wir in den vergangenen Jahren viel bewegen. Wir konnten beispielsweise die Wartezeit von bis zu zwei Jahren in den Grazer Gemeindewohnungen auf nur wenige Tage reduzieren. Im Tierschutz wurden Akzente gesetzt, die österreichweit einzigartig sind.
Besonders in diesen Bereichen gibt es aber auch noch zahlreiche Projekte, die ich auch in Zukunft sehr gerne vorantreiben würde. Die Modernisierung der Grazer Gemeindewohnungen und der Ausbau der Tierschutzorganisation in Graz wird auch über die nächsten Jahre eine zentrale Bedeutung haben. Als besonders schönes Projekt möchte ich die „Styriarche“, die Aufwertung eines der größten Grazer Tierheime, hervorstreichen. Hier entsteht ein Tierheim, das weit über Graz hinaus neue Maßstäbe setzen wird.

© FPÖ Graz

Wie kann man in Graz neuen Wohnraum schaffen, ohne dass – wie Sie ja immer wieder kritisieren – schöne Grünflächen zubetoniert werden?
Mario Eustacchio: Wir müssen das Prinzip der Wohnbauförderung grundsätzlich überdenken. Es ist unverständlich, dass nur Neubauten, aber nicht die Sanierung von bereits bestehenden Wohnungen gefördert wird. Hier brauchen wir einen Systemwechsel: Es muss nicht immer der belohnt werden, der neu baut, sondern vielmehr der, der altes wieder zugänglich macht.
Zusätzlich braucht es lokale Baustopps in Bezirken, die gerade besonders stark verbaut werden. Hier ist seit einiger Zeit jedes Maß und Ziel einer vernünftigen Stadtentwicklung verloren gegangen.

Ein großer Kritikpunkt an Graz ist die Verkehrssituation. Was wären hier Ihre Vorschläge? Was kann man optimieren, wo sollte man ansetzen?
Mario Eustacchio: Ich bin der Meinung, dass Parkplätze möglichst unter die Erde verlagert werden sollen, um neuen Platz an der Oberfläche zu schaffen. Dann fällt es uns auch leichter, neue Radwege oder Fußwege zu bauen. Aber auch der fließende Verkehr sollte stärker unterirdisch geführt werden: Erst unlängst habe ich konkrete Planung zur Untertunnelung der beiden Murufer präsentiert. Wir würden damit riesige, attraktive Flächen an der Oberfläche gewinnen und die Stadt bliebe auch weiterhin für Autofahrer geöffnet.

Selbstverständlich braucht es auch einen weiteren Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Hier besteht politisch ein weitgehender Konsens und in den letzten Jahren konnten wir als Stadtregierung wichtige Straßenbahnlinien bereits ausbauen.

Derzeit wird in Graz auch viel über den Klimaschutz diskutiert. Was würde Ihrer Meinung nach am meisten bringen und wovon versprechen Sie sich eher wenig?
Mario Eustacchio: In meiner Verantwortung wurden die thermischen Sanierungen der Grazer Gemeindewohnungen massiv vorangetrieben. Wir tragen damit einen wichtigen Teil zu mehr Energieeffizienz und damit auch zu weniger Verschwendung bei. Ich halte das für den richtigen Weg: Verschwendung vermeiden und so zu einer Win-win-Situation für alle Betroffenen zu gelangen. Wovon ich nichts halte, sind radikale Maßnahmen, wie beispielsweise Auto-Fahrverbote in Graz. Hier ist der Schaden deutlich größer als der Nutzen – wir werden auch in Zukunft den Individualverkehr brauchen und das Weltklima retten wir damit definitiv nicht.

5komma5sinne Logo