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Harry Schiffer
Kulinarium Steiermark: Genuss bei geselligem Austausch
Unser erster Weg führt uns direkt ins Herz der steirischen Landeshauptstadt: in die Welscher Stub’n in der Grazer Schmiedgasse. Welscher-Stub’n-Chef Georg Leitner und Küchenchef Markus Neuhold setzen hier auf gutbürgerliche Küche wie Kalbsschnitzel und Knödel, aber auf durchaus gehobenen Niveau: Auf der alle 3 Wochen wechselnden Speisekarte sind momentan Köstlichkeiten wie gebratene Entenbrust, Schwammerl-Lasagne und der Allzeit-Klassiker Beef Tatar zu finden. „Unser Beef Tatar mit hausgemachtem Brioche kommt das ganze Jahr über gut an“, so Georg Leitner – und so überlegen wir nicht lange und verkosten gleich das erste Gericht. Das Rindfleisch stammt übrigens von Kollar-Göbl aus Deutschlandsberg, ist also natürlich durch und durch steirisch, und schmeckt vorzüglich.
„Die Kulinarium-Steiermark-Kriterien passen perfekt zur Welscher Stub’n“, fasst Georg Leitner die Leitlinien des Traditionsbetriebs zusammen: „Wir setzen auf regionale und saisonale Produkte aus der Umgebung und wollen auch präsentieren, was die Region alles kann.“ Auch das passt perfekt, denn schließlich sieht Kulinarium Steiermark die teilnehmenden Köche als nachhaltige „Botschafter des guten Geschmacks“. In der Welscher Stub’n entsteht dabei ein richtiger Genusskalender: „Im Frühling Spargel, dann kommt mit dem Maibock das erste Wild auf die Speisekarte, es folgen die Schwammerl, bis der Herbst dann mit den Wildwochen eingeläutet wird und danach die Ganslzeit kommt“, erklärt Georg.
Neuinterpretationen alter Klassiker
Eintönig wird es Jahr für Jahr dennoch nicht – denn Küchenchef Markus ist ständig auf der Suche nach kulinarischen Trends und Neuinterpretationen. Wie das Gericht, das als nächstes aufgetischt wird: eine gebackene Beiriedschnitte mit geschmorten Tomaten, Bratkartoffeln und Kalbsjus, eine Neuinterpretation des Altwiener Backfleisches. Und diese Neuinterpretation hat es in sich: Das zarte Fleisch und die würzig-knusprigen Erdäpfel in Kombination mit den fruchtigen Tomaten verdienen definitiv ein großes Lob.
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Nur saisonale Speisen
Zu finden sind die Speisen nur dann auf der Speisekarte, wenn sie tatsächlich gerade Saison haben. So sucht man beispielsweise im Sommer hier vergeblich nach einem Vogerlsalat, der nur im Herbst und Winter frisch in der Region geerntet wird. Dafür gibt’s an heißen Tagen leichte Küche wie eine Burrata mit gebratenen Marillen und – wie von uns probiert – Forellenfilet vom Grill mit Tomaten-Beurre-Blanc und Couscous. Wie auch die Forelle, die von der Eisenerzer Fischzucht Taxacher stammt, haben die Produkte, die hier am Teller landen, nur selten einen weiten Weg hinter sich: Frisches Bio-Gemüse wird beispielsweise direkt aus dem Bauerngarten in Graz bezogen. Bemerkenswert ist auch die Weinkarte des Lokals mit über 600 Wein-Positionen, mehr als die Hälfte davon steirisch. „Wir haben eine der besten Weinkarten in Graz“, betont Georg Leitner. Wenn das nicht der perfekte Ort zum Anstoßen ist!
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Der Wein hat durch die Neugestaltung der hinteren Räumlichkeiten ein neues stilvolles Zuhause bekommen, und auch der Gastgarten (unser Tipp: im Sommer nicht nur super gemütlich, sondern auch der perfekte Platz zum „Leut-Schauen“) wurde mit neuen Möbeln ausgestattet. Kein Wunder: Bei Rekordzubereitungen von bis zu 1.200 Hauptspeisen pro Tag – alles frisch gemacht, wohlgemerkt! – müssen Stühle mitunter erneuert werden. Und schließlich sitzt man hier besonders gern lang – entweder in der urigen Stube oder im Sommer draußen im Gastgarten bei dem einen oder anderen Achterl Wein und einer wirklich exzellenten Küche.
Steiermarkhof: von Herzen steirisch
Ebenfalls viel Austausch und ein Miteinander gibt es im Steiermarkhof: Der Kulinarium-Steiermark-Betrieb ist nämlich gleichzeitig ein Seminarhotel und bietet verschiedene Seminarräumlichkeiten für Fortbildungen, Meetings und Vorträge. Damit der Austausch untereinander nicht in allzu großem Hunger endet, gibt es auch ein Hofrestaurant, das mit Stolz das Grüne Herz von Kulinarium Steiermark trägt. Kein Wunder, schließlich trägt der Steiermarkhof das Grüne Herz ja bereits im Namen.
Aufgetischt werden hier zu Mittag täglich zwei Mittagsmenüs für Seminarteilnehmer und Nächtigungsgäste, morgens gibt es ein Frühstücksbuffet und abends eine Snackkarte. Auch ein Mittagsbuffet wird angeboten. Küchenchef Thomas Moyschewitz erklärt: „Das Thema Steiermark zieht sich durch unser ganzes Haus. Die Seminarräume sind nach steirischen Bergen benannt, die Zimmer nach den elf steirischen Erlebnisregionen eingerichtet. Und natürlich sind wir auch in der Küche von Herzen steirisch.“
Das Drittel-Konzept
Aufgekocht wird nach dem sogenannten Drittel-Konzept: Ein Drittel der verwendeten Produkte stammt aus dem direkten Umkreis, ein Drittel kommt aus der Steiermark und das letzte Drittel wird aus ganz Österreich bezogen. „Wir setzen auf saisonale Produkte und sind Genusspartner vom Grazer Krauthäuptel, dem Steirerkren, der steirischen Käferbohne und dem Grazer Kürbiskernöl“, so Thomas Moyschewitz. Und dann wird aufgekocht: Heute gibt es Forelle von Kulmer Fisch mit jungem Spinat, Gewürztomaten und einem Krendressing. Das verwendete Gemüse stammt übrigens vom Genussbauernhof Hillebrand in Premstätten, der auch den Grazer Krauthäuptel liefert. Direkt im Haus gibt es auch das Bäuerliche Versorgungsnetzwerk (BVN), eine bäuerliche Genossenschaft, die verschiedene Produkte kleinerer Betriebe bündelt und an Großküchen ausliefert.
Genuss für Gaumen und Auge
Wer in einem Seminarhotel eine klassische Massenverpflegung erwartet, wird im Steiermarkhof positiv überrascht. Das Küchenteam des Steiermarkhofs zaubert täglich abwechslungsreiche Mittagsbuffets, die nicht nur geschmacklich überzeugen, sondern auch mit einer ansprechenden Präsentation begeistern. Ob saisonale Spezialitäten, kreative Fischgerichte oder besondere Fleischkreationen wie ein Tomahawk-Steak vom Strohschwein mit Kernölgremolata, Rosmarinkartoffeln und Grillpaprika – die Küche des Steiermarkhofs zeigt, wie vielfältig, hochwertig und ,von Herzen steirisch‘ Genuss im Steiermarkhof sein kann. „Besonders beliebt sind bei unseren Gästen allerdings das Backhendl und der Zwiebelrostbraten“, verrät Thomas Moyschewitz. Die Seminarveranstalter können allerdings aus einer Kulinarikmappe auch andere Verpflegungen wählen, z. B. auch eine kalte Jausenplatte oder steirische Schmankerl, oder Speisen aus dem jahreszeitenabhängigen Buffetangebot auswählen. „Wir tischen sehr vielfältig auf – aber unser Fokus liegt trotzdem immer auf der Regionalität und der grünen Linie unseres Hauses“, so Küchenchef Thomas.
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Kreative Gerichte und ungewöhnliche Desserts
Kreativität ist dabei vor allem in den kalten Monaten gefragt: „Wenn bei uns nicht viel wächst, ist es oft schwer, regional zu bleiben. Dann ist man gefordert, sich neue Lösungen auszudenken.“ Und wir merken: Das macht Thomas Moyschewitz richtig Spaß. „Da erkennt man dann erst das breite Spektrum von Rüben oder wie vielfältig sich Äpfel oder Kartoffeln verarbeiten lassen.“ Eine Kreation, auf die er sehr stolz ist, ist seine steirische Käferbohnentorte, angelehnt an die klassische Maronitorte, nur eben mit Käferbohnen. „Da sind die Leute zuerst oft skeptisch, aber dann immer positiv überrascht. Und wenn sie bei uns am Buffet steht, ist sie immer sofort weggegessen“, schmunzelt Thomas. Wir bekommen als Nachtisch zwar keine Käferbohnentorte, dafür aber ein saftiges Schokoküchlein mit Marillen und Minze. Und wir geben zu: Das haben wir auch sofort weggegessen.
Place to be: der Hügellandhof
Vom geselligen Austausch der Seminarteilnehmer führt uns der nächste Weg nach Vasoldsberg zum Hügellandhof – ein Gasthof, der sich ganz der Geselligkeit verschrieben hat. Und das beginnt bereits beim gemütlichen Gastwirt Hans Windisch, der sich jederzeit gerne Zeit für ein Tratscherl nimmt. Neben regionalen Speisen sind auf der Karte des Hügellandhofs auch internationale Einflüsse zu finden, etwa italienisch inspirierte Risotto-Varianten mit heimischen Zutaten und Nudelgerichte aus hausgemachten Nudeln. „Unsere Nudelmaschine in der Küche ist alle zwei bis drei Tage im Einsatz. Die selbstgemachten Nudeln mit Eiern von Josef Hütter aus Paldau sind bei uns schon etwas Besonderes“, erzählt Hans Windisch, der Wert darauf legt, „dass wirklich drin ist, was draufsteht.“ Das sei für ihn auch der Grund gewesen, dem Kulinarium Steiermark beitreten. „Hier gibt es eine kontrollierte Qualität, es wird alles genau geprüft.“
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Vegane Genüsse für alle
Er selbst lebt die steirische Küche mit jeder Faser seines Körpers. „Ich bin in einem Wirtshaus aufgewachsen und liebe unsere Küche. Sie ist sehr fleischlastig, aber auch immer sehr ehrlich. Und man kann alles – ob Fleisch, Fisch, Obst oder Gemüse – direkt aus der Region beziehen.“ Und obwohl der Gastronom kein Geheimnis aus seiner Liebe zu Fleischgerichten macht, ist trotzdem immer mindestens ein veganes Gericht auf der alle zwei Monate wechselnden Speisekarte zu finden.
Im Moment tischt er steirische Falafel mit Käferbohnen-Kernöl-Hummus, Grillgemüse und frischen Eierschwammerln auf – übrigens auch bei Fleischessern sehr beliebt. Das Tüpfelchen auf dem i ist dabei das Kernöl, das er direkt aus der Nachbarschaft bezieht. „Der Betrieb ist nicht besonders groß und daher bei keinem Championat vertreten. Aber das Kernöl ist spitzenklasse und wird laufend frisch gepresst und an mich geliefert“, so Hans Windisch. Auch der Apfelsaft vom Hohenegger Hof und die Erdäpfel vom Bauernhof stammen aus unmittelbarer Nähe.
Hausgemacht schmeckt's am besten
Als nächstes dürfen wir uns die hausgemachten Tagliatelle nicht entgehen lassen. Serviert werden sie mir geschmorten Backerl vom Strohschwein, frischen Steinpilzen, gebratenem Süßkraut und geröstetem Buchweizen. Das Gericht ist ein Traum – zartes Fleisch, unglaublich aromatische Nudeln und on top der knusprige Buchweizen für den Extra-Crunch. Es ist wieder einmal schade, dass wir keinen zusätzlichen Magen haben, in dem noch ein Fischgericht Platz hätte. Denn auch für seinen Fisch – großteils aus den Foberlteichen in Dörfla bei Kirchbach – sowie für seine Fischsuppe ist der Hügellandhof berühmt. Und auch seine Steaks und verschiedene Themenabende locken zahlreiche Gäste an. Und wer trotz der guten Lage direkt an der Autobahnabfahrt Laßnitzhöhe abends nicht mehr heimfahren möchte, kann in einem der 24 Zimmer oder im völlig neuen Penthouse (inklusive Whirlpool auf der Terrasse!) des Hügellandhofs einchecken.
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Strudel, Kuchen und Co.
Bei den Nachspeisen dominiert ein Evergreen: der Schokoladenkuchen, der seit mittlerweile 17 Jahren auf der Speisekarte steht, „gleich lang, wie ich das Restaurant schon führe“, schmunzelt Hans Windisch. Auch Buchteln und Strudel in allen Varianten – gefüllt mit Marillen, Heidelbeeren oder anderem Obst, das gerade Saison hat – zählen zu den Dessert-Klassikern. Wir entschieden uns für ein leichtes Marillen-Topfen-Tiramisu mit Walnuss-Crumble und Stracciatella-Eis. Und obwohl wir schon nach den Schweinebackerl einen gut gefüllten Magen hatten, war es uns wie durch ein Wunder möglich, auch diesen cremig-fruchtigen Traum noch zu verputzen.