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Die Polizei, dein Freund und Influencer
Er könnte wirklich auch Flugbegleiter werden. Zumindest, wenn man ihm dabei zusieht, wie er am Rande des Radwegs steht und mit ausladenden Armbewegungen erklärt, wo die weißen, gelben und roten Rückstrahler auf einem E-Scooter hingehören, und weshalb ebendieser „ka Gehsteiggerät“ ist. Dienstkappe auf dem Kopf, immer einen Schmäh auf den Lippen und eine Mission im Gepäck: Willkommen in der Welt von Possegger Sepp, dem wohl bekanntesten Dorfpolizisten des Landes, der eigentlich gar nicht existiert. Denn hinter der fiktiven Figur vom imaginären Posten Geiring steckt Daniel Sagernik, hinter dem Format die steirische Polizei.
Humor wird hier mit steirischer DNA, Meme-Kultur, Präventionsbotschaften und moderner Behördenkommunikation verknüpft. Den Instagram-Account gibt es seit Mai 2025, mit dem Start der Serie #SOKO „Gebirgsbach- Zucchini“ gingen die Zahlen durch die Decke. Heute zählt der Account @polizei.stmk mehr als 54.000 Follower. Speziell Fahrt aufgenommen hatte alles mit einer Antwort auf ein virales Video des umtriebigen Marderjagdvereins Söding. Auf deren dokumentiertes „Bochfischn“ hin, unter anderem nach der seltenen Art der „Gebirgsbach-Zucchini“, fasste das Team der Polizei Steiermark den Plan, mit einem Augenzwinkern darauf zu reagieren. Ohne Absprache wollte man eine Gegenantwort provozieren und nahm Ermittlungen wegen mutmaßlicher Schwarzfischerei auf. Daraus entwickelte sich ein digitaler Schlagabtausch.
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„Wir haben kein exaktes Drehbuch. Vieles entsteht spontan und direkt am Set.“
Ein grobes Drehbuch gibt es, vieles entsteht spontan – und das Habitat der Gebirgsbach- Zucchini ist immer nur einen Steinwurf entfernt. Wir waren beim Dreh dabei.
Türöffner
Zurück ins Geschehen am aktuellen Drehort am Stadtstrand von Graz: „Wos isn do schou wieda lous?“ Ein Schwenk auf die Füße von Florian Huber, der für die filmische Inszenierung der Insta-Beiträge hinter der Kamera steht und in die Rolle des Aspiranten schlüpft, ist für den Posseg- ger Sepp Anknüpfungspunkt für weitere Sicherheitshinweise. E-Scooter-Ausfahrten in Schlapfen mit Sportsocken? Nachdrücklich rät er zu g’scheitem Schuhwerk und Schutz für den Kopf. Dafür bringt er seinen Vorrat an Kopfbedeckungen zum Einsatz – Dienstkappe, Mopedhelm, Sportkapperl, Nussschale, perfekter Helm. „Humor und Selbstironie sind bei uns kein Selbstzweck, sie dienen als Türöffner für polizeiliche Botschaften und den gesetzlichen Auftrag der Polizei“, verweist Markus Lamb, Polizeisprecher der Landespolizeidirektion Steiermark, auf Sinn und Zweck der Social-Media-Arbeit.
Das Konzept geht auf: Mehr als zwei Millionen Menschen konnten bereits allein die Folgen rund um Possegger Sepp erreichen. Bis zu 80 Prozent der Personen, die mit den Inhalten in Kontakt kommen, folgen dem Kanal gar nicht. „Das bedeutet, die Inhalte werden über die bestehende Community hinaus wahrgenommen. So können wir neue Zielgruppen erschließen – es sind vor allem junge Menschen, die über herkömmliche Medien und Formate kaum mehr angesprochen werden können“, unterstreicht Lamb. Erklärvideos ohne erhobenen Zeigefinger, Präventionsarbeit, in humorvollen Geschichten verpackt – das hat bereits weit über die steirischen Grenzen hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt. Besonders stolz ist die Polizei Steiermark darauf, dass sie als einzige Behörde in Österreich den Titel „Ehrenbehörde 2026“ erhielt. Die Auszeichnung durch eine Auswahlkommission würdigt moderne Behördenkommunikation in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In der Folge konnte man zusätzlich den Sieg beim öffentlichen Online-Voting für sich verbuchen und setzte sich im gesamten deutschsprachigen Raum gegen große Polizeibehörden aus Hannover und Berlin durch.
Daniel Sagernik ist übrigens im echten Leben Streifenpolizist und stellvertretender Inspektionskommandant der Dienststelle Hitzendorf. Seine Erfahrungen beim Laientheater und seine Leidenschaft für die Bühne kommen ihm in seiner Rolle zugute. 2021 nahm er an der ORF-Castingshow Starmania teil, heuer hat er mit seiner Band eine Liebeserklärung an die Heimatstadt Graz veröffentlicht. Dass er bei Verkehrsanhaltungen im Außendienst das eine oder andere Mal wiedererkannt wird, ist bereits vorgekommen, hat aber keine wirklichen Probleme gemacht. Eher gespielt aus dem Konzept bringt ihn da ein verdächtiges Plätschern in der Mur. Halt, das kann nur eine Gebirgsbach-Zucchini sein! Der Spaß kommt bei den Drehs nie zu kurz, die transportierten Inhalte der Erklärvideos werden freilich penibel recherchiert. Dafür zeichnet die Social-Media-Redaktion verantwortlich, sämtliche Regelungen und gesetzliche Vorgaben müssen ja korrekt wiedergegeben werden. Ansonsten wird der Ablauf nur grob entworfen, vieles entsteht spontan, weiß Social-Media-Redakteurin Kristina Weitacher-Lamb. „Daniel sagt Dinge, die kann man sich gar nicht ausdenken“, schmunzelt sie.
„Er schießt extrem gut aus der Hüfte und hat meistens eine Gag- Dichte, die es einem leichtmacht“, bekräftigt Huber, der aus dem Material schnelle Frequenzen schneidet. Der unkonventionelle Weg sorgt in den eigenen Polizeireihen manchmal für kritische Worte, „wir versuchen aber auch intern bestmöglich aufzuklären“, betont Lamb. Denn all die Bemühungen verfolgen das Ziel, die Nähe zur Bevölkerung zu stärken und die Reichweite zu erhöhen, um die Polizeiarbeit über digitale Kanäle wirksam zu unterstützen und weiterzuentwickeln. Wie wesentlich und wichtig das ist, zeigt die Kommunikation im Krisenfall – etwa beim Amoklauf im Vorjahr in Graz: „Auf unseren Aufruf hin wurden fast 900 Fotos und Videos mit möglichen Hinweisen hochgeladen.“ Die Mithilfe der Bevölkerung kann essenziell sein, die Resonanz wird auch bei Zeugen- und Fahndungsaufrufen genutzt. Dazu braucht es eben niederschwellige Wege und Mittel.
Mission erfüllt
Die Instagram-Serie rund um den Possegger Sepp hat sich jedenfalls zu einem der erfolgreichsten digitalen Kommunikationsformate der Polizei Steiermark entwickelt. „Der Social-Media-Auftritt darf natürlich nie auf Kosten Betroffener gehen oder Kriminalität verharmlosen“, gibt Lamb die Marschrichtung vor. Zwölf Folgen der Serie wurden inzwischen veröffentlicht. Zu Redaktionsschluss verzeichnete das launige Video zu den Regelungen für E-Scooter mehr als 24.700 Likes und mehr als 408.000 Views. Mission accomplished, könnte man sagen.
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„Das Format verbindet Humor und Prävention.“
Teamarbeit. Markus Lamb, Polizeisprecher der Landespolizeidirektion Steiermark (links), mit den Machern des Social-Media-Auftritts, der Unterhaltung mit polizeilichen Inhalten verknüpft.




