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Jürgen Fuchs
Ein Tagebuch voller Hits
Du bist auf einem Bauernhof im Mürztal aufgewachsen – also eine waschechte Steirerin. Nimm uns ein Stück mit in deine Kindheit.
Ich bin sehr froh darüber, in Mürzzuschlag aufgewachsen zu sein. Ich bin dort zur Schule gegangen, war bei der Landjugend – also wirklich volles „Landprogramm“. Für viele überraschend: Ich lebe auch jetzt noch im Mürztal. Einige erwarten nämlich, dass ich in Wien lebe, denn „das muss man ja, wenn man erfolgreich sein möchte als Musikerin“, aber ich beweise gerne das Gegenteil. Meine Heimat ist aufgrund meiner Familie und meiner Freunde einfach ein wichtiger Platz, den ich nicht hergeben werde. Ich habe diese Ruhe und Freiheit am Land schon als Kind geliebt, jetzt als Erwachsene schätze ich das sogar noch mehr. Hier kann ich mich nicht nur privat, sondern auch künstlerisch frei entfalten.
Bevor du erfolgreich mit deiner Musik durchgestartet bist, hast du als Lehrerin gearbeitet, ehe dich ein Burn-out ausgebremst hat. War deine Heimat da eine große Stütze oder brauchtest du einen Tapetenwechsel?
Absolut. Ich war viel daheim bei meiner Familie und Freunden, ging in den Wald und war draußen. Das war pure Erholung! Ich denke in Phasen, wo einem alles zu viel wird, ist es wichtig, sich mit Leuten zu umgeben, die einen fangen. Und wo kann man das besser als daheim? Daher war die Entscheidung, im Mürztal sesshaft zu werden, nicht schwer.
Konntest du aus diesen nicht so guten Erfahrungen etwas Positives für deine Karriere mitnehmen?
Ja, definitiv! Alleine die Tatsache, dass ich gelernt habe, auf meinen Körper zu hören und Warnsignale ernst zu nehmen, wenn mir etwas zu viel wird, hat mir immer wieder dabei geholfen, Ruhe zu bewahren und Kraft zu sammeln. Seine eigenen Grenzen kennenzulernen und zu akzeptieren – das kann ich nur empfehlen.
„Aff im Kopf“ ist für viele zur Hymne gegen das Gedankenkarussell geworden und wurde sogar mit einem Amadeus Award gekürt. Mit dem Lied „Peter warum“ hast du den Tod deines Onkels und das Thema Alkoholismus öffentlich gemacht. Auch dein Song „Red’s ma in a Sackl“, in dem es um Menschen geht, die ungefragt ihre negative Meinung äußern, ist sehr gesellschaftlich. Wie bist du auf die Idee gekommen, solche Themen in Musik zu verpacken?
Das hat sich irgendwie so entwickelt. Während meiner Erholung nach dem Burn-out habe ich von einer Therapeutin den Tipp bekommen, ein Tagebuch zu führen und schöne, aber auch ärgerliche Dinge aufzuschreiben. Irgendwann habe ich dann damit angefangen, im Kopf Melodien zu meinen Tagebucheinträgen zu summen und dann eben daraus Texte zu machen – so entstanden meine ersten Hits. Und wenn diese dann positiv zum Umgang mit manchen Problemen beitragen und meine Lieder Menschen unterstützen können, mit Alltagsproblemen umzugehen – na, umso schöner!
Ein sehr privater Einblick in dein Leben.
Das stimmt, aber es hat mir gutgetan, gewisse Dinge so zu verarbeiten und auch dazu zu stehen, dass nicht immer alles super ist, und das mit den Leuten zu teilen. Und wie gesagt, freut es mich besonders, wenn ich dann anderen damit Mut machen kann und ihnen mit meinen Liedern helfen kann.
Hättest du nach dem Burn-out einen Plan B gehabt, falls das mit der Musik nicht geklappt hätte?
Lehrerin wäre ich nicht mehr geworden, daher wäre ich jetzt wahrscheinlich in Griechenland.
Griechenland?
Ja. Dort hätte ich ein Café.
Umso schöner, dass du in der Steiermark geblieben bist. Apropos: Du singst konsequent im steirischen Dialekt. Hast du jemals den Rat bekommen, „hochdeutscher“ zu werden, damit du kommerziell erfolgreicher wirst?
Den Rat bekommen habe ich nie, aber ich selbst hab es mir immer wieder gedacht. Aber es ist keine Option, weil ich für mich meine Authentizität verlieren würde. Mir ist es wichtig, dass ich mich mit „Caro Fux“ identifizieren kann – und das ist nun mal die Caro aus Mürzzuschlag.
Du sagst, dass deine Songs Mut machen sollen. Wann hattest du zuletzt selbst Angst und bist trotzdem auf die Bühne gegangen?
Angst hat, glaube ich, jeder. Aber ich glaube, dass man es schon lernen kann damit umzugehen. Ich bin prinzipiell ein Mensch, der sich eins pfeift und nicht zu viel nachdenkt, aber auch ich bin immer wieder nervös vor Auftritten. Aber das geht dann immer sehr schnell in Freude über.
War das zu Beginn deiner Karriere bei deinen ersten Auftritten auch so leicht für dich?
Ich wurde in meinen ersten Auftritt eigentlich „reingeschmissen“, da habe ich einfach nicht viel nachdenken können. Rückblickend, finde ich, waren wir, also die Band und ich, schon sehr mutig, da wir überhaupt noch nicht eingespielt waren, aber: Wir wurden mit einem super Auftritt belohnt. Und ich habe davor schon immer wieder auf Hochzeiten gesungen, also war ich das schon ein wenig gewöhnt, vor Leuten zu singen. Etwas mehr nervös bin ich eigentlich nur, wenn ich eigene, neue Songs singe, weil man da anfangs nie weiß, wie die Songs ankommen.
Die Steiermark ist nach wie vor sehr präsent in deinem Leben. Was liebst du besonders an ihr?
Gerade im Mürztal merke ich immer wieder, was ich an der Steiermark habe. Ich kann hier richtig aufblühen, habe keinen Stress, kann runterkommen – einfach zu 100 % ich sein. Und ich glaube nicht, dass ich das könnte, wenn ich in Wien oder Berlin lebe. Ist zwar auch schön, aber halt einfach turbulenter.







