#visitgraz: Mit dem Bike durch die Stadtviertel

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Eine geführte Radtour durch Graz ist die perfekte Möglichkeit, die Stadt von einer neuen Seite kennenzulernen. Abseits der bekannten Hotspots führt dich ein Guide von Graz Tourismus durch verschiedene Grätzeln, vorbei an Kunst, Kultur und versteckten Highlights.

Ich war mir sicher: Graz und ich, wir kennen uns. Schließlich bin ich regelmäßig in der Herrengasse unterwegs, gönn mir am Franziskanerplatz mein Mittagessen und hab in der Sporgasse meine Stamm-Eisdiele. Doch dann kam diese geführte Radtour mit Freunden und auf einmal war alles anders. Auf zwei Rädern fühlt sich Graz wie eine neue Stadt an: überraschend, lebendig und viel bunter, als ich dachte.

So kann ein Sonntag starten

Aufstehen, gemütlich frühstücken und dann ab in die Sportklamotten. Drei Stunden lang wird heute durch Graz geradelt! Helm und Handschuhe wandern noch schnell in den Rucksack und schon geht’s los Richtung Hauptbahnhof. Moment mal, das Rad? Bleibt zuhause. Wir packen nicht lange herum, sondern leihen uns ganz easy Bikes direkt an der Bike Station am Hauptbahnhof. Ganz genau, die haben sogar sonntags geöffnet.

Dort treffen wir auch unsere Freunde. Und einen Mann mit Warnweste, auf der fett #visitgraz prangt. Unser Guide! Daniel grinst uns entgegen. Er kennt Graz wirklich wie seine Westentasche. Vor allem vom Sattel aus. Daniel nimmt uns heute mit auf eine Tour quer durch die Grätzeln, von einem Viertel ins nächste, mitten hinein ins echte Graz, das man im Alltag so leicht übersieht.

Entspannt durch die City

Zugegeben, ich war ein bisschen nervös. Vom Land kommend hatte ich so meine Zweifel, wie wir uns wohl mit dem Rad durch den Grazer Stadtverkehr schlagen würden. Doch schon nach den ersten paar hundert Metern ist klar: Daniel hat die Sache im Griff. Er lotst uns souverän durch die Straßen und ich merke, dass Graz für Radfahrer richtig gut aufgestellt ist.

Außerdem finden die geführten Radtouren bewusst sonntags statt, wenn weniger Autos unterwegs sind und der Verkehr die Sightseeing-Tour nicht stört. und umgekehrt. Kein Wunder also, dass man sich so schnell wohlfühlt im Sattel.

Wenn Kunst, Geschichte und Sportplätze zum Sightseeing werden

Während wir auf dem Weg zum Schloss Eggenberg sind, schweift unser Blick nach rechts: auf das neu entstehende Stadtviertel Reininghaus, durch das wir später auch noch fahren werden. Daniel bremst kurz ab, wir bleiben stehen und er zeigt nach oben. Dort, am Dach der sogenannten „Linse“, glänzt etwas in der Sonne: der „goldene Ast“.

Die Geschichte dazu ist ziemlich spannend: Alfredo Barsuglia, ein in Graz geborener und international bekannter Künstler, hat dieses Werk im Rahmen des Grazer Kulturjahres geschaffen. Auf einem zehn Meter hohen Stahlmast thront ein sieben Meter langer, mit Blattgold überzogener Ast aus Aluminium. Ein Kunstwerk, das man schon von weitem sieht und das bewusst als neuer Treffpunkt gedacht ist. „Die Leute sollen sich beim Haus mit dem goldenen Ast treffen“, erzählt Daniel mit einem Schmunzeln.

Dann treten wir wieder in die Pedale, die Allee entlang, direkt in Richtung Schloss Eggenberg. Ein echter Klassiker in Graz und einfach immer wieder schön! Aktuell ist dort übrigens die Steiermarkschau zu Gast. Die Ausstellung erzählt vom Aufstieg und Fall der Eggenberger, jener Adelsfamilie aus der Steiermark, die das prachtvolle Schloss einst erbauen ließ. Ein spannender Blick zurück in die Geschichte, eingebettet in eine der schönsten Kulissen der Stadt.

Nach dem Schloss geht’s weiter, vorbei beim ASKÖ. Hier legen wir wieder einen Stopp ein und das völlig zurecht. Daniel deutet auf die Fassade, und wir merken sofort: Mit dem Auto würde man dieses Kunstwerk wohl nie richtig wahrnehmen. Vom Rad aus aber schon.

Mehrere Grazer Künstlerinnen und Künstler haben hier ihre Handschrift hinterlassen und die graue Wand in eine bunte Leinwand verwandelt. Ein Projekt, das nicht nur die Sportanlage verschönert, sondern zeigt, wie viele kreative Köpfe das Grazer Stadtbild prägen. Wir sind beeindruckt und wieder einmal froh, dass wir uns auf diese Radtour eingelassen haben.

Reininghaus: Bier, Liebe und Stadtgeschichte

Schließlich rollen wir direkt hinein nach Reininghaus. Bei den bekannten Reininghaus-Gründen bleiben wir stehen, und Daniel beginnt zu erzählen. Die Geschichte des Grätzels ist nämlich ziemlich spannend: Hier waren einst die Brüder Johann Peter und Johann Baptist Reininghaus am Werk. Ab 1853 brauten sie Bier, lebten und liebten hier und trugen damit maßgeblich zur Entwicklung der Stadt bei.

Vor allem die Liebesgeschichten haben Spuren hinterlassen: Gina, die Frau eines der Brüder, soll mehrere Affären gehabt haben und damit für ordentlich Gesprächsstoff und Kopfzerbrechen gesorgt haben. Ein besonderes Kunstwerk an einer Fassade erinnert noch heute daran und macht deutlich, dass in Reininghaus nicht nur gearbeitet, sondern auch intensiv gelebt wurde.

Noch heute ist der alte Brunner erhalten, aus dem einst das Wasser fürs Bier geschöpft wurde. Und wer eine kleine Pause braucht: Direkt hier gibt’s eine Bäckerei, perfekt für eine Stärkung, bevor wir wieder in die Pedale treten und Kurs auf die innere Stadt nehmen.

Zwischen Dalai Lama, Uni-Labyrinth und Opernhaus

Schon ziemlich aufregend, die eigene Stadt einmal aus einem völlig neuen Blickwinkel zu erleben. Einer unserer Stopps führt uns in den Volksgarten. Ein Ort, an dem man als Auswertige sonst vielleicht einfach nur vorbeifährt. Daniel erzählt uns, dass 1998 tatsächlich der Dalai Lama in Graz war und die Friedensstupa persönlich eingeweiht hat. Wir stehen kurz staunend da: ein weltberühmter Friedensbotschafter, mitten in Graz und die meisten von uns hatten keine Ahnung davon.

Weiter geht’s, das Rad rollt fast von selbst durch Lend. Der Uhrturm blitzt zwischen den Häusern hervor und wir spüren so richtig: Jetzt nähern wir uns wieder dem Herz der Stadt. Über die Mur hinweg treten wir in die Pedale und landen direkt im Univiertel. Für uns Nicht-Studierende ein kleiner Abenteuerausflug: Endlich mal Uni-Areal-Luft schnuppern! Wir staunen, wie riesig das Gelände ist, wie verwinkelt die Wege. Ehrlich gesagt: Ohne Navi wären wir hier wohl hoffnungslos verloren.

Nach so vielen Eindrücken kommt die Trinkpause wie gerufen. In der Burger Boutique erwarten uns kühle Säfte und frisches Wasser, die perfekte Erfrischung, bevor es weitergeht. Mit neuer Energie radeln wir zur Oper. Plötzlich sind wir wieder in einem Teil von Graz, den wir eigentlich gut kennen. Und trotzdem: Auf zwei Rädern wirkt selbst Altbekanntes anders, irgendwie lebendiger.

Schlossberg, Kunsthaus & ein Stück Industriegeschichte

Langsam nähern wir uns dem Ende unserer Tour. Ob wir müde sind? Fehlanzeige. Im Gegenteil: Wir sind voller Energie! Es geht noch in Richtung Hauptplatz, aber bitte nicht über die Herrengasse. 😉 Daniel führt uns lieber auf einer alternativen Route, die uns dann den wohl besten Blick auf den Schlossberg beschert. Ganz klar: Das ist der coolste Fotospot der Tour (siehe Titelbild!).

Unser letzter Stopp liegt an der Mur mit Blick auf das Kunsthaus. Wieder einmal staunen wir, wie anders wir unsere Umgebung wahrnehmen, wenn wir sie vom Rad aus entdecken. Über das Kunsthaus wissen wir schon einiges, klar. Aber direkt daneben steht ein Bauwerk, das uns bisher komplett entgangen ist: das Eiserne Haus am Südtiroler Platz.

Von außen wirkt es unscheinbar, fast wie ein Backsteinbau. Doch die Geschichte hat es in sich: Errichtet 1848, gilt das Eiserne Haus als einer der ältesten Bauten Europas mit einer vollständig aus Gusseisen gefertigten Tragstruktur. Damals war das eine kleine Revolution. Ein Bau ohne massive Mauern, getragen nur von gusseisernen Stützen und Trägern. Was Mitte des 19. Jahrhunderts radikal wirkte, wurde ein halbes Jahrhundert später zur Grundlage für moderne Wolkenkratzer. Heute ist das Eiserne Haus Teil des Kunsthauses und ein stiller Pionier der europäischen Industriearchitektur, mitten in Graz.

Am Ende bleibt der Blick für Neues

Drei Stunden später stehen wir wieder am Hauptbahnhof, kein bisschen müde, aber um viele Eindrücke reicher. Uns ist klar geworden: Graz ist so viel mehr als Herrengasse, Sporgasse & Co. Auf zwei Rädern entdeckt man Ecken, die man sonst übersieht, hört Geschichten, die in keinem Reiseführer stehen und versteht plötzlich, warum diese Stadt so viele Gesichter hat.

Ob wir die Tour empfehlen? Ganz klar: ja. Daniel hat uns souverän durch die Straßen geführt, wir haben gestaunt, geschmunzelt und Graz aus einer völlig neuen Perspektive erlebt. Radfahren in der Stadt fühlt sich dabei erstaunlich entspannt an und das sag ich als jemand, der sonst lieber über Landstraßen rollt.

Wer Graz wirklich kennenlernen möchte, sollte sich unbedingt aufs Rad setzen. Mit Helm, Neugier und vielleicht einem kleinen Muskelkater am nächsten Tag, aber garantiert mit vielen neuen Eindrücken. Mehr Infos und Details Buchung gibt’s unter www.graztourismus.at.

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