
Unterwegs mit einem Koch, der genauer hinschaut
Die Kraft der richtigen Entscheidung
Die Arbeitsplatte würde nicht millimetergenau in die Küche einer Familie passen, hätte der Tischler nicht mit Werkzeug gearbeitet, dem er vertraut. Werkzeug, das er kennt. Das zu seiner Hand passt. Zu seinem Anspruch. Der Skifahrer – oder die Skifahrerin – würde nicht mit Bestzeit ins Ziel kommen, wären Ski, Schuhe und Material nicht exakt auf Technik, Strecke und Bedingungen abgestimmt. Leistung ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis von Erfahrung, Vertrauen und den richtigen Entscheidungen im Detail. Und in der Küche ist es nicht anders. Für Walter Triebl beginnt Spitzenküche lange bevor der erste Topf heiß wird. Sie beginnt bei den Produkten, bei ihrer Auswahl. Und sehr oft bei den Menschen, die hinter ihnen stehen.
Drei Hauben, ein dauerhaft ausgebuchtes Restaurant Lilli in Fehing und eine Küche, die durch Klarheit und Tiefe überzeugt – all das wäre nicht denkbar ohne Zutaten, von denen Walter zu hundert Prozent überzeugt ist. Zutaten von Betrieben, die regionale Qualität über alles stellen. Und von Menschen dahinter, die mit derselben Präzision arbeiten wie er selbst.
Erster Stopp: SteirerKren
Unsere Tour begann dort, wo Herkunft nicht nur ein Wort ist, sondern gelebte Realität: im schönen Steirischen Vulkanland, genauer gesagt in Feldbach. Und gleich der erste Stopp war ganz nach meinem Geschmack: SteirerKren. Dort wurde mir einmal mehr bewusst, warum Kren in meiner eigenen Küche eine unverzichtbare Zutat ist. Ob Vorspeise, Salat oder Suppe, er verleiht Gerichten nicht nur Schärfe, sondern auch dieses gewisse Etwas, das man nicht erklären muss, sondern schmeckt.
So sieht das auch Walter Triebl. Der SteirerKren sollte später an diesem Tag noch eine Hauptrolle spielen: fein verarbeitet, auf getoastetem Schwarzbrot, kombiniert mit cremigem Topfen – als Aufstrich, der schließlich gemeinsam mit Beef Tatar serviert wurde. Präzise eingesetzt, nicht dominant, aber sehr präsent.
Dass der SteirerKren zu den beliebtesten Produkten der Steiermark zählt, kommt nicht von ungefähr. Qualität, die konstant ist. Geschmack, der überzeugt und dass all das aus Feldbach kommt, fühlt sich ein bisschen an wie die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Die jahrelange Zusammenarbeit mit Walter und der Einsatz von SteirerKren in seiner Haubenküche werden auch beim Betrieb selbst geschätzt. Man merkt schnell, dass sich hier Produzent – allen voran der Geschäftsführer der Feldbacher Fruit Partners GmbH Philipp Hörlein – und Koch auf Augenhöhe begegnen. Gleiche Werte, gleicher Qualitätsanspruch.
Und dann gab es da noch eine zweite Entdeckung, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist und die Walter in seiner Küche täglich aus voller Überzeugung verwendet: die Lieblingszwiebel.
Keine Tränen mehr in der (Hauben)Küche
Sorgfältig ausgewählte Zwiebeln, bereits geschält, geschnitten und perfekt angeröstet, eine echte Erleichterung! Nicht nur in der Haubenküche, sondern überall dort, wo mit Leidenschaft gekocht wird. Walter greift in der Vorbereitung ganz selbstverständlich darauf zurück, etwa wenn ein Paprikahendl am Plan steht. Und siehe da: keine Tränen, kein Zeitverlust, volle Kontrolle über Geschmack und Textur. Seit diesem Besuch hat die Lieblingszwiebel auch fix einen Platz in meinem Vorratsschrank.
Zweiter Stopp: Ölmühle Fandler
Und wenn wir schon vom gewissen Etwas sprechen, dann führt kein Weg an der Oststeiermark vorbei – zur Ölmühle Fandler nach Pöllau. Hier dreht sich alles um Bio-Öle. Um ihre Herkunft, ihre Verarbeitung und ihr enormes geschmackliches Potenzial. Julia Fandler gilt als Koryphäe auf dem Gebiet der Ölpressung und das merkt man vom ersten Moment an. Ihr Zugang ist präzise, neugierig und kompromisslos qualitätsorientiert.
Ob Kürbiskern, Chia-Samen, Erdnuss oder Marillenkern, bei Fandler entstehen ölige Essenzen aus Nüssen, Samen und Kernen, die weit mehr sind als bloße Zutaten. Sie sind Feinarbeit, Konzentration und oft genau jener letzte Schliff, der einem Gericht Charakter verleiht. Dass diese Bio-Öle ihren fixen Platz in der Haubenküche von Walter Triebl haben, überrascht mich also nicht.
Gemeinsame Haltung, gemeinsamer Anspruch
Genauso wenig überrascht mich die selbstverständliche, freundschaftliche Begrüßung zwischen Julia Fandler, dem Fandler Geschäftsführer Peter Schloffer und Walter. Hier begegnet man sich auf Augenhöhe. Man kennt sich, man weiß, woher die Produkte kommen und man weiß auch, wo sie landen. Diese gegenseitige Wertschätzung ist spürbar. Auf der einen Seite das Wissen um jedes Detail der Verarbeitung, auf der anderen Seite der bewusste, respektvolle Einsatz in der Küche. Und auf beiden Seiten ein ehrlicher Stolz darauf, Teil desselben kulinarischen Netzwerks zu sein.
Bei der Ölmühle Fandler blieb es natürlich nicht beim Schauen und Zuhören. Wir nahmen jene Produkte mit, die später auch tatsächlich auf den Tellern landen sollten – wie Bio Camelina Öl und kaltgepresstes Kürbiskernöl. Eine echte Geschmacksrarität. Tief, nussig, mit jener Eleganz, die nur entsteht, wenn Rohstoff und Verarbeitung perfekt zusammenspielen. Und schließlich Kürbiskernmehl. Ein Produkt, das später noch eine überraschend große Rolle spielen sollte: Es verfeinerte die Sauerrahmspätzle nicht nur geschmacklich, sondern machten sie auch optisch zu einem Highlight.
Vom guten Leben zum guten Gericht
Mit bereits vielen Köstlichkeiten im Gepäck ging es wieder zurück ins Steirische Vulkanland. Zu einem Produzenten, dessen Produkt am Abend eine tragende Rolle spielen sollte, zum KP-Hendlhof. Katharina und Patrick Birkl beschäftigen sich privat und beruflich schon seit Jahren mit dem Wohl verschiedenster Hühner. Seit 2019 betreiben sie ihren Hendlhof, auf dem sie von Juni bis Dezember Hennen und Hähne – unter anderem die französische Rassehühner B. Gauloises Blanche – großziehen. Ich bin Walter sehr dankbar, dass er mich an diesen Ort mitgenommen hat. Denn hier wird Tierwohl nicht nur als Begriff verwendet, sondern wirklich gelebt. Ein Ort, an dem man spürt, dass die Tiere nicht nur artgerecht gehalten werden, sondern ein gutes, ruhiges Leben haben. Mit Platz, mit Zeit, mit Respekt. Genau diese Haltung macht den Unterschied und genau diesen Unterschied schmeckt man!
Ich habe zuvor schon vom Paprikahendl gesprochen. Eines meiner Lieblingsgerichte aus Kindheitstagen. Meine Oma war Wirtin und hat es perfekt zubereitet. Und ja, ich gebe es zu: Das Paprikahendl aus Walter Triebls Küche im Restaurant Lilli in Fehring kommt dem meiner Oma sehr nahe, wenn es es nicht sogar übertrifft. Geschmack und Qualität sind kaum zu übertreffen. Man merkt es am Fleisch. An der Struktur, an der Ruhe, die ein Produkt ausstrahlt, wenn es mit Verantwortung verarbeitet wurde.
Qualität beginnt im Kleinen
Doch nicht nur das Hendlfleisch bezieht der Haubenkoch von Katharina und Patrick vom KP-Hendlhof. Auch die Eier spielen in seiner Küche eine zentrale Rolle. Sie finden ihren Weg in Teige, sorgen für Struktur und Geschmack und tauchen je nach Saison und Idee auch als gewachstes oder pochiertes Ei auf den Tellern im Restaurant Lilli auf.
Schon beim Aufschlagen wird klar, dass hier etwas anders ist. Die Farben sprechen für sich. Konsistenz, die man spürt. Geschmack, der nicht erklärt werden muss. Von konventioneller Bio-Qualität zu sprechen, wäre hier zu kurz gegriffen. Was am KP-Hendlhof entsteht, ist eine eigene Liga. Next Level. Weil Haltung, Fütterung und Zeit zusammenspielen und weil man auch bei etwas so Alltäglichem wie einem Ei merkt, wenn es mit echter Verantwortung entstanden ist.
Hier kommt das Video: Gemeinsam mit Walter Triebl waren wir auf Tour und haben jene Menschen besucht, die mit ihren Produkten seine Haubenküche im Restaurant Lilli in Fehring prägen.
Gemeinsam gekocht, gemeinsam genossen
Nach unserer Tour – und zugegeben schon etwas hungrig – fanden wir uns im Restaurant Lilli in Fehring in der Küche ein. Dort wurde gemeinsam gekocht. Ich durfte Walter Triebl nicht nur bei der Zubereitung über die Schulter schauen, sondern helfen und auch den einen oder anderen Küchen-Hack mit nach Hause nehmen.
Punktgenau um 16 Uhr war es dann so weit: Die Menschen, die wir zuvor besucht hatten, kamen ins Lilli – diesmal als Gäste. Sie verkosteten ihre eigenen Produkte, veredelt zu Gerichten aus Walters Küche, in einer entspannten, geselligen Runde. Spoiler: Die Begeisterung war groß und die Stimmung großartig.
Ohne Wein kein Sein
Und weil im Restaurant Lilli in Fehring die Zutaten für die Gerichte denselben hohen Stellenwert haben wie die Weinbegleitung, durften an diesem Abend auch zwei Winzer nicht fehlen. Persönliche Besuche hatten wir tagsüber zwar nicht mehr geschafft, umso schöner war es, sie zu unserem gemeinsamen Essen einzuladen. Winzer, deren Weine auf Walters Weinkarte einen ganz besonderen Platz einnehmen.
Beef Tatar & Ortswein
Den Auftakt machte Stefan Müller vom Weingut Müller in Klöch. Sein Ortswein . ein herrlicher Riesling vom Ried Seindl . begleitete uns beim Beef Tatar. Und was soll man sagen: ein Perfect Match.
Ortsweine sind etwas Besonderes, weil sie das Wesen eines Ortes in sich tragen. Sie erzählen von Boden, Klima und Landschaft, aber auch von der Handschrift des Winzers. Sie stehen genau zwischen Leichtigkeit und Tiefe und sind damit ideale Speisenbegleiter. Klöch wiederum zählt zu den spannendsten Weinorten der Südoststeiermark: vulkanische Böden, kühle Nächte und viel Handarbeit sorgen hier für Weine mit Präzision, Frische und Charakter.
Bevor es weitergeht, lassen wir Bilder sprechen. Das Beef Tatar, der Riesling im Glas und jene Atmosphäre am Tisch, die diese Zusammenkunft so besonders gemacht hat.
Das fein gehackte Rinderfilet mit einem Hauch Bio-Camelina-Öl, das getoastete Schwarzbrot mit Steirerkrenaufstrich, dazu der klare, präzise Riesling von Stefan Müller. Herkunft traf auf Handwerk, Struktur auf Frische. Genau jene Kombination, die zeigt, wie stark ein Gericht wird, wenn Wein nicht begleitet, sondern mitspielt.
Paprikahendl & Pinot Noir
Dann ging es weiter zum Paprikahendl und zu einem Winzer, der längst Kultstatus genießt. Nicht nur wegen seiner markanten Kappe, sondern vor allem wegen seiner Weine. Wir sprechen von Josef Scharl aus St. Anna am Aigen.
Josef Scharl ist nicht nur jener Winzer, der den Hauswein „Lillis Liebling“ für das Restaurant Lilli keltert. Er hat auch so manches auf Lager, das bei Walter Triebl regelmäßig für Begeisterung sorgt. An diesem Abend war es sein Pinot Noir, der das Paprikahendl begleitete und sich als perfekte Wahl erwies. Fein, elegant, mit Struktur und Tiefe. Ein Wein, der das Gericht nicht überlagert, sondern trägt. Genau so, wie gute Begleitung funktionieren soll.
Fast sinnbildlich saß Josef an diesem Abend direkt neben Kathi vom KP-Hendlhof. Und spätestens da wurde klar: Hier stimmt nicht nur das Pairing am Tisch, sondern auch die Chemie zwischen den Menschen. Zwischen Wein und Hendl. Zwischen Betrieben, die in derselben Region verwurzelt sind und dieselben Werte teilen.
So entsteht Genuss
Dieser Tag hat eindrücklich gezeigt, wofür Walter Triebl steht. Er ist ein Koch, der hinschaut. Der wissen will, woher Produkte kommen, wie sie entstehen und wer dahintersteht. Einer, der Beziehungen pflegt, statt nur Zutaten zu verarbeiten.
Mir wurde – ganz besonders dann am gemeinsamen Nachmittag und Abend – deutlich vor Augen geführt, wie viel Kraft in echter Zusammenarbeit liegt. Wenn Produzenten, Winzer und Koch einander auf Augenhöhe begegnen. Wenn Vertrauen, Respekt und gemeinsame Haltung den Ton angeben. Dann entsteht mehr als ein gutes Gericht. Dann entsteht Genuss.
Genau diese besondere Stimmung am Tisch haben wir natürlich auch in einem Video eingefangen und damit den perfekten Abschluss für unseren 5,5-Sinne-Blog gefunden.




