
Copyright ©
LK Steiermark/Fuchs
Das setzt dem Wein die Krone auf
Weinland in Frauenhand: Mit der Krönung von Cäcilia Skoff, Julia Perner und Sandra Purkart beginnt ein neues Kapitel für den steirischen Wein. Als neue Weinhoheiten werden sie bei Veranstaltungen, Verkostungen und weit über die Landesgrenzen hinaus die Weinregionen des Landes repräsentieren. Doch bevor sie Krone tragen, schlüpfen sie erst mal in eines: Gummistiefel. Ihr Tag spielt sich im Weingarten ab, im Keller, im Buschenschank, im Familienbetrieb. Dort, wo Entscheidungen über einen Jahrgang fallen, wo das Wetter, der Boden und die Erfahrung den Takt vorgeben. Genau das verbindet die Jungwinzerinnen mit Magdalena Niederl, Antonia Hiebaum und Lea Kneißl. Die drei haben das Amt die letzten beiden Jahre ausgeübt und wissen, dass die Krone nur ein Teil der Geschichte ist. Sozusagen das i-Tüpferl. Die eigentliche Arbeit beginnt nämlich lange vor einem offiziellen Termin – in den Rieden, zwischen Fässern und den Menschen, die hinter jedem Tropfen steirischen Weins stehen. Gemeinsam prägen die sechs jungen Frauen eine neue Generation. Eine, die Verantwortung übernimmt und den steirischen Wein mit ihrer eigenen Handschrift weiterentwickelt. Aber auch eine, die Herausforderungen wie den Klimawandel erkennt und zeigt, dass Herkunft und Innovation kein Widerspruch sind. Sie bewahren, was ihre Familien über Generationen aufgebaut haben, und drücken dem Wein gleichzeitig ihren ganz eigenen Stempel auf, entwickeln ihn weiter, lassen ihn reifen. Kurzum, sie erzählen die Geschichte ihrer Weine auf ihre Art und Weise.
Cäcilia Skoff – die neue Steirische Weinkönigin
Wir sind auf dem Weingut „Die Amtmann“ in Gamlitz. Auf dem Familienbetrieb kennt die amtierende Weinkönigin Cäcilia Skoff Wein aus allen Perspektiven. Von der Arbeit im Weingarten über den Ausbau der Weine bis hin zu Beratung, Verkostung, Service und Küche im Buschenschank, Marketing, PR und Social Media – Cäcilia packt überall mit an. Dabei kommt ihr ihre Ausbildung zugute. Die Winzerin hat die Tourismusschule Semmering mit Schwerpunkt Eventmanagement & Sales abgeschlossen und sich anschließend in der Fachschule Silberberg in der Betriebsleiterausbildung für Obst- und Weinbau weitergebildet. Als Diplom-Sommelière schenkt sie nur die besten Tropfen ein. Aber: „In erster Linie soll Wein schmecken. Wenn man bei uns im Garten sitzt und ein schönes Glas Wein in der Hand hält, möchten wir genau dieses Gefühl vermitteln: Lebensfreude. Und Wein kann das auf wunderbare Weise.“ Apropos Garten: Cäcilia kommen neben Wein auch noch Kräuter, Blüten und Früchte aus dem Hausgarten ins Glas, die sie auf dem Betrieb zu Sirupen, Destillaten, Salzen, Gelees und mehr verarbeiten. Um die 80 Produkte entstehen jedes Jahr daraus. Doch zurück zum Wein. Der soll für die Weinkönigin vor allem eines sein: unkompliziert. Und für jeden. Aktuell arbeitet Cäcilia noch mit, später einmal will sie selbst den Betrieb übernehmen und „einfach guten Wein machen, innovativ sein, mit der Zeit gehen und das Beste aus allem machen“. Damit meint sie auch den Klimawandel und die nachhaltige Bewirtschaftung ihrer Weingärten. Heißt: anderer Laubschnitt, der vor Hagel und Sonne schützt, blühende Grünstreifen für die Insekten, schattigere Lagen, der Ausbau anderer Sorten.
Copyright ©
Markus Iliescu
Julia Perner – innovative Frau
Weinhoheit Julia Perner steht Königin Cäcilia I. als Weinbotschafterin zur Seite. Aufgewachsen ist Julia am familieneigenen Weinbaubetrieb Perner in Unterlupitscheni bei Ehrenhausen. „Kühl, straff und salzig“ muss ihr Lieblingswein sein. Dass sie einmal Winzerin werden würde, war ihr bereits im Kindergarten klar. Der weitere Weg war vorgezeichnet: Fachschule für Obst- und Weinbau Silberberg, danach die Meisterausbildung für Weinbau- und Kellerwirtschaft und die Ausbildung zur Sommelière. Obwohl oder gerade weil die Juniorchefin später einmal den Hof übernehmen wird, hält es sie nicht immer daheim: Durstig auf Wein, reist sie in verschiedenste Weinbauregionen, im Gepäck neu erworbenes Wissen. Auf dem Hof selbst arbeitet sie überall mit: im Weingarten (immer mit dabei: Kater Gustav), bei der Traubenverarbeitung im Herbst und der Weinbereitung im Winter. Außerdem im Gästehaus, bei Weinverkostungen, Präsentationen und auf Social Media. Und: Julia keltert bereits ihre eigene Weinlinie. Obwohl sie mit ihrem Papa die Weingärten gemeinsam bewirtschaftet, teilen sich bei den Riedenweinen ihre Meinungen über den Wein. „So kam die Idee auf, dass ich meine eigene Linie keltere, weil ich auch neue Wege wie die Spontanvergärung ausprobieren möchte. Es entstand eigentlich alles aus einem Versuch, mittlerweile ist mein vierter Wein im Fass – ein Gelber Muskateller Ried Steinbruch.“ Mit mehr als nur Rosenblüten- und Muskataromatik. Nämlich: „Mein Gelber Muskateller entwickelt Aromen von leichter Exotik, Litschi, Anissterne, Gewürznelke und Kamille.“ Wofür Julia als Winzerin stehen möchte? „Für Weine, die ihre Herkunft ehrlich widerspiegeln, mit Respekt vor der Natur entstehen und Menschen zusammenbringen. Jede Flasche Wein hat eine Geschichte zu erzählen. Mein Ziel ist es, diese Geschichten erlebbar zu machen und Menschen für die Herkunft, die Handwerkskunst und die Leidenschaft hinter jedem Wein zu begeistern.“

Copyright ©
Juliana Boden
Sandra Purkart – Leidenschaft für Wein
Dass sich jede Entscheidung im Weingarten Monate später im Glas auswirkt, weiß auch Weinhoheit Sandra Purkart. Ihr Lebensmittelpunkt ist am Weingut-Buschenschank Schneiderannerl in Gleinstätten im Bezirk Leibnitz. Nach der HLW absolvierte Sandra die Betriebsleiterausbildung für Obst- und Weinbau an der Fachschule Silberberg. Daheim mitgearbeitet hat Sandra schon als Kind. Zwischen den Reben, im Keller, in der Küche, zwischen hunderten Menschen im Buschenschank. Heute kommen noch die Gästezimmer, Werbung und die Social-Media-Kanäle dazu. „Unser Familienbetrieb stand schon immer für Tradition. Wir arbeiten mit Hand und vor allem viel Herz an unseren Weinen und im Buschenschank“, erzählt Sandra. Was bei ihr nicht fehlen darf: Innovation. „Wir als Familie lieben es, zusätzlich zu unseren traditionellen Speisen Neues auszuprobieren, kreativ zu sein und neue Produkte zu entwickeln. Auch wenn unsere Speisekarte dadurch immer mehr gewachsen ist, konnten und können wir nicht aufhören, neue Ideen in die Welt zu setzen. Es ist unsere Art der Selbstverwirklichung.“ Woran die ganze Familie hart arbeitet: So viel wie möglich selbst zu produzieren – Süßspeisen, Brot, Aufstriche, Fleischspezialitäten und natürlich der Wein, Frizzante, Säfte und Edelbrände sind hausgemacht. Sandra selbst kommt am liebsten ein Weißer ins Glas: frisch, fruchtig und unkompliziert. Wenn Sandra ihren Gästen Weine präsentiert, dann will sie Bilder von grünen, mit Weingärten bestückten, sanften Hügeln, Wald und Wiesen erzeugen. „Wein soll Lebensgeist und Freude wecken. Diese Leidenschaft will ich anderen weitergeben.“
Copyright ©
Privat
Magdalena Niederl – Gastgeberin aus Überzeugung
Einmal Weinkönigin werden – das war schon immer der Kindheitstraum von Magdalena Niederl. „Das habe ich in jedem Freundebuch als Traumberuf angegeben“, erinnert sie sich. „Mit dem Amt ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen.“ Als Steirische Weinkönigin war sie die letzten zwei Jahre im ganzen Land unterwegs. Eine sehr intensive Zeit. Heute fließen diese Erfahrungen wieder in den Familienbetrieb ein. Sie werkt und wirkt im Weinhof und Buschenschank Urbi in Kirchbach. „Zu uns muss man schon hinwollen“, lacht sie. Beim Hof endet nämlich die Straße. Aber wieder hin, das wollen viele. Die Südoststeirerin ist mit ihrem Bruder Maximilian „mitten im Weingarten und im Buschenschank“ aufgewachsen. Beste Voraussetzungen also, um Weinbäuerin zu werden. Nicht nur als Beruf, sondern als Lebenseinstellung. Die Ausbildung dazu hat sie in der HBLA für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg gemacht. Auf dem Betrieb ist sie vor allem im Buschenschank, bei Weinverkostungen und Veranstaltungen und im Bereich Marketing im Einsatz. Gemeinsam mit ihrem Bruder wird Magdalena irgendwann den Betrieb übernehmen. Die Weichen dafür sind längst gestellt. „Wir treffen schon seit Jahren alle Entscheidungen gemeinsam. Auch beim Wein, wenn es zum Schluss an die Feinheiten geht.“ Was Magdalena auch gerne macht: Neues ausprobieren. Etwa in Sachen alkoholfreie Alternativen. Die Familie keltert Verjus und einen Verjus-Frizzante aus dem Saft der grünen Trauben.

Copyright ©
Florfotografie
Antonia Hiebaum – Hoheit am LKH
„Ein inspirierender Ort“, das war der Weinberg für die ehemalige Weinhoheit Antonia Hiebaum schon immer. Mit dem Weinbau am familieneigenen Weinbaubetrieb und Buschenschank Nagl-Hiebaum groß geworden, arbeitet sie daheim kräftig mit. „Bereits als Kind war ich oft zwischen den Weingartenzeilen unterwegs. Ich habe schon früh kennengelernt, mit welcher Leidenschaft und welchem Herzblut unsere Weine produziert werden und wie einzigartig der steirische Wein ist.“ Ist Antonia nicht am elterlichen Betrieb eingeteilt, dann auf der Kardiologie am LKH Graz. An der FH Joanneum hat Antonia den Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege abgeschlossen. In Zukunft möchte sie die einjährige Ausbildung an der Fachschule Silberberg absolvieren und als Winzerin für Qualität, Leidenschaft und Bodenständigkeit stehen. „Dabei ist es mir wichtig, mit Respekt vor der Natur zu arbeiten und Weine zu produzieren, die unsere Region und unseren eigenen Stil widerspiegeln.“ Den Familienbetrieb möchte sie in Zukunft auf jeden Fall übernehmen. Offen ist noch, in welcher Form. Ihr Credo: „Am Ende des Tages soll man spüren, dass in allem, was wir tun, viel Leidenschaft, Herzblut und Liebe zu unserem Handwerk stecken.“ Wollt ihr Antonia live erleben, habt ihr bei einer ihrer Kellerführungen die Gelegenheit dazu.
Lea Kneißl – Vielfältige Steiermark
In Löffelbach bei Hartberg hilft Lea Kneißl am Familienbetrieb Weingut Retter-Kneissl mit, steirische Qualitätsweine zu keltern. Die Weinbaufachausbildung an der HBLA für Wein- und Obstbau hilft ihr dabei. „Durch diese Ausbildung hat meine Liebe zu Wein begonnen.“ Internationale Weinluft schnupperte sie bei Auslandspraktika. Doch zurück in die Steiermark: „Am steirischen Wein fasziniert mich vor allem die unglaubliche Vielfalt. Ich finde es beeindruckend, was bei uns alles entstehen kann – von kräftigen Burgundersorten über aromatische Sauvignon blancs und Muskateller bis hin zum Schilcher und charaktervollen Rotweinen. Genau diese Vielfalt macht die Steiermark für mich so besonders, weil für jeden Geschmack etwas dabei ist und jede Sorte ihren eigenen Charakter mitbringt.“ Was ihr als Weinhoheit immer wichtig war: „Durch mein Engagement und meine Leidenschaft für die Weinwelt möchte ich junge Frauen dazu ermutigen, ihre eigenen Träume zu verfolgen, um selbstbewusst den eigenen Weg gehen zu können.“
Eine gemeinsame Liebe
Sechs junge Winzerinnen, sechs unterschiedliche Betriebe, eine gemeinsame Leidenschaft: Wein. Was sie noch verbindet? Dass sie Wein nicht in Gegensätzen denken. Tradition oder Innovation? Handwerk oder moderne Vermarktung? Herkunft oder neue Ideen? Für die neue Winzerinnengeneration gehört all das zusammen. Ihr Alltag spielt sich zwischen Reben, im Keller, im Buschenschank ab. Und dazwischen ist Zeit für neue Ideen, für frischen Wind. Den sie gerne in die Steiermark bringen. Wahrscheinlich liegt genau darin das Erfolgsrezept des steirischen Weins: Dass jede Generation ihre eigene Handschrift hat, ohne ihre Wurzeln aus den Augen zu verlieren. Darauf ein Prost.
Die Vorgängerinnen: Weinhoheit Lea Kneißl (links), Weinkönigin Magdalena Niederl (Mitte) und Weinhoheit Antonia Hiebaum (rechts) regierten von 2024–2026.



