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Martin Huber
Die Bergretter – So schwärmen die TV-Helden von der Steiermark
5komma5sinne war einen Drehtag hautnah bei den ZDF-Bergrettern dabei – echter Bergretter-Einsatz inklusive.
Bergretter-Filmset, Lektion eins: Wenn Fliegen rund um Flugretter fliegen, fliegt einem flugs der Drehplan um die Ohren. „Sag, Robert hast du da Fliegen oder eine Hummel in deinem Overall?“, ruft der Set-Tonmeister aus seinem mitten im Geröllfeld platzierten Campingstuhl Richtung Hubschrauberpilot in roter Montur, „in der Aufnahme brummt es so laut!“ Ja, sogar die beste Vorbereitung und ausgeklügelte Logistik hatte das Szenario, dass in der Filmszene plötzlich Fliegen eine Szene machen, nicht am Schirm. Macht nix, nächster Versuch.
Der Schmäh rennt ohnehin, in der bunt zusammengesetzten Seilschaft aus TV-Stars, Filmcrew, echten Bergrettern und waschechten Ramsauer Urgesteinen, die an diesem Frühsommertag in 1800 Meter Seehöhe ihre Zelte aufgeschlagen hat. Am „Steiner Sprung“ am Stoderzinken, mit bestem Blick aufs obere Ennstal, werden gerade Schlüsselszenen für die ZDF-Erfolgsserie „Die Bergretter“ gedreht.

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Martin Huber
Der Dachstein und ein Urgestein
2009 für eine (Achtung Wortwitz) „Pilotstaffel“ in die obersteirische Bergwelt rund um den Dachstein angeflogen, ist die mit Action, Drama, Herzschmerz und Emotion vollgepackte Serie mittlerweile bei Staffel 16 gelandet. Und beliebter denn je, wie allein schon der enorme Andrang bei jedem Fan-Tag in der Region Schladming-Dachstein beweist.
Erste Hilfe für Körper und Seele
Aber zurück zur Kamera, wo Set-Aufnahmeleiter Erik Steinberger (einer der obersteirischen Lokalmatadoren im vorwiegend deutschen Team) mit freundschaftlicher Strenge das Tagesgeschehen dirigiert. Er drückt aufs Tempo. Zeit ist kostbar, wie bei echten Bergrettungseinsätzen. Denn an diesem Juni-Tag sind alle vier Hauptdarsteller am Set mit an Bord: Sebastian Ströbel und Luise Bähr spielen seit 10 Jahren die Rollen von Bergretter Markus Kofler und Flugärztin Kathi Strasser. Markus Brandl und Robert Lohr sind seit Folge eins mit dabei und spielen Flugretter Tobi bzw. den Piloten Michi. Auch der heimliche, aber nicht zu überhörende Star der Serie wurde für diesen Tag samt echter Crew angemietet: Der knallgelbe Rettungshubschrauber, der samt Besatzung im Alltag am ÖAMTC-Flugrettungsstützpunkt Christophorus 14 in Niederöblarn im Einsatz ist. Da vergeht die Zeit wie im Flug.
Das Wetter ist immer eine Herausforderung. Aber in dieser Bergkulisse können wir fantastische Bilder erzeugen.
Ingo Preuß, Produktionsleiter
Steiermark als zweite Heimat der TV-Stars
Auch der Produktionsleiter der „neuen deutschen Filmgesellschaft ndF“, die die Bergretter für den ZDF produziert, ist einer derjenigen, die einst „für ein Jahr“ in die Obersteiermark gekommen – und mittlerweile viele, viele Jahre geblieben sind. „Wir drehen im Schnitt das halbe Jahr, daher ist die Ramsau wie Deutschland eine Heimat für mich“, so Ingo Preuß.
Fast wort-ident sind die Aussagen der Hauptdarsteller-Riege. Sebastian Ströbel meint, er verbringe wohl gleich viel Zeit mit der Crew wie mit seiner Familie (die sich ebenso in der Steiermark wohlfühle), Luise Bähr verriet uns, dass ihre Tochter im „Dreh-Halbjahr“ sogar in Österreich die Schule besuche – und ihre Augen leuchten, wenn sie von Ausflügen zum Grundlsee berichtet. Markus Brandl schwärmt im Gespräch vom Gefühl, „wenn man nach längerer Drehpause wieder hierher in die Steiermark kommt. Da wird einem warm ums Herz, das ist schon ein besonderer Ort.“ Kurzum: Hier lässt sichs nicht nur gut schauspielern, hier lässt es sich auch ganz gut leben. Und die Umarmungen bei der morgendlichen Begrüßung am Treffpunkt Rosemi Alm sind um eine Sekunde länger und familiärer, als man das so unter Kollegen kennt. Am Berg ist man mehr Schicksals- als Bürogemeinschaft.

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Aus Film-Spaß wird plötzlich Ernst
TV-Star Sebastian Ströbel („auf der Straße nennen mich viele Markus“) nennt es das „Bergrettergefühl“, das „von Loyalität, Freiheit, Kollegialität und Umsichtigkeit“ geprägt sei. Es habe mittlerweile auch das Film-Team erfasst. „Es gibt eine gewisse Routine unter Kollegen, dass man sich blind versteht“, erzählt Markus Brandl (der auf der Straße ebenfalls häufig als Tobi angesprochen wird): „Aber man könnte nicht behaupten, dass ich vor manchen Drehtagen nicht trotzdem aufgeregt bin.“ So wie an unserem Setbesuch-Tag, wo beide Bergretter-Strars schon frühmorgens per Tau vom Heli am „Steiner Sprung“ abgeseilt werden. Eine Morgen-Taubergung quasi
Dass den fliegenden Helden auch die Fan-Herzen zufliegen, beweisen selbst nach 15 Jahren bis zu sechs Millionen Zuseher pro Folge. Umso mehr ist die freudige Überraschung in den Gesichtern vieler Wanderer in den obersteirischen Bergen abzulesen, die zufällig (oder manchmal auch ein bisserl geplant) am Filmset vorbeiwandern. Reflexartig zücken sie ihre Smartphones, um den filmreifen Auftritt filmreif festzuhalten. Mit freundlich bestimmten Anweisungen bittet sie Aufnahmeleiter Erik Steinberger, aus dem Blickwinkel der Film-Kamera zu bleiben. Manche von ihnen werden wir später am Parkplatz wieder treffen. In Selfie-Ausgangsstellung, um ein gemeinsames Bild mit ihren Helden des Hauptabendprogramms zu ergattern. Ja, so ein Bergretter-Dasein bedeutet für die TV-Stars eben permanente Einsatzbereitschaft. Bergretter-Dasein, Lektion zwei.
Wie hilfreich und unerlässlich es ist, dass bei den Dreharbeiten im Gebirge stets auch „echte“ Ramsauer Bergretter dabei sind, wird sich an diesem Nachmittag nochmals bestätigen. Als eine Frau in Wanderwäsche plötzlich mitten bei den Dreharbeiten aufkreuzt und um Hilfe bittet („Mein Mann sitzt da oben mit ausgekegelter Schulter“), macht sich Heribert Eisl auf den Weg zu ihm. Der langjährige frühere Chef der „echten“ Bergrettung Ramsau ist seit dem ersten Drehtag 2009 mit am Set, um die Crew einerseits auf Sicherheit einzuschwören, andererseits ist praktisch vor fast jeder Rettungsszene, die in den Bergen gedreht wird, sein fachlicher Rat gefragt. „Das ist zum Glück gut ausgegangen, wir konnten das wieder in Ordnung bringen“, wird Heri in typischem Understatement nach seinem „echten“ Bergrettungseinsatz sagen. Und, dass es „im echten Bergretterleben zwar meist weniger actionreich, aber nicht weniger gefährlich“ zugehe. Die Erfolgsserie jedenfalls habe seiner Bergrettungs-Einheit auch einen großen Schub verpasst: „Wir haben seither mehr Spenden aber auch immer mehr Interessenten, die selst Bergretter sein wollen.

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Martin Huber
Touristische Doppeljackpot für die Steiermark
Auch der Ober-Touristiker der Erlebnisregion Schladming-Dachstein, Mathias Schattleitner, berichtet von einem eindeutig messbaren Bergretter-Effekt. „Es kommen jährlich Tausende Bergretter-Fans in unsere Region auf Urlaub, um sich die Schauplätze im Original anzusehen.“ Dass die Bergretter – nicht wie andere Serien – an einem fiktiven Filmort im Einsatz sind, sondern mehrmals pro Folge „Ramsau“ oder „Dachstein“ erwähnen, sei ein „Doppel-Jackpot für die Steiermark“, so Schattleitner. Manchmal verschwimmen sogar Wirklichkeit und Fiktion im Fan-Herzen: So berichten die Ramsauer von immer auftauchenden Gästen, die am Ortsfriedhof das Grab des „Andreas Marthaler“ suchen. Für Serien-Neueinsteiger: Das war die Hauptrolle des ersten Chef-Bergretters, der in Staffel sechs den Serien-Tod erlitten hat. Ein filmreifer Abschied, zum Glück nur im Film. Bergretter-Wissen, Lektion drei.
„Die Bergretter“: immer abrufbar in der ZDF Mediathek














