Kulinarium Steiermark: Bodenständig und authentisch

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Ob nun Schnitzel, Rostbraten oder Knödel: Das Qualitätssiegel Kulinarium Steiermark steht für bodenständige steirische Küche aus heimischen Zutaten. Wir waren bei drei alteingesessenen Betrieben in der Region Graz zu Gast, bei denen besonders viel Wert auf Tradition gelegt wird: beim Lend-Platzl, dem Gasthaus Zur Alten Press und im Gasthaus Zur Schmied’n.

Dass man im Gasthof Lend-Platzl am Grazer Lendplatz um das Thema Tradition gar nicht drumherum kommt, beweisen schon die Räumlichkeiten: Seit rund 400 Jahren werden hier am Eck Richtung Volksgarten knurrende Mägen gefüllt. Ursprünglich war das Haus eine Kutscherstation und lud Kutscher und Pferde auf ihren Wegen zwischen Wien und der Adria zu einer gemütlichen Rast ein. Durch das Tor, das früher den Postkutschen offen stand, betreten wir heute den gemütlichen Gastgarten, der mit seinen Weinranken und der gemauerten Hausfassade nach Urlaub und Entspannung aussieht.

Seit 30 Jahren bewährt

Das Lend-Platzl ist ein waschechter Familienbetrieb: Johannes Klug führt den Betrieb gemeinsam mit seinen Eltern und seinem Bruder; auch seine Frau ist hier tätig. Vor 30 Jahren hat die Familie den Gasthof übernommen und: „Das Kalbsschnitzel bereiten wir heute noch gleich zu wie damals: frisch paniert und knusprig frittiert“, erklärt Johannes Klug. Neben rund 30 fixen Gerichten, die von Backhendl über Käsespätzle bis hin zum Kaiserschmarrn reichen, gibt es je nach Saison regelmäßig wechselnde Tageskarten: deftig im Winter, leicht und erfrischend im Sommer. Auch dort sind traditionelle Gerichte zu finden. „Es existieren rundherum so viele Restaurants, die kreative und innovative Küche anbieten. Aber manchmal wollen die Leute einfach ein ganz klassisches heimisches Gericht, und dann sind sie bei uns richtig“, sagt Johannes Klug.

Immer frisch verarbeitet

Der gelernte Hotelkaufmann tüftelt gemeinsam mit Küchenchef Muhamet Svishta dennoch regelmäßig an neuen Kreationen, die zur Linie des Gasthofs passen. Ein besonderes Gericht, das von den Gästen geliebt wird, ist beispielsweise das Schweinekotelett, das mit Apfelscheiben und Käse überbacken wird. In der aktuellen Eierschwammerl-Saison tischt er uns ein Rehmedaillon mit gerösteten Eierschwammerln und Spätzle auf. Das Reh bezieht er direkt vom Jäger.

„Unsere Speisekarte richtet sich danach, was wir gerade bekommen. Reh wird bei uns dann zubereitet, wenn es erlegt wird, und nicht eingefroren und irgendwann wieder aufgetaut.“ Vielleicht ist das der Grund, warum das Fleisch so unglaublich zart und aromatisch ist. Die (natürlich steirischen) Eierschwammerl und die hausgemachten Spätzle sind die ideale Ergänzung zum frischen Wildfleisch. Dazu gibt’s Vogerlsalat mit Kürbisscheiben und Ziegenkäse – perfekt für den Sommer. Wären uns die Kernölflecken egal, würden wir uns hineinlegen!

Der Bauernmarkt vor der Haustür

Viele Zutaten wie Eier, Kartoffeln, Gemüse und Milch beziehen Johannes Klug und sein Team vom Bauernmarkt am Lendplatz, also direkt vor der Haustür. „Wir sind ein Kulinarium-Steiermark-Betrieb, weil es uns sehr wichtig ist, woher die Produkte kommen. Wir sind ein steirisches Lokal und zeigen das auch voller Stolz“, so Johannes Klug. Daher wird auch beinahe alles selbst zubereitet: „Wir machen beispielsweise alle Suppeneinlagen wie Leberknödel und unsere beliebten Kaspressknödel selbst, auch alle Saucen und die Kräuterbutter“, betont er.

Danke, wir sind satt

Hausgemacht sind natürlich auch die Topfennockerl auf Marillenragout, die wir zur Nachspeise probieren – flaumig weich und himmlisch fruchtig. Was uns auffällt: Küchenchef Muhamet bereitet nicht nur alles frisch zu und dekoriert die Speisen mit Liebe, sondern ist auch alles andere als knausrig, was die Größe der Portionen betrifft. „Bei uns sollen die Leute wirklich satt werden. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn die Leute am Ende noch immer hungrig sind“, schmunzelt Johannes. Und sein Plan geht auf. Nach den drei Topfennockerl zur Nachspeise können wir uns beinahe nicht vorstellen, überhaupt jemals wieder Hunger zu haben.

Zur Alten Press: Ganz nach Omas Art

Auch der nächste Traditionsbetrieb, den wir besuchen, geizt nicht mit Portionsgrößen. Das Gasthaus Zur Alten Press in der Grazer Griesgasse in der Nähe des Kunsthauses kocht nach Omas Rezepten – und tischt ganz nach Omas Art in ordentlichen Mengen auf. Gastwirt Dieter Skrobanek, übrigens seinerzeit einer der jüngsten Haubenköche Österreichs, hat das Traditionsgasthaus im Jahr 2005 übernommen und aus dem eher verkommenen Beisl ein urig-lässiges Lokal gemacht, das Küche für alle bietet. „Es war mir immer wichtig, dass sich ein Bankdirektor hier genauso wohlfühlt wie ein Bauarbeiter.“

Seine Speisekarte ist durch und durch steirisch: Neben Gulasch, Lammbratwürstel (exklusiv von den Weizer Schafbauern für die Alte Press hergestellt) und Tafelspitz gibt es auch Kernöleierspeis, Käferbohnensalat, Knödel mit Ei und Schopfbratl. „Wir kochen auch Beuschel und Flecksuppe und es wundert mich immer wieder, wie gut diese Gerichte bei Jugendlichen und Studenten ankommen“, so Dieter Skrobanek, der gemeinsam mit Ehefrau Karina Wenger-Skrobanek und seinem Team den Laden am Laufen hält.

Regionalität im Fokus

Regionalität steht in der Alten Press an oberster Stelle. So wird der Zwiebelrostbraten kurzerhand zum Schwammerlrostbraten, wenn in der Steiermark die Eierschwammerlsaison beginnt. Auch Vulcano-Schinken, Käse der Hofkäserei Deutschmann, der Grazer Krauthäuptel und steirische Käferbohnen sind aus der Speisekarte nicht wegzudenken. „Man hat hier in der Gegend einfach alles, was man braucht. Die Steiermark ist ein Paradies für jeden Koch“, ist Dieter Skrobanek überzeugt. Das ist einer der Gründe, weshalb er mit Stolz das Kulinarium-Steiermark-Gütesiegel trägt. „Wir kaufen lokal bei steirischen Produzenten ein und das wollen wir auch zeigen.“

Chilis aus dem eigenen Garten

Sein persönliches Highlight der Speisekarte ist sein Beef Tatar vom Jungstier mit Chili, Sprossen, Basilikum und Kirschparadeisern. Kräuter und Chilis stammen aus seinem eigenen Garten. Wir probieren – und staunen nicht schlecht über die besondere Würze des frisch gehackten Fleisches. „Wenn wir Zeit haben, bieten wir auch selbstgemachte Ravioli an, die wir mit regionalen Zutaten füllen“, so Dieter Skrobanek.

Alles modern angerichtet

Seine nächste Empfehlung lautet: in dunklem Bier geschmorte Schweinswangerl mit Dijon-Senf-Sauce, Erdäpfel-Gartenkräuter-Püree, Lauch und Chili. Da sagen wir nicht Nein und bald darauf steht ein himmlisch duftendes Gericht vor uns, das uns an längst vergangene Zeiten erinnert. „Wir kochen tatsächlich wie die Oma. Viele Leute sagen zu uns, dass sie das zu Hause einfach nicht so hinbekommen wie wir“, zeigt sich Dieter Skrobanek stolz auf seine Traditionsküche. Innovativ ist er trotzdem: „Unsere alten Gerichte treffen durchaus auch auf moderne Zubereitungsarten wie z. B. den Sous-vide-Garer. Und es wird bei uns auch alles modern angerichtet und nicht einfach auf den Teller geklatscht.“

Beeindruckendes Dessert

Auch bei den Desserts wird nichts „aufigeklatscht“, wie Dieter sagt, sondern auf höchstem Niveau angerichtet. Von Ribiseltiramisu über selbstgemachte Sorbets bis hin zu kunstvollen Nougatblättchen ist alles hausgemacht. Für uns gibt es eine köstliche Pistazien-Crème-brûlée, eine der vielen Dessert-Köstlichkeiten auf der Speisekarte. Warum? „Weil das Flambieren immer so beeindruckend wirkt“, schmunzelt Dieter Skrobanek, der nicht nur ein herzlicher Gastgeber, sondern auch ein alter Medienprofi ist. Schließlich zählte er früher, als er noch in Wien arbeitete, zu den Lieblingsköchen der Wiener High Society. „Es war eine lässige Zeit, aber inzwischen koche ich lieber für das bodenständige Grazer Publikum“, gibt er zu. Und auch hier lieben die Gäste seine Rezepte.

Zur Schmied’n: Hier werden Genüsse geschmiedet

Weiter geht’s zu einem Traditionsbetrieb in Graz, der sich durch seine ausgezeichnete Küche längst steiermarkweit einen Namen gemacht hat: zum Gasthaus Zur Schmied’n in der St.-Peter-Hauptstraße. Eröffnet wurde das traditionell-steirische Gasthaus im Jahr 1983 von Toni Maier, vor rund drei Jahren hat Tochter Anna-Lisa Muskatel den Betrieb übernommen. „Mein Papa ist damals dem Kulinarium Steiermark beigetreten, weil ihm gut-steirische Küche und regionale Zutaten immer wichtiger waren als Internationalität“, erzählt Anna-Lisa.

Aufgrund seiner Liebe zur Kochkunst lässt sich Toni Maier trotz wohlverdienter Pension regelmäßig noch in der Schmied’n blicken und greift Tochter Anna-Lisa unter die Arme. So auch heute, wo er darauf besteht, uns seine spezielle Tafelspitz-Sulz zu kredenzen. Das Besondere an der Vorspeise: Der Tafelspitz ist tatsächlich ein „Spitz“. „Zwei Jahre lang habe ich an dieser speziellen Tafelspitz-Form getüftelt. Aber wie ich es nun mache, verrate ich natürlich nicht“, erklärt Toni Maier uns mit einem Augenzwinkern.

Spitzes Kunstwerk

Wir bewundern das Kunstwerk schon beim Anrichten gebührend: Die kegelförmige Sulz wird mit frischem Zwiebel, Käferbohnen, Ei und Tomaten garniert und mit Essig von Fischerauer sowie steirischem Kürbiskernöl übergossen. Dazu gibt’s Rucola-Salat mit einer Apfelbalsam-Marinade und frischem Schwarzbrot – ein Augenschmaus, der fast schon zu schade zum Essen ist!

Steirische Küche kann auch leicht sein

Obwohl die Tafelspitz-Sulz zu den beliebtesten Vorspeisen zählt, hat sich unter Anna-Lisas Führung das Speisenangebot ein wenig geändert: „Früher hatten wir fast ausschließlich Fleischgerichte auf unserer Karte. Inzwischen versuchen wir mehr vegetarische Haupt- und Vorspeisen, wie unser Rote-Rüben-Carpaccio mit Naaser Schafskäse, Rucola und Walnüssen, anzubieten“ erzählt Anna-Lisa. „Auch wenn die Gäste unsere klassischen, gut bürgerlichen Gerichte lieben, ernähren sie sich auch gerne bewusster, und unsere heimischen, regionalen Zutaten eignen sich für alle Varianten – von deftig bis zur leichten Küche“. Die Klassiker auf der Speisekarte dürfen trotzdem nicht fehlen: Besonders beliebt sind z.B. das Schmied’n Pfandl mit Filetspitzen vom Rind, Schwein und Huhn in Rahmsauce mit selbstgemachten Butterspätzle, das Backhendl und der Zwiebelrostbraten.

Favorit: die Lachsforelle

Anna-Lisa verrät uns auch ihren persönlichen Favoriten auf der Speisekarte: Das Lachsforellenfilet von der Fischzucht Schröcker aus der Weizklamm mit Kürbisrisotto. „Man schmeckt dabei einfach, dass es sich um einen heimischen Fisch in höchster Qualität handelt. Und das Kürbisrisotto ist für mich auch der pure Geschmack der Heimat“, so die Schmied’n-Managerin. Das müssen wir natürlich probieren – und wissen sofort, was Anna-Lisa meint. Wir lassen uns die Steiermark regelrecht auf der Zunge zergehen – aromatisch und mit viel Fingerspitzengefühl zubereitet.

Frisch geliefert, sofort verarbeitet

Die Speisekarte wird saisonal angepasst, wie wir selbst miterleben: Bei unserem Besuch wird gerade eine Ladung frisch gesammelter Steinpilze geliefert. „Jetzt gibt’s gebackene Steinpilze auf der Karte“, freut sich Toni Maier über die nach Wald duftende Spezialität. Im Frühling dominieren Bärlauch und Spargel die Speisekarte, im Herbst werden die aktuellen Schwammerl und Pilze von Wild und Gansl abgelöst. Die meisten Zutaten stammen aus der direkten Umgebung, der Salat wird vom Gemüsebauern nebenan geliefert.

Ein Knödel zum Abschluss

Und auch die Desserts der Schmied’n können sich sehen lassen. „Wie alles bei uns sind auch alle Nachspeisen hausgemacht, wir kaufen nichts zu“, betont Anna-Lisa. Wir entscheiden uns für einen Marillenknödel, der mit flaumigem Topfenteig und vollmundiger Füllung unseren Naschhunger stillt. Fazit: Hier werden Genüsse geschmiedet, die die Schmied’n zu Recht so bekannt gemacht haben!

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