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Schrotter Karl
Von der Therme bis zur Gärtnerei: Betriebe in der Oststeiermark im Fokus
„… und eine Blüte mehr“
Die Erlebnisgärtnerei Höfler in Puch bei Weiz gehört zu den Leuchttürmen der Apfelregion.
„Unser ganzer Betrieb ist eine Wohlfühloase“, sagt Hanspeter Höfler, während sein Blick über das weitläufige Gelände seiner Erlebnisgärtnerei und Baumschule in Puch bei Weiz wandert. Neben dem Wohlfühlversprechen liefert er erstaunliche Zahlen: So werden 60.000 Liter Wasser pro Tag zum Gießen benötigt – die Hälfte davon wird von den Pflanzen tatsächlich verbraucht, der Rest über Sammelschächte, Leitungen und Teiche wieder gefasst und bleibt im Kreislauf. Mindestens 15.000 Pflanzensorten hat man im Angebot, darunter allein 400 verschiedene Obstsorten, sagt Höfler und schiebt den dazu passenden Slogan hintennach: „Wir bieten den Leuten Erlebnis, Vielfalt, Flair – und eine Blüte mehr.“
Der von seinen Eltern Hans und Maria vor 60 Jahren gegründete Betrieb zählt zu den unternehmerischen Leuchttürmen der oststeirischen Apfelregion. Rund 75 Prozent der österreichischen Produktion werden auf den sanften Hügeln rund um Puch geerntet. Dieses Potenzial hat Hans Höfler früh erkannt und vor exakt 40 Jahren die Markenpositionierung als „Steirische Apfelstraße“ initiiert. Die Gärtnerei selbst ist einer ihrer Fixsterne. Aktionen wie der großzügig zelebrierter jährliche Saisonauftakt der Gartensaison am Ostermontag und andere Erlebnistage mit bis zu 3000 Besuchern versetzen den Ort regelmäßig in einen Ausnahmezustand.
„Wer einmal da war, kommt wieder“, weiß Hanspeter Höfler, der zusammen mit seiner Frau Elisabeth ein hochkompetentes – zahlreiche Auszeichnungen für die hier ausgebildeten Mitarbeiter zeugen davon – Team führt. Fleiß, Motivation und Begeisterung setzt Höfler dabei voraus – „gerade in einem Beruf, der mit Leben und Natur zu tun hat.“ Wichtig sei aber, dass die Leute lösungsorientiert sind. „Wir sind ein Lösungsunternehmen – es gibt keine Probleme“, betont Höfler. Dieser Selbstanspruch fordert ihn im Alltag selbst. Es sind bekannte Kritikpunkte, die den Unternehmer ärgern: die hohen Lohnnebenkosten und die überbordende Bürokratie. „Die Papierflut für Evaluierungen, Sicherheitsmaßnahmen wächst ständig“, klagt Höfler: „Wenn man da kein Backoffice hat, hat man keine Chance. Allein ist das unlösbar.“
Ihm reicht an diesem sonnigen Frühlingstag aber ein kurzer Blick über die knospenden, blühenden und sprießenden Pflanzen, um das Laune-Barometer wieder in den Plus-Bereich zu drehen. Denn wirtschaftlich angespannte Zeiten sind gute Zeiten für Hanspeter Höfler. „Je mehr die Leute sparen müssen, desto mehr geben sie dafür aus, ihr Zuhause schöner zu gestalten“, begründet er. Denn die schärfste Konkurrenz sind nicht die Bau- und Supermärkte und deren Pflanzensortiment, „sondern Griechenland, die Türkei, Ägypten und andere Destinationen mit ihren relativ günstigen Urlaubsangeboten“, sagt Höfler. Er hoffe daher auf ein Umdenken und ein Comeback des Optimismus – „dass die Stimmung im Land ein bisschen positiver wird, dass wieder mehr regional und nicht nur online gekauft wird und vor allem, dass die Leute wieder Spaß am Arbeiten haben“. Das, so Höfler, sei das Um-und-Auf.
Wo Holz zu Hight-tech wird
Bei Weitzer Woodsolutions wird das Naturprodukt Holz zum Ersatz für Stahl, Aluminium und Co.
„Wir entwickeln Holz dorthin, wo es schon einmal war – nämlich in Züge, Autos, aber auch in völlig neue Anwendungsbereiche“, heißt es bei Weitzer Woodsolutions, einem vor vier Jahren gegründete Tochterunternehmen der Weitzer Group. Das firmeneigene Spin off setzt damit den in der DNA des 1831 gegründeten Traditionsbetriebs verankerten Innovationstrieb fort.
Als in langfristigem Denken geschultes Familienunternehmens habe man es geschafft, das klassische Sägewerkprodukt und die in der Firmenhistorie vor allem für Parkettböden genutzte Ressource weiterzuentwickeln. In all seinen Formen und unterschiedlichen Zusammensetzungen habe Holz das Potenzial, gängige Konstruktionen und Produkte grundlegend zu verändern, ist man überzeugt. So wird auf den Mobilitätsbereich – egal ob im Eisenbahn- oder Automotive-Segment, beziehungsweise in die Cross-Industry – verwiesen. „Überall dort ist es möglich, Holz einzusetzen und Materialien wie Carbon, Aluminium, Stahl zu ersetzen“, sagt Unternehmenssprecherin Michaela Mayr – und steht dabei neben einem Beweisstück für mögliche künftige Einsatzgebiete des ökologischen Leichtbauwerkstoffs: Einer Gondelkabine, deren Karosserie vollständig aus Holz konstruiert ist.
„Wir stellen wirklich alles auf den Kopf und wagen es, den Alleskönner Holz neu zu denken – von der Beschaffenheit über die Robustheit, bis hin zum kleinsten Detail, das erst große Innovationen möglich macht“, beschreibt man den eigenen Beitrag zur allgemeinen Transformation der Wirtschaft. 440 Beschäftigte arbeiten insgesamt in der Gruppe, gut drei Viertel davon am und rund um den Hauptsitz am Stadtrand von Weiz.
Die Voraussetzung, dass man Holzhybride, Holz-Hightech-Materialien herstellen kann, sei unter anderem die Stärkung der regionalen Wertschöpfungskette, streicht Mayr die Vorzüge der lokalen Know-how-Konzentration heraus: „Wenn wir in der Branche zusammenarbeiten, Holz in die Breite bringen, schauen, dass wir den wertvollen Rohstoff länger in der Nutzung behalten und nicht nur als Brennstoff nutzen, haben wir alle gewonnen.“
Stroh als Dämmung, Lehm als Verputz
Bei Naturhaus Wechselland hat man sich dem gesunden und nachhaltigen Bauen verschrieben
Josef Prenner hat sich selbst infiziert. Seit er 2011 sein eigenes Wohnhaus in Naturbauweise gebaut hat, lässt ihn die Idee des ökologischen und gesunden Wohnens nicht mehr los. „Das Leben in einem Naturhaus ist einfach ein ganz anderes Level im Wohnen“, ist er überzeugt und hat daraus eine Geschäftsidee entwickelt. Heute plant und baut der Gründer der Naturhaus Wechselland GmbH mit Sitz in PInggau nicht nur nachhaltige und innovative Projekte, sondern treibt in engem Austausch mit Forschungseinrichtungen auch die Veränderung des Bauwesens Richtung mehr Nachhaltigkeit voran. Oder eigentlich zurück. Denn bei den Baustoffen wird – wie früher – auf tradierte und regional verfügbare Materialien zurückgegriffen: Holz, Stroh und Lehm.
„Holz ist enorm tragfähig, CO2-neutral und sorgt für ein natürlich reguliertes Raumklima, weil es Feuchtigkeit aufnehmen und auch wieder abgeben kann“, streicht Prenner die Vorzüge heraus – und gleichzeitig mit der Hand über die Oberfläche eines knapp bierkistengroßen Demonstrationswürfels, an dem der Aufbau der Riegelbauweise und die Strohballen-Dämmung sichtbar werden. „Stroh ist regional verfügbar, nachwachsend, schadstoffbindend und wird als Putzträger verwendet“, erklärt Prenner. Apropos Putz: Als Innenputz und Schüttmaterial kommt Lehm zum Einsatz. Der Experte argumentiert mit Verweis auf die Fähigkeit des archaischen Baumaterials, Luftfeuchtigkeit zu regulieren sowie Schadstoffe und Gerüche zu binden.
In der Nachhaltigkeitsbilanz stehen damit im Vergleich zu konventionellen Ziegel-, Beton- und Zement-Konstruktionen ein deutlich geringerer Energieverbrach sowie 90 Prozent weniger Emissionen und Restmüll. Und ein deutliches Plus für die regionale Wirtschaft. Prenner setzt nämlich auf ein dichtes Netzwerk von Partnerbetrieben aus der unmittelbaren Umgebung. Selbst sorge man für die Planung, die Projektleitung und auch den Holzbau. „Alle anderen Gewerke, die man für ein Naturhaus braucht, holen wir von regionalen Partnern, um die Wertschöpfung in der Region zu halten.“ Und Josef Prenner ist überzeugt: „Der ganzen Wirtschaft würde es guttun, so zu handeln wie wir es so gut wie möglich handhaben: nicht auf den Preis zu schauen, sondern auf die Qualität.“
„Sind ein Impulsgebe der Region“
In der Heiltherme Bad Waltersdorf setzt man auf Regionalität – vom Wasser aus der eigenen Quelle bis zu den Zulieferbetrieben.
Ein Zufallsfund bei der Suche nach Erdöl brachte die Geschichte des Thermentourismus in der Steiermark ins Rollen. Abseits der traditionellen Kurbäder entwickelte sich eine moderne Wellness- und Gesundheitsinfrastruktur, in der Bad Waltersdorf seit 1985 eine Hauptrolle spielt. „Wir waren Initiator der Region und sind bis heute Impulsgeber“, beschreibt Gernot Deutsch, Geschäftsführer der Heiltherme Bad Waltersdorf entsprechend selbstbewusst die Rolle seines Hauses.
Was mit einem kleinen Innen- und Außenpool, Sauna und Buffet und 22 Beschäftigten begann, ist zu seinem modernen Resort mit zwei Thermen, Hotel, Spa und vielen Ruheoasen sowie 250 eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gewachsen. Dazu kommen 1200 Personen, die in der Region von der Heiltherme leben. Es ist ein eng geflochtenes Wertschöpfungsnetzwerk. „Mein Bestreben ist es, dass unsere Gäste alle unsere Lieferanten und Partner entweder zu Fuß oder mit dem Rad erreichen können. Das ist für der Inbegriff einer echten Nachbarschaft und Regionalität“, sagt Deutsch. In Sachen Energieversorgung ist man indes weitgehend Selbstversorger. „Wir beliefern die gesamte Anlage mit Energie, heizen und kühlen mit unserem Thermalwasser und sind fast CO2-frei.
„Wir stehen für die Kraft der Natürlichkeit und bieten unseren Gästen einen natürlichen und modernen Rückzugsort zum Entspannen und Genießen“, wirbt Deutsch, weiß aber auch um eine weiterhin existierende Lücke: „Wir haben viel zu wenig öffentlichen Verkehr, viel zu wenig Busverbindungen, das ist ein riesiger Pferdefuß. Da passt es vorne und hinten nicht“, findet er deutliche Worte. Der Missstand betreffe die Bevölkerung, die Pendler, aber auch die Touristen. Für Letztgenannte schwebt ihm ein schärfer zugespitztes Angebot vor.
Es gebe die Rennradler, die Mountainbiker, die Downhiller, die Uphiller und vielerorts auf diese Gruppen und ihre speziellen Wünsche abgestimmte Angebote. Für die umfassende Versorgung der „Genussradler“ sieht der selbst sportaffine und radbegeisterte Thermenchef allerdings noch Potenzial. Gerade die Oststeiermark sei eine Region, die sich aufgrund der hügeligen Landschaft für diese Gruppe eigne, und mit ihren vielen kulinarischen Betrieben und Sehenswürdigkeiten wie der Schlösserstrasse, aber auch anderen Produzenten von Spezialitäten eine einzigartige Vielfalt biete, so Deutsch: „Da hätten wir in Zukunft eine Riesenchance, als Genussrad-Landschaft weltweit für Furore zu sorgen.“
