Vom Backhendl zum Bio-Treibstoff: Mit Münzer wird aus Abfall Energie

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Was 1991 mit einem umgebauten Lkw des steirischen Pioniers Ewald Münzer begann, ist heute ein florierendes Familienunternehmen mit weltweiter Strahlkraft. Aus dem Backhendl-Fett von gestern werden grüne Kraftstoffe von morgen. Münzer Bioindustrie GmbH: In Sinabelkirchen daheim, bis Indien unterwegs.

Wer glaubt, ein knuspriges Backhendl hätte keine Zukunft, irrt. Denn das Speiseöl, in dem es zubereitet wurde, ebnet den Weg für die nächste Autofahrt mit heimischen Bio-Kraftstoffen. Oder begegnet einem beim Händewaschen…

Ein wichtiges Bindeglied zwischen all diesen Alltagswelten ist das steirische Familienunternehmen Münzer Bioindustrie GmbH, das aus Abfall (vor allem flüssigem Abfall) wieder Energie macht. Aber von vorne. Begonnen hat alles 1991, als Firmengründer Ewald Münzer senior sein erstes Fahrzeug eigenhändig umbaute, um Altspeiseöl einzusammeln. „Mein Vater hat früh erkannt, dass Kläranlagen allein das Problem flüssiger Fettabfälle nicht lösen“, erzählt Ewald-Marco Münzer, der heute mit seinem Bruder Michael Münzer das Unternehmen leitet.

Größter Biodiesel-Produzent Österreichs

„Heute ist unsere eigene Lkw-Flotte täglich in ganz Österreich unterwegs.“ – Betankt mit hauseigenem Biodiesel. Gesammelt werden gebrauchte Frittierfette aus Gastronomie und Haushalt. Gereinigt und aufbereitet werden sie u. a. in Sinabelkirchen (wo Münzer seit 2011 seinen Firmensitz hat), weiterverarbeitet dann in den firmeneigenen Biodieselanlagen in Wien/Lobau und im obersteirischen Gaishorn.

Mit jährlich über 200.000 Tonnen Produktionsmenge ist Münzer der größte Biodieselhersteller Österreichs. Hauptabnehmer: die OMV. Und jeder Liter zählt, denn aus einem Liter Altspeiseöl wird ein Liter abfallbasierter Biokraftstoff. An der Tankstelle erkennen das Dieselfahrer am kleinen „B7“ am Tankstutzen. „B7“ steht dafür, dass dem (fossilen) Diesel sieben Prozent Biokraftstoff beigemengt wurden. Bei der Biodieselproduktion fallen zwei weitere Produkte an. Glycerin, ein vielseitiger Stoff, der z. B. in Desinfektionsmitteln, Cremes und Waschlotions steckt. Sowie Kaliumsulfat, ein wertvoller Dünger. Somit ist Münzer wichtiger Teil einer Kreislaufwirtschaft, in der Abfall nicht als Müll, sondern als Quelle für Wertstoffe gesehen wird.

Aus jedem Liter Altspeiseöl kann ein Liter Biodiesel hergestellt werden.

Ewald-Marco Münzer

Münzer Box bewährt sich als zusätzliches Sammelsystem

Auch für Haushalte denkt man mit. Während am Land das System mit gelben Altspeiseöl-Kübeln, die ins Altstoffsammelzentrum gebracht werden, gut funktioniert, gibt’s nun vor allem in urbanen Räumen die Münzer Box: Altspeiseöl wird in eine saubere  Plastikflasche oder alte Ölflasche gefüllt und im gelben Sammelbehälter entsorgt. Die Idee dazu kam während der Pandemie, als viel mehr daheim gekocht – und Frittieröl leider auch daheim ins WC geleert wurde.

Wo steht eine Münzer Box in eurer Nähe?

Alle Sammelstellen von Altspeisefetten in eurer Nähe findet ihr auf der Website von Münzer Bioindustrie.
>> Hier geht’s zur Karte mit den Sammelstellen <<

Aus Elektroschrott werden wieder Wertstoffe

Was am Standort Sinabelkirchen passiert, ist viel mehr als „nur“ Entsorgung. Es ist Zukunftsarbeit mit Hausverstand. In den Standort Sinabelkirchen wurden bisher über 20 Millionen Euro investiert. Auf dem 40.000 m² großen Areal – mit 150 Mitarbeitenden (von weltweit mehr als 500) und eigener Firmenkapelle samt Bienenstöcken – steht auch eine moderne Anlage zur Sortierung und Verwertung von Elektroschrott, Kabeln und sicherer Verwahrung von Altbatterien. Was nach Kabelsalat aussieht, wird hier fachgerecht zerlegt. Übrig bleiben zum Beispiel wertvolle Kupfer- oder Aluminium-Granulate. Die Entsorgung von Elektrogeräten haben die Konsumenten übrigens schon beim Kauf mitbezahlt. Bei Münzer wird daraus ein Kreislauf – der sich mittlerweile bis Indien, Bangladesch und Kenia spannt, wo Münzer eine aktive Rolle im Aufbau einer funktionierenden Abfallwirtschaft einnimmt.

Und in Sinabelkirchen? Sucht man weitere Lkw-Fahrerinnen und Fahrer. Denn am Ende zählt auch, wer den Kreislauf in Bewegung hält.

www.muenzer.com

Interview mit Ewald-Marco Münzer: "Jeder Liter zählt"

Wie haben Sie 1991 den Münzer-Unternehmensstart Ihres Vaters miterlebt? Am Beifahrersitz seines Lkw?

Ewald-Marco Münzer: Mein Vater hat früh erkannt, dass flüssige Abfälle eine Ressource sind – zu einer Zeit, als man noch dachte, Kläranlagen lösen alles. Er hat sich sein erstes Saugfahrzeug selbst zusammengebaut, um Altspeiseöle zu sammeln. Ich durfte damals am Wochenende im Lkw mitfahren – Kindheitserinnerungen, die bleiben.

Was waren die Meilensteine am schnellen Weg nach oben? Der Einstieg in die eigene Biodiesel-Produktion?

Definitiv. Damit sind wir vom Dienstleister zum Produzenten geworden. Der zweite Meilenstein war die Internationalisierung. Indien war kein lang geplanter Schritt, aber eine einmalige Chance. Wir sind mittlerweile in Indien, Bangladesch und Kenia mit lokalen Teams aktiv – natürlich nach europäischen Umwelt- und Sicherheitsstandards.

Ist Österreich ein Abfallsammel-Vorbild?
Auf jeden Fall. Aber man darf nicht müde werden, die Geschichte zu erzählen. Jeder Liter zählt – denn aus einem Liter Altspeiseöl wird ein Liter erneuerbarer Biodiesel. Seit der Pandemie haben wir mit der Münzer Box ein neues, niederschwelliges Sammelsystem etabliert: Jeder kann Altspeiseöl in einer Plastikflasche sammeln und in die Box werfen. Das hat die Sammelmenge um 20 Prozent erhöht.

Wo sehen Sie noch große Chancen?

Das „B7“ an der Diesel-Zapfsäule steht für sieben Prozent Biodiesel-Beimengung. Wir könnten sofort von sieben auf zehn Prozent Beimischung im Diesel erhöhen – „B10“ würde eine Million Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.

Bleibt die Zentrale in Sinabelkirchen?

Wir geben ein klares Bekenntnis zum Standort ab. Wir sind ein steirisches Familienunternehmen – und wachsen weiter. Bewerbungen aller Art sind immer willkommen. Vor allem Lkw-Fahrer sind bei uns echte Markenbotschafter.

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