Copyright ©
Hitradio Ö3/Roman Pfeiffer
Ö3-Star Sheyda Kharrazi über Graz, Gags und warum sie „nicht mehr arbeitet“
In einem Gespräch bei Ö3 hast du einmal gesagt: „Choose a job you love and you never have to work again.“ Wie lange arbeitest du nun demnach schon nicht mehr?
Haha, ja, stimmt. Ich arbeite schon sehr lange nicht mehr: Heuer sind es 20 Jahre Radio und am 14. Februar 2013 hatte ich meine erste Sendung auf Ö3.
Du warst Flugbegleiterin und Moderatorin bei verschiedenen Sendern, bevor du zu Ö3 gekommen bist. Gibt es einen Moment in deiner Karriere, den du als Gamechanger bezeichnen würdest? Vielleicht ein Fehler, der sich im Nachhinein als Glücksfall entpuppt hat?
Ich war ehrlich gesagt keine besonders gute Flugbegleiterin. Ich war Anfang 20 und ich wusste noch nicht so richtig, was wirklich zu mir passt. Der Gamechanger war dann ein Praktikum bei Radio Soundportal in Graz. Da habe ich zum ersten Mal gespürt: Okay, DAS ist es. Bis ich schließlich bei Ö3 gelandet bin, hat es trotzdem ein bisschen gedauert. Ich habe tatsächlich erst bei der dritten Anfrage vom damaligen Ö3-Chef Georg Spatt zugesagt. Rückblickend war genau dieser Umweg ein Glücksfall – weil ich unterwegs wahnsinnig viel gelernt habe und heute genau weiß, warum ich diesen Job so liebe.
Mit „Sheydas Hitstorm“ hast du deine eigene Sendung im größten Radiosender Österreichs. Was ging dir bei der allerersten „Hitstorm“-Moderation durch den Kopf?
Ich habe im ersten Moment gedacht: „Wow … ich hab’s wirklich geschafft!“ Ich habe kurz an Menschen gedacht, die nicht an mich geglaubt haben. Und ich war einfach wahnsinnig stolz. Eine eigene Sendung, mein Name drauf, und dann auch noch meine absolute Lieblings-Sendezeit (Anmerkung: Montag bis Donnerstag von 12 bis 15 Uhr). Das war für mich echt ein Gänsehautmoment.
Ist es nicht anstrengend, immer gut drauf sein zu müssen?
„Schlechte Gags – dafür gute Musik“ hast du zum Markenzeichen deiner Sendung gemacht. Ist auch nach so vielen Jahren das Potenzial schlechter Gags unerschöpflich?
Ich liebe Wortspiele, wie man auch am Sendungsnamen merkt. Manchmal fällt mir auch direkt vor dem Einschlafen noch ein Blödsinn ein, mein Mann liefert auch ordentlich ab. Und dann gibt es auch noch Kolleginnen und Kollegen, die Gags beisteuern, wenn sie irgendwo einen aufschnappen. Aber auch Hörerinnen und Hörer schicken mir manchmal Wortwitze. Ich werde ja recht oft gefragt, woher ich immer die schlechten Gags herbekomme – viele sind aus dem Flachhandel!
Ist es manchmal ganz schön anstrengend, im Radio immer gut drauf sein zu müssen?
Nein, für mich nicht. Natürlich gibt’s auch Tage, an denen man nicht so gut drauf ist – das ist ja menschlich. Aber sobald ich im Studio vor dem Mikro stehe und meine Sendung beginnt, ist das irgendwie vergessen.
Radio klingt live oft so locker und spontan – wie viel Vorbereitung steckt wirklich in einer Sendung wie „Sheydas Hitstorm“?
Ich bin meistens rund zwei Stunden vor Sendungsbeginn im Haus und arbeite an meinen Moderationen. Das heißt: Ich gehe schon sehr gut vorbereitet ins Studio. Aber Radio ist eben auch live – und es kann jederzeit etwas passieren, das alles verändert. Der Amoklauf in Graz war beispiels-weise so ein Moment. Da muss man dann blitzschnell umschalten. Dann geht’s nicht mehr um Entertainment, sondern darum, schnell zu informieren und für die Menschen verlässlich da zu sein.
Dein „bester“ Versprecher auf Sendung?
Mein vielleicht lustigster Versprecher war in dem Moment gar nicht so lustig für mich. Jedes Jahr zu Allerheiligen spielen wir auf Ö3 Musik verstorbener Pop- und Rockstars – als Tribut. Und ich sage in meiner Anmoderation statt Joe Cocker einfach Joe Kacker. Ich habe weitermoderiert, als wäre nichts gewesen. Aber dann hat tatsächlich eine Hörerin angerufen, die sehr darüber gelacht hat und nachfragen wollte, ob ich jetzt tatsächlich Kacker gesagt habe. Es war mir schon irgendwie peinlich, aber ich konnte gleich drüber lachen.
Die schönste Rückmeldung, die du je für deine Arbeit erhalten hast?
Ich freue mich immer, wenn ich Feedback bekomme. Wenn mir jemand schreibt, dass er/sie zuhört. Teilweise stehe ich ja doch alleine im Studio und sehe meine Hörerinnen und Hörer leider nicht. Ich freue mich auch, wenn sich unsere Stammhörer und -hörerinnen am Telefon melden und wir kurz plaudern. Dann denke ich mir: Okay, ich habe jemandem gerade ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, den Lieblingssong gespielt und vielleicht den Tag ein klein wenig besser gemacht. Und das freut mich wahnsinnig.
In der Kindheit war "das Thema Herkunft präsenter, als mir oft lieb war"
Und die absurdeste Rückmeldung?
Manchmal sind das die ganz ernst gemeinten Beschwerden über Kleinigkeiten – zum Beispiel, wenn jemand anruft und sich aufregt, weil ich ein Wort absichtlich falsch ausgesprochen habe oder eine neue Wortkreation schaffe. „Superer“ zum Beispiel sage ich voll gerne. Da denk ich mir dann: Okay, Radio kann offenbar wirklich alles auslösen.
Gibt es Songs oder Bands, die du persönlich total liebst, aber fürs Radio lieber weglässt?
Da gibt es einige. Ich habe einen extrem breit gefächerten Musikgeschmack. Da ist von Rap bis Metal alles dabei. Aber für Ö3 würde es nicht passen, weil zu hart oder zu speziell. Aber „Remmidemmi“ von Deichkind wäre doch was!
Du bist als Tochter einer Österreicherin und eines Persers in Graz aufgewachsen: Wie hat diese doppelte kulturelle Prägung deinen Blick auf Musik, Sprache und Unterhaltung beeinflusst?
In meiner Kindheit war das Thema Herkunft manchmal präsenter, als mir lieb war. Ich habe früh gelernt, dass Sprache mehr ist als nur Worte; sie ist Identität. Musik ist sowieso die universelle Sprache: Die funktioniert auch dann, wenn man nicht alles versteht. Heute ist das für mich eine echte Stärke – im Radio genauso wie im Leben.
Wie oft musst du deinen Namen buchstabieren? Auf Sendung hast du mal gescherzt, dass du das schon vor der Schule konntest.
Das klappt inzwischen schon im Traum. Aber ehrlich: Würde ich Mayer heißen, müsste ich wahrscheinlich auch öfter buchstabieren. Weil … schreibt man’s jetzt Mayer, Meier, Maier oder Meyer?
Ich liebe das Wort Schwöllschädl. Das kann man so gut steirisch sagen.
Sheyda Kharrazi
Welcher Song passt zu einem Frühlingstag in der Steiermark?
Gibt es einen Ort in der Steiermark, an dem du sofort langsamer wirst – gedanklich oder ganz real?
Unter dem riesigen Nussbaum im Garten meiner Eltern. Wenn dann auch noch die Nachbarkatzen auf einen Schmuser vorbeikommen, ist das für mich das Allerschönste.
Ab und zu lässt du auf Sendung deinen steirischen Ursprung durchklingen. Welches steirische Wort möchtest du niemals in deinem Wortschatz missen?
Ich liebe das Wort Schwöllschädl! Das kann man so gut steirisch sagen.
Kulinarisch gefragt: Gibt es ein steirisches Gericht oder Produkt, bei dem du auch nach vielen Jahren in Wien noch immer schwach wirst?
Kernöl haben wir natürlich immer daheim – ohne Kernöl geht’s nicht. Es geht nichts über Vanilleeis mit Kernöl, Käferbohnensalat mit Kernöl, Eierspeis mit Kernöl oder ganz simpel: Bauernbrot mit Kernöl. Und wenn es irgendwo Honigreingerl gibt, wird auch sofort zugeschlagen. Mein Mann ist Kärntner und er behauptet, es heißt „Zuckerreinkerl“. Darüber diskutieren wir regelmäßig.
Welche Musik oder welcher Song passt für dich perfekt zu einem Frühlingstag in der Steiermark?
„Azizam“ von Ed Sheeran. Ich liebe den Song. Er macht gute Laune und ich muss mich einfach immer dazu bewegen. „Azizam“ ist übrigens persisch und bedeutet „mein Liebling“ oder „mein Schatzi“. Und im Frühling, wenn alles wieder zu blühen und zu leben beginnt, ist auch persisches Neujahr. Das matcht doch super, finde ich.


