Mit einer Lampe aus den Siebziegern an die Spitze

Oimara, Fäaschtbänkler oder Alle Achtung: Bernhard Wittgruber ist nicht nur leidenschaftlicher Musiker – er ist dafür verantwortlich, dass ganz viele kreative Köpfe ihr musikalisches Talent zusammenbringen und daraus etwas ganz Großes entstehen kann. Seine „welovemelodies“-Camps sorgen dafür, dass die Musikwelt mit Hits versorgt wird und Talente von großen Künstlern lernen können.

„Wär ich ein Möbelstück, dann wär ich …“ – na, weitergesungen?
Der „Wackelkontakt“ von Oimara ist dieses Jahr wahrscheinlich das bekannteste Lied im deutschsprachigen Raum. Und entstanden ist es am Fuße der Teichalm. Mit dem Kinderchor der MS Passail. Möglich gemacht hat das der Oststeirer Bernhard Wittgruber. Ja, genau – das Lied, das im gesamten DACH-Raum auf Platz 1 der Charts war, ist im kleinen Örtchen Schrems bei Fladnitz an der Teichalm entstanden, weil der „Bernie“ Musik und das Zusammenbringen von Talenten so sehr liebt. Mit seinen „Almenland Songwriting Camps“ hat Bernhard Wittgruber etwas ganz Besonderes und Einzigartiges geschaffen, denn er bringt Künstler und Künstlerinnen in der Pension Elmer in Schrems zusammen, die sich hier eine Woche lang musikalisch entfalten können und täglich Songs produzieren. Zu den Gästen zählten bereits die Fäaschtbänkler, Alle Achtung, Ina Regen, Toby Romeo – oder eben der Oimara. Wir haben Bernhard zum Gespräch getroffen.

Lass uns einen Blick in deine Vergangenheit werfen. Wie bist du zur Musik gekommen?
Ich habe früh an der örtlichen Musikschule Schlagzeug gelernt und danach in Graz im Musikgymnasium ist Klavier dazugekommen. Nach meinem Musik- und Pädagogikstudium in Wien hat es mich aus familiären Gründen wieder in die Steiermark gezogen, wo ich dann auch an einer öffentlichen Musikschule unterrichtet habe. In dieser Zeit habe ich dann meine erste Platte aufgenommen und habe Pop- und Schlagersongs geschrieben, an Kinderliedern gearbeitet und Songwriting-Camps besucht. Dadurch lernte ich viele tolle Leute kennen, mit denen ich in Kontakt geblieben bin. Ich bin so auch viel herumgekommen und konnte für Künstler:innen wie Vanessa Mai, Beatrice Egli, Michelle und viele mehr arbeiten. Im Jahr 2016, als ich in Den Haag spätnachts noch im Studio war und Gesangsaufnahmen editiert habe, ist mir plötzlich der Name „We love melodies“ in den Sinn gekommen. Ich spürte sofort, da ist eine ganz besondere Energie in diesen drei Worten und damit möchte ich etwas machen. So entstand dann unser Künstler:innen-Kollektiv. Wenn also beim Camp ein Gemeinschaftsprojekt entsteht, veröffentlichen wir auch oftmals unter diesem Namen, aber auch unsere Camps werden unter diesem Namen veranstaltet – wenn man es genau nimmt, ist überall ein bisschen „welovemelodies“ drinnen.

 

Wann und wie bist du auf die Idee gekommen, unter diesem Namen kreative Köpfe auf der Teichalm zusammenzubringen?
Mit einem schwedischen Songwriter bin ich mal mit einem Wohnwagen quer durch Europa gefahren. Das Besondere dabei: Es war ein mobiles Musik-Studio. Auf diesem Weg haben wir noch mal so viele Leute kennengelernt, Lieder geschrieben und produziert. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mir irgendwann gedacht habe, „warum immer durch die Gegend fahren? Ich lade die jetzt einfach mal zu mir ein“ – und dann ist das Almenland Songwriting Camp im Namen von „welovemelodies“ entstanden. Die Pension Elmer hat uns hierbei großartig unterstützt. Meine Familie und Freunde haben mitgeholfen, die Gäste waren unkompliziert und einfach glücklich, da sein zu können. Wir suchten uns für die nächsten Male Sponsoren und machten es möglich, dass wir von 2017 bis 2023 jedes Jahr ein Camp veranstalteten. 2024 waren wir wieder etwas mehr unterwegs und haben Camps auswärts gemacht, wie zum Beispiel das „Camp San Diego“ in Hamburg oder das „Croatia Beach Camp“.

Nimm uns mit in einen Tag Songwriting Camp. Hört sich nach einem Musikparadies an.
Die Gäste kommen am Sonntag hier in der Pension Elmer an, am Montag geht es dann mal los mit dem eigentlichen Camp. Nach einem kurzen Kennenlernen teilen wir die Teams ein. Diese hauen dann pro Tag einen Song raus. Dafür bekommen sie hier Studios und Instrumente zur Verfügung gestellt – und dann darf jeder tun, wie er will. Wichtig ist, dass die Leute Spaß haben, einen regen Austausch führen und musizieren, was das Zeug hält. Dann gibt es Mittagspause, bevor wieder weiter an den Songs gearbeitet wird. Man muss wissen, dass die Pension Elmer wirklich ein kleines Paradies ist: Wir haben hier eine schöne Wiese, einen kleinen Pool, einen Spielplatz und vieles mehr – und überall treiben sich dann Erwachsene aus der ganzen Welt herum, mit Gitarren in der Hand, hier singt jemand, dort freuen sich zwei, weil sie die Strophe fertiggeschrieben haben – als Musiker geht einem da das Herz auf. Und jeden Tag werden dann neue Teams gemacht, es gibt Jamsessions, kleine Feiereien – es soll einfach in einem tollen Umfeld kreativ gearbeitet werden können. Das geht dann eine Woche so, bis der schwere Abschied folgt. Aber wir bleiben fast alle in Kontakt und verfolgen gespannt, was sich bei uns allen so tut, und vor allem freuen wir uns miteinander, wenn jemandem aus der „welovemelodies“-Familie etwas Besonderes bzw. ein neuer Hit gelingt.

 

Deine Camps haben inzwischen unglaubliche Lieder hervorgebracht, nicht zuletzt den Sommerhit „Wackelkontakt“, aber auch den Party-Song „All in“ der Fäaschtbänkler, einige Lieder von Alle Achtung. Auch Chart-Stürmer Toby Romeo ist regelmäßig zu Gast. Dein Beitrag für die österreichische Musikkultur ist also enorm – war das immer der Plan?
Nein, der Plan war das nie – aber umso schöner ist es natürlich, wenn man weiß: „Schau her, wie schön – das Lied ist bei uns entstanden.“ Natürlich muss man immer auch an die Finanzierung vom eigenen Leben denken, aber auch das Camp kostet seinen Teil. Darum ist es schon schön, wenn Lieder kommerziell erfolgreich sind. Nur so kann man dann auch wieder investieren und der Region etwas zurückgeben. Indem man dann mit den Gästen zum Dorfwirt was essen geht, Pensionen belegt und auch Schulen und aufstrebende Künstler:innen ins Projekt miteinbezieht. Also der Plan war es nie, aber schön, welche Türen es geöffnet hat. Dadurch haben Talente die Chance, mit etablierten Musikern zusammenzuarbeiten, neue Hits können entstehen – so bildet sich eine Aufwärtsspirale. Ob aus den Songs dann auch Hits werden wie z. B. der „Wackelkontakt“ oder nicht, liegt nicht in unseren Händen. In jedem Fall aber wurde der Moment so festgehalten – ein „acoustic polaroid“.

Was ist denn ein „acoustic polaroid“?
Auf die sind wir besonders stolz, da sie die Authentizität unserer Lieder, die im Camp geschrieben werden, festhalten. Da gibt es danach im besten Fall nichts mehr im Studio zu überarbeiten – so wie es hier innerhalb eines Tages aufgenommen wird, so geht es auch raus. Das primäre Ziel ist es, „welovemelodies“-Erinnerungen und besondere Songs zu kreieren und nicht vordergründig den neuen Chart-Song zu liefern. Passiert das doch, wie mit dem „Wackelkontakt“, dann ist das natürlich umso schöner, denn es zeigt, dass unser Projekt funktioniert, angenommen wird und mit Begeisterung und Spaß innerhalb eines Tages etwas ganz Großes entstehen kann. Viel wichtiger ist es, dass Musiker sich entfalten können, Spaß am Musizieren haben und ein fertiges musikalisches Erinnerungsstück entsteht.

Wie kann man Teil des Camps werden?
Einfach Kontakt aufnehmen und uns mit der Liebe zur Musik und zum Schreiben begeistern. Wir haben inzwischen sehr viele Bewerber:innen, was uns natürlich sehr freut. Wichtig ist nur, dass es schon einige Stücke gibt, die man selbst geschrieben hat. Der Anspruch ist ja, am Ende der Woche fertige Lieder zu haben. Und das setzt eine gewisse musikalische Grundkenntnis voraus. Aber sonst sind alle herzlich willkommen, solange es unsere Kapazitäten zulassen.

Wen würdest du gerne noch als Gast im Camp begrüßen?
Wenn ich mir einen aussuchen könnte, dann wäre es Chris Martin.

Mit dem Sänger von Coldplay hätte ich jetzt nicht gerechnet.
Mag vielleicht auf den ersten Blick sehr kommerziell wirken, aber die Art und Weise, wie er Songs schreibt, finde ich bewundernswert und seine Stimme auch! Natürlich gibt es neben dem Camp auch noch den Musiker, Produzenten und Songwriter Bernie Wittgruber, der mit ganz vielen kreativen Köpfen zusammenarbeiten möchte. Ich bin da sehr flexibel und schreibe für Jazz-Bands genauso gerne wie für Schlager- oder Pop-Künstler:innen.

All das findet im Herzen der Steiermark statt – warum gerade hier?
Weil’s hier einfach so schön ist und ich den Leuten die Möglichkeit geben möchte, raus aus der Stadt und dem oftmals sterilen Tonstudio zu kommen und entspannt, ohne Druck ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen.

Was treibst du sonst in der schönen Steiermark, wenn du nicht im Studio bist?
Hier im Almenland ist man von einer wunderschönen Landschaft umgeben. Wenn ich also nicht im Studio bin, dann bin ich gerne draußen, gehe in den Wald oder auf den Berg. Ich bin aber auch gerne in der Stadt unterwegs, besuche Events und treffe mich mit anderen Kreativen. Ich würde jedem Gast des Almenlandes empfehlen, auf der Wiese einfach mal die Schuhe auszuziehen, die Augen zu schließen und eine Weile einfach nur ganz tief einzuatmen.

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