Auf die Beete, fertig, los – Gemüsebauern gesucht

Knackfrische Karriere mit Karotten, Kraut & Co.: Weil auf unseren Tellern noch jede Menge Platz für steirisches Gemüse ist, will die steirische Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer nun mehr Menschen animieren, in den Gemüsebau einzusteigen. Eigene berufsbegleitende Kurse machen auch Quereinsteiger fit fürs Beet.

Wer heute beruflich nochmal völlig neu durchstarten oder einfach seinen Job hinschmeißen will, macht oft einen Podcast. Oder eröffnet ein Vintage-Café. Manche kaufen sich einen Foodtruck. Die Steiermark hätte da noch einen anderen Vorschlag: Gemüse.

Klingt im ersten Moment nicht nach dem großen Karriereplan. Dabei könnte genau dort eine der spannendsten Chancen für die kommenden Jahre liegen. Denn während Regionalität in aller Munde ist, kommen Karotten, Zwiebeln, Brokkoli & Co. häufig  noch immer nicht aus der Steiermark. Über alle Gemüsesorten hinweg liegt der Selbstversorgungsgrad übers Jahr hinweg bei nicht mehr als 50 Prozent. Kurzum: Auf unseren Tellern ist noch jede Menge Platz für steirisches Gemüse. „Hier sind wir zum Teil wirklich unterversorgt“, sagt Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer (ÖVP). Deshalb ist Gemüse einer der Schwerpunkte der 2024 von ihr initiierten „Lebensmittelstrategie weiß-grün“.

5.000 Quadratmeter statt 5.000 E-Mails

Wer jetzt an große Höfe und Maschinen sowie Millionen-Investitionen denkt, wird überrascht sein: „Mit einer Fläche ab 5.000 Quadratmetern ist es möglich, einen Gemüsebau im Vollerwerb zu führen, wenn man es richtig angeht“, sagt Schmiedtbauer. Das bedeutet dann meist: Direktvermarktung statt an Großhändler zu liefern und erst wieder vom Weltmarkt abhängig zu sein.

Die Zielgruppe beim Job-Aufruf von Simone Schmiedtbauer? „Eigentlich alle.“ Landwirte, die einen neuen Betriebszweig suchen. Junge Menschen, die etwas Eigenes aufbauen wollen, ohne über hektarweise Eigengrund zu verfügen. Aber auch Quereinsteiger. Menschen, die nach Jahren im Büro lieber Erde unter den Fingernägeln hätten als Excel-Tabellen auf dem Bildschirm.

Garten am Berg als Vorbild

Die Beispiele dafür gibt es längst. Einer davon stand heuer sogar auf der Bühne des steirischen Innovationspreises Vifzack. Michael Windberger von „Garten am Berg“ baut in Schladming auf 960 Meter Seehöhe Gemüse an. Viele erklärten ihn anfangs für verrückt. Heute zeigt sein Betrieb auf 1,8 Hektar Pachtgrund (davon 3.500 Quadratmeter Vielfaltsgemüseanbau), dass Dinge funktionieren können, die vor einigen Jahren noch als unmöglich galten.

„Die Nachfrage nach heimischem Gemüse ist absolut da“, sagt die Agrarlandesrätin. Und das ist wohl die wichtigste Nachricht für alle, die mit dem Gedanken spielen, etwas Neues zu wagen. Der Markt ist längst da. Die Kunden auch. Was fehlt, sind in vielen Bereichen Produzenten bzw. auch findige Vermarkter.

Trend zum Selberanbau

Dazu kommt ein Trend, den man mittlerweile in jedem Freundeskreis beobachten kann. Früher wurden Urlaubsfotos gepostet. Heute tauchen zwischen den Bildern plötzlich Tomatenpflanzen, Hochbeete und selbst gezogene Gurken auf. Die Lust aufs Selbermachen wächst. Und mit ihr das Interesse daran, wo Lebensmittel herkommen. „Und vielleicht lernen dabei auch mehr Menschen, warum es notwendig ist, Pflanzen auch gegen Schädlinge oder Krankheiten zu schützen“, hofft Schmiedtbauer, die selbst einen Hof betreibt.

 

Berufsbegleitend in Großwilfersdorf

Wer tiefer einsteigen möchte, findet in der Steiermark bereits passende Angebote. Eine zweijährige berufsbegleitende Ausbildung in der Gartenbauschule Großwilfersdorf vermittelt das nötige Wissen – vom Anbau bis zur Vermarktung. Dort sitzen heute schon Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen nebeneinander. Leute aller Altersklassen, die Lust haben, Neues wachsen zu lassen.

Und die Chancen enden nicht beim Bauernmarkt. Schulen, Pflegeheime, Großküchen, Spitäler und Handelsbetriebe suchen zunehmend regionale Produkte. Mit dem Bäuerlichen Versorgungsnetzwerk (BVN) wurde in den vergangenen Jahren sogar eine Struktur aufgebaut, die Produzenten und Großabnehmer zusammenbringen soll. Die oft zitierte Ausrede, regionale Lebensmittel seien nicht verfügbar oder die Mengen zu klein, zieht immer weniger.

 

Kein Spaziergang, aber erfüllend

Natürlich ist Gemüsebau kein Spaziergang. Wetterkapriolen, Schädlinge und lange Arbeitstage lassen sich nicht wegdiskutieren. Wer Lebensmittel produziert, braucht Wissen, Geduld und Leidenschaft. Aber genau darin liegt auch der Reiz. Denn während viele Produkte heute irgendwo zwischen Fabrikhalle, Logistikzentrum und Supermarktregal entstehen, wächst ein Salat noch immer dort, wo Landwirtschaft seit Tausenden von Jahren beginnt: in der Erde. Und gute Erdung braucht der Mensch.

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