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Die geballte Wirtschaftskraft der Südweststeiermark
Spannende Unternehmerinnen und Unternehmer kennenlernen, Ideen austauschen, Netzwerke stärken und die Zukunft der Region aktiv mitgestalten. Der Wirtschaftsgipfel Südweststeiermark des Wirtschaftsbundes am 19. August in Hengsberg bietet allen unternehmerisch denkenden Menschen die ideale Gelegenheit dazu!
Bei der Podiumsdiskussion geben Vertreter:innen vier südweststeirischer Wirtschaftsbetriebe Einblicke – und tauschen sich über Chancen, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven für die Wirtschaftskraft der Südweststeiermark aus. Wir von 5komma5sinne haben die vier Betriebe aus der Südweststeiermark vorab besucht. Sie beweisen die enorme Innovationskraft der Region und die große Bandbreite von Energie über Präzision und Handwerk bis zu hochwertigen Lebensmitteln.
Präzision serienmäßig: "Dünner als menschliches Haar"
Bei Heideco in Deutschlandsberg ist bei Spezialanfertigungen und Kleinserien von Baugruppen- und Komponenten für die Industrie höchste Präzision gefragt.
„Ist der Chef da?“ Mit dieser Frage läuft man bei Heideco in Deutschlandsberg ins Leere. „Wir sagen dann immer: Wir haben keinen Chef!“, lacht Karina Rüge. Besagte Fragesteller würden dann unverrichteter Dinge wieder gehen: „Selber schuld, wenn man die Hausaufgaben nicht macht und sich auf die Firma, die man besucht, nicht vorbereitet.“
Seit 2018 teilt Rüge sich mit ihrer Mutter Karin Lorenz die Geschäftsführung des von Helmut Reichenpfader 1989 gegründeten Unternehmens. Der Vater, heute 86, arbeitet im klassischen Familienbetrieb am Stadtrand von Deutschlandsberg immer noch mit. „Wir verbinden altes mit neuem Know-how“, streicht Karina Rüge den Wert von Erfahrung heraus. Mit einer 22-köpfigen Belegschaft hat man sich auf die Produktion von Dreh- und Frästeilen, von Einzelstückanfertigungen bis zu Klein- und Mittelserien, spezialisiert. So stellt man beispielsweise Sackabfüll-Baugruppen für die Pharma- und Futtermittelindustrie her. Präzision ist dabei oberstes Gebot. „Wir arbeiten in einem Genauigkeitsbereich dünner als ein menschliches Haar“, vergleicht Karina Rüge.
In der seit dem Um-und Ausbau des Firmengeländes vollklimatisierten Werkshalle – die bearbeiteten Materialien sind teils sehr temperatursensibel – stehen dafür hochautomatisierte CNC-Fräsmaschinen wie Sandstrahlkabinen und Flächenschleifer, 3-D-Koordinatenmessgeräte und Werkbänke. Bei einem Facharbeiteranteil von hundert Prozent werden die nach Wünschen und Plänen der Kunden maßgefertigten Anlagen bis Asien exportiert.
Auch sonst ist man Teil globalisierter Fertigungsketten. Das inkludiert auch unerwünschte Nebenwirkungen. So schlagen geopolitische Turbulenzen wie Kriege direkt und umgehend auf den Weltmarkt durch – und damit bis zu lokalen Material- und Einkaufsdisposition in Deutschlandsberg. „Wer da schneller reagiert, ist der Gewinner“, sagt Rüge. Auf die Überholspur im Standortwettbewerb gebracht hat die Region dabei die Koralmbahn, spricht sie von einem „großen Zugewinn und wertvollen Faktor“. Potenzial sieht sie diesbezüglich allerdings noch in der regionalen Anbindung an die Bahn selbst. Im unternehmerischen Umfeld spüre sie indes einen Umbruch Richtung verstärkter Zusammenarbeit: Futterneid gebe es zwar – „Das ist normal“ (Rüge) – , sie nehme aber eine Tendenz wahr, dass Betriebe zusammenarbeiten „und beginnen, das große Ganze zu sehen“.
Immer unter Strom
Von Elektrotechnik zur Energieerzeugung: Mario Resch hat das Angebot seines Unternehmens Resch Elektrotechnik GmbH in Groß St.Florian sukzessive erweitert. Die Koralmbahn bietet weiteres Wachstumspotenzial.
Mario Resch steht inmitten seiner Photovoltaik-Freiflächenanlage. „In der Region gibt es viele derartige PV-, aber auch Biogasanlagen. Wenn man diese Erzeuger mit den Verbrauchern zusammenbringt, gibt es großes Potenzial, die Strom- und Energiekosten niedrig zu halten“, sagt Resch. Er ist Inhaber und Geschäftsführer des 1992 von seinem Vater gegründeten Elektrotechnikunternehmens.
Die 2 Megawatt-Anlage steht wenige Autominuten von seinem Betriebsstandort entfernt direkt an der Koralmbahn-Trasse. „Dass diese Bahnstrecke und dieser Bahnhof bei uns in der Region sind, ist eine Chance, die sonst niemand hat“, freut sich Resch über das Jahrhundert-Infrastrukturprojekt. Erste positive Folgen seien bereits spürbar. Durch den Zuzug im Wohnbereich und Ansiedlungen von Betrieben gibt es mehr Aufträge.
Als „All-in-one“-Anbieter deckt Resch mit seinen 55 Beschäftigten – in Kürze starten zusätzlich fünf Lehrlinge – sämtliche Bereiche der Elektrotechnik ab. Zum einen, was das Kundenspektrum betrifft: von privat über Gewerbe bis zu Industriebetrieben. Zum anderen angebotsseitig, wo die Spannweite vom Verteilerbau bis zu Blitzschutzanlagen und seit 2010 auch erneuerbarer Energie (PV) reicht. Zudem gehören auch Handel, Reparatur und Service von Elektrogeräten in Reschs Portfolio.
Dabei kann das Unternehmen auf ein dichtes, überbetriebliches Netzwerk regionaler Partnerinnen und Partner vertrauen. Für einen Dienstleistungsbetrieb ein wichtiges Fundament, sagt Resch. Probleme sieht er dagegen für den produzierenden Bereich: „Wenn ich jenseits der Grenze nur einen Bruchteil bei Investitions- und Betriebskosten habe, ist es schwierig, Unternehmen in die Region zu bekommen“, sagt er. Die allgemeinen Rahmenbedingungen machen es aber auch Unternehmen wie seinem eigenen nicht einfach. Hohe Lohnennebenkosten und wachsende Bürokratie wirken wie ein Widerstand in einem Stromkreis.
Facelifting für alte Polstermöbel
Manuela Lackner-Kaufmann (TDL – Tapezierer & Dekorateur Lackner-Kaufmann) repariert alte Polstermöbel und verschönert mit Vorhängen & Co. Wohn- und Alltagskulissen.
Ihr persönliches Lieblingsstück entstammt der eigenen Familienhistorie. Ein Polstermöbel von ihrer Großmutter, das Manuela Lackner-Kaufmann „mit viel Liebe hergerichtet hat“, verweist sie vor allem auch auf den emotionalen Stellenwert. Das monetär wertvollste war hingegen ein teilweise mit Blattgold verziertes und auf drei Stück weltweit limitiertes Exponat aus dem sogenannten „Sisi-Barock“, das Lackner-Kaufmann in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt restaurieren durfte. Bei den ersten Handgriffen sei da besondere Vorsicht und Respekt dabei, bevor professionelle Routine Platz greift, erinnert sie sich.
Lackner-Kaufmann kann diesbezüglich mittlerweile auf langjährige Routine zurückgreifen. Seit 2002 führt sie zusammen mit ihrem Mann Bernhard Kaufmann den Tapezierer- und Dekorateur-Meisterbetrieb TDL in Straß in der Südsteiermark. Mit drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben sie sich auf die Revitalisierung alter Polstermöbel, Vorhangdekorationen sowie Sonnen- und Insektenschutz spezialisiert. In sämtlichen Bereichen geht es dabei um handwerkliche Expertise und präzise Verarbeitung hochwertiger Materialien.
Der Schwerpunkt liegt für Lackner-Kaufmann aber im Reparieren alter Dinge. Im Vergleich zum Herstellen von etwas Neuem gebe es einen größeren Vorher-Nachher-Effekt, wenn man aus einem alten Polstermöbel vom Dachboden ein neues Designerstück fürs Wohnzimmer mache, erklärt sie den Reiz ihres Berufs. In der an das Verkaufslokal angrenzenden Werkstatt im Erdgeschoss des Gebäudes wird bespannt, gehämmert, gebügelt und geschnitten. Rollen mit verschiedensten Stoffen stapeln sich, Mappen mit aktuellen Designs liegen auf, Stühle und Sofa-Teile warten auf ihr Facelifting. Die Aufträge kommen aus ganz Österreich, aus Slowenien, aber auch Aufträge aus Skandinavien waren schon dabei, erzählt Manuela Lackner-Kaufmann mit leuchtenden Augen.
In die Faszination mischen sich aber auch zunehmend Misstöne: Für Kleinunternehmen und Handwerksbetriebe werde es immer schwieriger, den anwachsenden Verwaltungsaufwand zu bewältigen. „Mein Hauptbeschäftigungsgebiet ist die Werkstatt. Ich verbringe aber immer mehr Zeit im Büro. Das schränkt mich in meiner Kreativität ein“, beklagt Lackner-Kaufmann die anschwellende Bürokratie.
Da besteht "dringender Handlungsbedarf"
Martin Tatzl hat mit „Green Pork“ einen in der Südoststeiermark regional verwurzelten Fleischproduktionsbetrieb gegründet.
„Wir verarbeiten ausschließlich österreichische Schweine und Rinder“, betont Martin Tatzl. Damit bleibt die Wertschöpfung sehr regional – „ohne dass Tiere quer durch Europa transportiert werden“, betont er. Rund um ihn werden gerade Schweinehälften für den Transport verladen. Der Schlacht- und Zerlegebetrieb ist Teil der Wertschöpfungskette von „Green Pork“. Das Unternehmen wurde vor zehn Jahren von Tatzl gegründet.
Heute führt er 350 Beschäftigte und betreibt in einem Umkreis von rund 30 Kilometer rund um die Zentrale in Wolfsberg im Schwarzautal knapp 30 Standorte. Unter anderem werden bestehende leerstehende landwirtschaftliche Betriebe übernommen und für nachhaltige Schweinehaltung genutzt.
So wird die gesamte Produktionslinie abgedeckt: von der Futtermühle samt Getreidetrocknung – „Ohne die lässt sich eine derartige Struktur nicht aufrechterhalten“ (Tatzl) – über eine Eberstation, die Schweinezucht und Schweinemast bis zum Schlacht- und Zerlegebetrieb.
Dazu kommen noch Lohntransporte für Getreide und Gülle sowie eine Energieproduktion mit Blockheizkraftwerk, Holzvergasung und Sonnenstrom. „Wir sind abgesehen vom Treibstoff für den Fuhrpark zu 100 Prozent energieautark“, ist Tatzl stolz auf die diesbezügliche Unabhängigkeit.
Andere externe Faktoren haben dagegen massiven Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. „Wir vermarkten unsere Produkte zwar zu 100 Prozent in Österreich, stehen aber auch hier europäischer Konkurrenz gegenüber und haben durch unsere hohen Lohnstückkosten einen wesentlichen Wettbewerbsnachteil“, klagt Tatzl und wird deutlich: „Da haben wir uns aus dem Wettbewerb geschossen.“
Als personalintensiver Dienstleistungsbetrieb sieht er diesbezüglich „dringendsten Handlungsbedarf“ für die Politik. Dazu kritisiert Tatzl eine weitgehend fehlende beziehungsweise lückenhafte Herkunfts-Kennzeichnungspflicht für Großabnehmer und verweist auf die dadurch steigenden Billigimporte – eine Entwicklung, die von der aktuell enormen Überproduktion im Ausland gespeist wird. Zudem wirke sich der wirtschaftliche Aufholprozess nach dem Regierungswechsel in Ungarn auf den regionalen Arbeitsmarkt aus: „Er erschwert die Suche nach in der Grenzregion pendelnden Fachkräften aus Ungarn“, so Tatzl.
Wirtschaftsgipfel Südweststeiermark
Beim Wirtschaftsgipfel Südweststeiermark bringt der Wirtschaftsbund engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer zusammen, um Ideen auszutauschen, Netzwerke zu stärken und die Zukunft der Region Südweststeiermark aktiv mitzugestalten.
- Mittwoch, 19. 8. 2026
- Beginn: 18 Uhr I Einlass: 17:30 Uhr
- Hengistzentrum Hengsberg I Hengsberg 7, 8411 Hengsberg
Podiumsdiskussion mit:
- Manuela Lackner-Kaufmann | TDL – Tapezierer & Dekorateur Lackner Kaufmann
- Mag. Karina Rüge | Heideco GmbH
- Martin Tatzl, MSc | GreenPork GmbH
- Ing. Mario Resch | Resch Elektrotechnik GmbH
Alle Details zur Veranstaltung finden Sie hier.






