Kulinarium Steiermark: Zwei kulinarische Welten in der Hochsteiermark

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Kulinarium Steiermark bedeutet ausgezeichnete Kulinarik mit steirischen Wurzeln, aber ganz bestimmt nicht immer dasselbe Konzept. Wie groß diese Bandbreite sein kann, zeigen zwei besondere Betriebe in der Hochsteiermark: das Landhotel Restaurant Hubinger in Etmißl und Johanns Living in Bruck an der Mur.

Zwei Welten, eine Haltung: Kulinarium Steiermark in der Hochsteiermark

Kulinarik in der Hochsteiermark kann vieles sein: ehrliches Wirtshaus und bodenständige Küche, aber genauso drei Hauben und exklusives Fine Dining. Denn Kulinarium Steiermark ist kein bestimmter Küchenstil und schon gar kein kulinarisches Korsett. Was dabei zählt, sind Qualität, Regionalität, Saisonalität und echte steirische Produkte.

Wie unterschiedlich das aussehen kann, zeigen der Landgasthof Hubinger in Etmißl und das Johanns in Bruck an der Mur ziemlich eindrucksvoll. Hier bodenständiges Wirtshausgefühl, dort drei Hauben und ein außergewöhnliches Zusammenspiel aus Genießen und Wohnen. Oder anders gesagt: zweimal Kulinarium Steiermark und nd zweimal richtig gut.

Landhotel-Restaurant Hubinger

Am Fuße des Hochschwabs sind Paula und Hans Wöls zu Hause. Und zwar schon ziemlich lange gemeinsam. Vor rund 40 Jahren haben sich die beiden bei der Saisonarbeit kennengelernt. Seit 36 Jahren kocht Hans, Paula serviert und gemeinsam sind sie Gastgeber im Landhotel-Restaurant Hubinger in Etmißl, wo man ziemlich schnell versteht, warum hier so viel Beständigkeit herrscht.

Wobei Beständigkeit an diesem Ort ohnehin eine ganz eigene Dimension hat: Bereits seit dem 14. Jahrhundert wird hier Gastwirtschaft betrieben. Altehrwürdige Mauern, die heimeliger kaum sein könnten, viel Holz, Geschichte und dieses Gefühl, dass ein Wirtshaus genau so sein soll. Und mittendrin Paula und Hans, die diese lange Geschichte auf ihre ganz eigene Art weiterschreiben.

Dass die beiden ihre Region lieben, merkt man sowieso schnell. Gemeinsam mit Hund Louis sind sie viel in den Bergen unterwegs und genau diese Verbundenheit mit ihrer unmittelbaren Umgebung findet sich auch in Hans’ Küche wieder. Sein Zugang dazu ist herrlich unkompliziert: „In meine Küche kommt nichts, was ich nicht kenne.“

Vom Garten, vom Jäger, vom Nachbarn

Bevor wir überhaupt in die Küche dürfen, geht es mit Hans erst einmal in den Garten. Denn vieles von dem, was später auf seinen Tellern landet, wächst direkt vor der Haustür: Kräuter, Karotten, Lauch, rote Rüben und jede Menge mehr. Vor allem im Sommer und Herbst bestimmt deshalb nicht nur Hans’ kulinarische Idee die Speisekarte, sondern ganz wesentlich auch das, was der Garten gerade hergibt – oder der Jäger bringt.

Denn wenn Hans von Regionalität spricht, meint er tatsächlich die unmittelbare Umgebung. Das Gemüse kommt aus dem eigenen Garten, das Wild vom befreundeten Jäger aus dem Dorf und beim Fisch geht es gerade einmal bis in den Nachbarort. Viel weiter muss man für die Küche im Landhotel-Restaurant Hubinger offenbar nicht schauen. Nicht einmal für die Schwarzbeeren. Die sammeln Paula und Hans nämlich selbst im Wald ein Stück weiter oben, am Ruhetag wohlgemerkt. „Das ist wie Meditation für uns“, erzählen die beiden. Und meditiert wird offenbar ausgiebig, denn rund 150 Liter Schwarzbeeren werden pro Saison gebraucht.

So schmeckt Kulinarium Steiermark am Fuße des Hochschwabs

Und dann dürfen wir endlich fotografieren. Und, glücklicherweise auch kosten.

Vor uns landet ein Ceviche von der Forelle mit Basilikumsorbet. Der Basilikum stammt natürlich aus dem Garten. Und genau da ist für mich persönlich einer dieser Momente, in denen ich Kulinarium Steiermark ziemlich hochleben lasse. Ich liebe Ceviche, kannte es bisher aber vor allem mit Wolfsbarsch oder Seezunge. Mit einer Forelle aus dem Teich quasi ums Eck, herrlich. Und vor allem: eine richtig gute Idee.

Genau diese Haltung zieht sich durch die gesamte Speisekarte. Da trifft zum Beispiel Ingwer in der Suppe auf Kraut aus dem eigenen Anbau oder das Reh vom befreundeten Jäger kommt als Ragout mit Topfenspätzle, deren Topfen wiederum vom Bauern ums Eck stammt. Oder als zartrosa gebratener Rehrücken auf Karotten aus dem eigenen Garten. Und zum Abschluss landen gerne die selbst gesammelten Schwarzbeeren in den köstlichen Schwarzbeernocken auf dem Teller.

Paula und Hans leben in ihrem Betrieb Regionalität, die man nicht groß erklären muss und genau deswegen gehört sie vor den Vorhang. Sie wächst im Garten, schwimmt im Nachbarort und hängt an den Schwarzbeerstauden ein Stück weiter oben am Berg. Und vielleicht erkennt man genau deshalb im Landhotel-Restaurant Hubinger ziemlich schnell, was Kulinarium Steiermark eigentlich bedeutet.

Und was ich tatsächlich erst am Ende unseres Besuchs entdeckt habe: Hans Wöls kocht hier seit Jahren konstant auf Zwei Hauben Niveau. Ob mich das nach Ceviche von der heimischen Forelle, rosa gebratenem Rehrücken und den Schwarzbeerennocken noch überrascht hat? Ganz und gar nicht.

Mehr zum Landhotel-Restaurant Hubinger gibt’s auf hubinger.com

 

Wo man drei Hauben nicht nur schmeckt, sondern erlebt: Johanns Living in Bruck an der Mur

Vom Fuße des Hochschwabs führt unsere Kulinarium Steiermark Tour weiter nach Bruck an der Mur. Und größer könnte der Kontrast auf den ersten Blick kaum sein. Johanns Living sieht von außen tatsächlich aus wie ein ganz normales Wohnhaus. Man würde kaum vermuten, dass sich hinter diesen Türen kulinarische Erlebnisse auf Drei-Hauben-Niveau abspielen. Oder besser gesagt: kleine kulinarische Abenteuer. Und dann lernt man Mike und Emilia Johann kennen und versteht ziemlich schnell, was diesen Ort so besonders macht.

Johanns Living: Der Name ist Programm

Die beiden wohnen hier, sie arbeiten hier, sie leben und genießen hier. Und ihre Gäste können genau das ein Stück weit miterleben. Denn bei Johanns Living in Bruck an der Mur kann man nicht nur exklusiv essen, sondern auch exklusiv übernachten. Wer nach einem langen Menü und der passenden Weinbegleitung also nicht mehr nach Hause möchte, muss das auch nicht. Essen, trinken, schlafen und am nächsten Morgen aufwachen, alles unter einem Dach.

Wenn das Haus voll ist, sitzen gerade einmal 15 Gäste bei Mike und Emilia. Angestellte? Gibt es nicht. Die beiden sind ein eingespieltes Team und stemmen Johanns Living gemeinsam. Emilia kümmert sich um ihre Gäste, Mike um die Küche und gemeinsam sorgen sie dafür, dass aus einem Abend weit mehr wird als ein Restaurantbesuch.

Fine Dining beginnt hinterm Haus

Die Küche im Johanns selbst dürfte dem einen oder anderen übrigens bekannt vorkommen. Vielleicht, weil sie im wahrsten Sinne des Wortes ein bisschen „wie dahoam“ wirkt und auch bereits die Kulisse für so manche TV Produktion mit Mike Johann war.

Fine Dining auf Drei-Hauben-Niveau ist für Mike längst nicht einfach Beruf, sondern echte Leidenschaft. Und bevor wir ihm dabei über die Schulter schauen, geht es erst einmal raus in den Garten. Denn so unterschiedlich unsere beiden Kulinarium Steiermark Betriebe an diesem Tag in der Hochsteiermark auch sind, spätestens hier schließt sich der Kreis wieder.

Hinterm Haus stehen große Hochbeete, um die sich Mike und Emilia gemeinsam kümmern. Kräuter, Gemüse und eine unglaubliche Vielfalt an Tomaten wachsen hier und liefern Zutaten für das, was später in der Küche zu kleinen Kunstwerken wird. Und ja, bei Johanns Living darf man ruhig von Kunst sprechen.

Für unseren Besuch wollen die beiden die Haltung von Kulinarium Steiermark anhand eines vermeintlich einfachen Gerichts zeigen: Tomaten mit Frischkäse. Mehr oder weniger. Denn was schließlich vor uns steht, hat mit dem, was man sich klassisch unter Tomaten mit Käse vorstellt, nicht mehr wahnsinnig viel zu tun. Ein Schafskäse Guglhupf, dazu Tomaten in den unterschiedlichsten Farben, Formen und Zubereitungen. Frisch hinterm Haus gepflückt, versteht sich. Optisch ein kleines Kunstwerk und geschmacklich noch einmal spannender, als es aussieht.

Steirisch verwurzelt, kulinarisch grenzenlos.

Und genau so funktioniert die Küche von Mike Johann. Auf der Karte stehen durchaus Zutaten und Gerichte, die man aus der steirischen Küche kennt. Da steht zum Beispiel Blunzn. Was dann allerdings auf dem Teller landet, ist eine derart kreative und feine Interpretation des Klassikers, dass daraus plötzlich etwas völlig Neues wird.

Genau das ist für mich wieder Kulinarium Steiermark. Es geht nicht darum, dass steirische Kulinarik überall gleich aussehen oder schmecken muss. Die Wurzeln, die Produkte und die Verbindung zur Region bleiben, aber was Köchinnen und Köche daraus machen, darf überraschen. Und bei Mike Johann tut es das ziemlich zuverlässig. Was hier passiert: Bekanntes wird nicht neu erfunden, nur damit es anders ist. Es wird mit Respekt vor dem Produkt weitergedacht.

Und weil bei Johanns Living wirklich erstaunlich vieles die Handschrift der Gastgeber trägt, endet diese Geschichte nicht beim Essen. Im Glas landet dazu Wein, der ebenfalls den Namen Johann trägt. Vielleicht ist „Living“ deshalb tatsächlich die beste Beschreibung für diesen Ort. Mike und Emilia betreiben nicht einfach ein Restaurant oder ein Hotel. Sie wohnen hier, arbeiten hier, garteln hier, kochen hier und laden ihre Gäste ein, für ein paar Stunden oder gleich für eine ganze Nacht Teil ihrer Welt zu werden. Eine ziemlich exklusive Welt. Aber eine, in der man sich erstaunlich schnell wie zu Hause fühlt.

Lust bekommen, selbst einmal bei Mike und Emilia Platz zu nehmen und zu erleben, wie Kulinarium Steiermark hier schmeckt? Dann am besten rechtzeitig einen der wenigen Plätze sichern und vielleicht gleich über Nacht bleiben.

Mehr zu Johanns Living gibt’s auf johanns.at

Selber kochen statt nur genießen? Geht übrigens auch.

Und noch eine Gemeinsamkeit haben unsere beiden ziemlich unterschiedlichen Kulinarium Steiermark Betriebe: Sowohl bei Paula und Hans als auch bei Mike und Emilia kann man selbst an den Herd. Beide bieten Kochkurse an und geben dabei einen ziemlich persönlichen Einblick in ihre Küche, ihre Produkte und natürlich auch den einen oder anderen Trick weiter.

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