Kulinarium Steiermark: Kulinarisches Dreamteam in Frohnleiten

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Bei unseren Besuchen der Kulinarium-Steiermark-Betriebe führt uns unser Weg diesmal nach Frohnleiten in der Erlebnisregion Graz: Hier sind das Landhaus Rois mit seiner Haubenküche und der bodenständige Hoaterwirt zu finden. Die beiden Gasthäuser ergänzen sich übrigens nicht nur kulinarisch hervorragend.

Wir lieben Frohnleiten: das idyllische Städtchen, die beleuchtete Skyline zur Weihnachtszeit und das viele Grün rundherum. Und auch die Frohnleitner Kulinarik kann sich sehen lassen, wie wir bei unserem nächsten Besuch der Kulinarium-Steiermark-Betriebe feststellen. Unser erster Weg führt uns ins Landhaus Rois, wo Reinhard Rois auf 2-Hauben-Niveau aufkocht. Bodenständig ist Reinhard trotz seines beachtlichen Lebenslaufs – u. a. war er Koch für das Formel-1-Team und Küchenwirt beim legendären Stanglwirt in Tirol – trotzdem geblieben. So landen bei ihm beispielsweise verschiedenste Innereien wie gebackene Hühnerleber, geröstete Lammleber, Kalbsrahmbeuschel, Flecksuppe und Milzschnitten am Teller.

„Wir sind hier am Land“, erklärt Reinhard. „Da kommen die Leute nicht scharenweise von selbst, sondern du musst ihnen etwas bieten.“ Und das tut der Kulinarium-Steiermark-Betrieb der ersten Stunde: Auch die bodenständigsten Gerichte werden mit Herz und Leidenschaft angerichtet und oftmals mit einem kleinen kulinarischen Extra verfeinert. „Unsere Landhaussalate richten wir meistens mit einem wachsweich gekochten Wachtelei an“, so Reinhard Rois. Die Wachteleier stammen aus Fladnitz und reihen sich damit in die lange Liste regionaler Zutaten, die in Reinhards Küche zu finden sind.

Für alle, die sich nicht entscheiden können

Das Gütesiegel Kulinarium Steiermark trägt Reinhard Rois mit Stolz: „Ich war eigentlich von Anfang an mit dabei und auch Mitglied des Anfangsgremiums. Und ich stehe nach wie vor dahinter. Wir Steirer müssen auf unsere Kulinarik schauen und herzeigen, was wir zu bieten haben!“ Auf seiner viermal jährlich wechselnden Speisekarte sind daher – wie er selbst sagt – „viel zu viele“ Gerichte zu finden. „Aber mir schmeckt das alles selbst und das, was mir schmeckt, kommt auch auf die Speisekarte!“ Somit stehen wir nun vor der Qual der Wahl. Zum Glück hat Reinhard Rois gleich einen guten Tipp parat: Die Suppen-Degustation, die aus drei verschiedenen Suppen besteht. „Für jene, die sich nicht entscheiden können“, meint er augenzwinkernd, und schon serviert er uns eine Gemüse-Schwammerlsuppe mit Brotchip und gerösteten Eierschwammerln, eine Stollenkäsesuppe mit Arzberger Stollenkäse und eine klare Rindssuppe mit Milzschnitte. Gekostet, alles für ausgezeichnet befunden, Käsesuppe zum Sieger gekürt! Es hat definitiv seine Berechtigung, weshalb das Landhaus Rois besonders berühmt für seine Suppen ist!

Regionales trifft Ausgefallenes

Doch damit ist es natürlich noch nicht getan. Nächster Gang: das Beef Tatar, übrigens eines der beliebtesten Gerichte auf Reinhards umfangreicher Speisekarte. Sein Geheimtipp: „Ich verwende dafür nicht das klassische Filet, sondern nach alter Tradition einen Tafelspitz oder eine Schale.“ Das Rindfleisch stammt aus Semriach – und natürlich darf auch wieder das butterweiche Wachtelei als Blickfang nicht fehlen. Ergänzt wird das Beef tatar mit Avocadotatar, denn: „Es gefällt mir sehr gut, Regionales mit Ausgefallenem zu verbinden.“

Immer gut gefüllt

Ein Dauerbrenner auf der Speisekarte sind Reinhards selbstgemachte Maultaschen mit saisonal variierenden Füllungen. Derzeit werden sie mit Schaffrischkäse von Arzberger, regionalen Erdäpfeln und Minze gefüllt und mit Salbeibutter und Eierschwammerl serviert. „Im Winter machen wir dann beispielsweise eine Rote-Rüben-Füllung, je nachdem, was gerade wächst“, erklärt Reinhard. Frisches Obst und Gemüse erhält er vom Klostergarten in Frohnleiten. Und im Moment liefert auch der Wald: Dank Eierschwammerl-Saison gibt es nicht nur die Maultaschen mit Eierschwammerl, sondern auch Klassiker wie Knödel mit Ei und Schwammerl, Schwammerl-Risotto und Co. Vegetarier sind also ebenfalls bestens versorgt – und für Veganer zaubert Reinhard jederzeit auf Nachfrage ein veganes Gericht.

Punkte im Trend

Der Magen ist voll, die Speisekarte flüstert jedoch immer noch verführerisch. Also müssen wir wohl noch die gebackenen Mandeleis-Knödel mit Tonkabohnenschaum, Joghurtwürfel und Beerenragout probieren. „Ich traue mich gar nicht, die jemals wieder von der Speisekarte zu nehmen, weil sie so gefragt sind“, gesteht Reinhard, während er Mangosaucen-Punkte aufs Teller tupft und schmunzelnd ergänzt: „Ich liebe Punkte.“ Wir lieben sie auch – denn sie schmecken, wie auch alles andere aus der Rois-Küche, einfach köstlich!

Die bodenständige bessere Hälfte: Der Hoaterwirt

Dann geht’s weiter. Nur rund 3 Kilometer liegen zwischen den zwei Gasthäusern Landhaus Rois und dem Hoaterwirt in Schrems bei Frohnleiten. 3 Kilometer und ein Herzschlag – denn Annemarie Neuhold, Gastwirtin des Hoaterwirts, ist die Lebensgefährtin von Reinhard Rois. Die beiden ergänzen sich perfekt. „Er macht die Haubenküche und bei mir gibt’s bodenständige Wirtshausküche“, erklärt sie gleich zur Begrüßung. „Der Hoaterwirt ist ein richtiges Landgasthaus.“

Der Schwerpunkt liegt dabei nicht nur auf steirischen Gerichten wie Schnitzel, Zwiebelrostbraten und Gegrilltem, sondern auch auf Wild: „Wir haben hinter dem Haus ein eigenes Damwildgehege und ich selbst bin Jungjägerin.“ Die Liebe zur Jagd sieht man nicht nur auf der Speisekarte, sondern auch an den Jagdtrophäen an den Wänden. „Früher war der Hoaterwirt ein richtiges Jagdgasthaus und auf diese Wurzeln will ich mich ein wenig rückbesinnen“, so Annemarie. Und das passt perfekt: Der Name „Hoaterwirt“ leitet sich schließlich vom Wort „Hart“ ab, dem althochdeutschen Wort für Bergwald.

Hauseigene Rezeptur

Regionalität hat für Annemarie Neuhold höchste Priorität – genau deshalb ist sie auch bei Kulinarium Steiermark. Das Rindfleisch bezieht sie von ihrem Bruder und den Bauern von nebenan, die Eier stammen von der lokalen Eierfrau, die Erdäpfel von der Familie Günther aus Ungersdorf. Bekannt ist sie für ihren hausgemachten, in Schweineschmalz gebackenen Grammelstrudel, stilecht gekocht am Holzherd. „So etwas bekommt man heute fast nirgends mehr“, sagt sie und serviert uns auch gleich einen dampfenden Suppenteller mit knusprigem Grammelstrudel. Vom hausgemachten Strudelteig bis zu den selbst ausgelassenen Grammeln stammt alles aus ihrer Feder – und das hauseigene Rezept sollte eigentlich eine eigene Auszeichnung erhalten. Denn wir schwören: So einen guten Grammelstrudel haben wir überhaupt noch nie gegessen!

Es muss Wild sein

Zur Hauptspeise wählen wir – wie könnte es hier anders sein – ein Wildgericht. Die sind vorwiegend ab September auf der Speisekarte zu finden. Im Sommer dominiert die Grillkarte mit dem Klassiker für 2 Personen: die Hoaterwirt-Platte mit allerhand Gebackenem und Gegrilltem. Für uns gibt’s ein Damwildschnitzerl in Kürbiskernpanier mit einer Gemüse-Schwammerl-Füllung, dazu einen Kartoffelsalat und statt der klassischen Preiselbeeren gibt es Ebereschenragout. Eberesche? Ist die nicht giftig? „Man muss sie vorher einfrieren und dann kochen, dann kann man sie essen“, klärt uns Annemarie auf. Ihr Ebereschenragout stammt, wie auch die verwendeten Kräuter, aus ihrem eigenen Garten und passt vorzüglich zum saftigen Wildfleisch mit der aromatischen Füllung.

Echte Küche mit frischen Zutaten

Wenn sie im stressigen Gastronomie-Alltag Zeit findet, tüftelt Annemarie gerne an neuen Rezepturen und entwickelt neue Gerichte. So will sie aus ihrer Ebereschen-Ernte heuer nicht nur die bittersüße Ergänzung zu Wildgerichten, sondern auch ein Vogelbeer-Parfait herstellen. „Unsere Parfaits sind generell sehr beliebt“, erklärt sie. Und natürlich hausgemacht – wie alles hier.

Was sie an der steirischen Küche schätzt? „Es ist eine echte Küche mit echten Zutaten, die alle vor der Haustür zu finden sind und frisch verkocht werden.“ Daher ergänzt sie ihre Standard-Speisekarte an den Wochenenden immer mit verschiedenen Tagesgerichten – was eben gerade Saison hat. „Ich produziere nichts vor, bei mir ist alles frisch gemacht.“ Da kann es schon einmal vorkommen, dass ihr eine Zutat einmal ausgeht. „Das gehört dann halt auch dazu.“

Für ein kleines Dessert ist immer noch Platz

Auch alle Torten sind hausgemacht. Uns legt sie die Dessert-Variation ans Herz, die bei Gästen besonders großen Anklang findet. Da wir schon recht satt sind, bekommen wir sie in abgespeckter (und immer noch ordentlich großer) Variante: ein flaumiges Schokomousse im Glas, ein „Sackerl“ Apfelstrudel und ein cremiges Topfennockerl. Normalerweise wäre die Nachspeise sogar noch größer: Auf den Teller gehören in regulärer Form noch ein Tiramisu und ein Kugerl Eis – aber dann würden wir platzen. Trotzdem können wir nicht aufhören zu essen – jeder Löffel ist ein Gedicht und die Entscheidung, welches der Desserts am besten schmeckt, ist unmöglich zu treffen. Unser Resümee nach dem Tag in Frohnleiten: Völlig egal, ob Haubenküche oder Landgasthaus, hier wird man herzlich und mit viel Liebe verköstigt!

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