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Kulinarium Steiermark: Das Handwerk der ehrlichen Küche
St. Bartholomä ist eine durch und durch beschauliche Gemeinde. Es liegt auf einem kleinen Hügel westlich von Graz und wird von zwei Kirchen bewacht. In der Nähe der Pfarrkirche finden wir den Bartholomäer Kirchenwirt, geführt von Gerhard und Heike Jölli. Die Gastronomie liegt den beiden im Blut: Beide haben im Gastgewerbe gelernt und sich bereits im Alter von 21 Jahren, im Jahr 2003, mit dem Bartholomäer Kirchenwirt selbstständig gemacht. „Ich bin aus St. Bartholomä und es hat hier kein Gasthaus gegeben. Daher hat mich der Bürgermeister gefragt, ob ich nicht eines aufmachen will“, erinnert sich Gerhard zurück.
Wilde Zeiten beim Bartholomäer Kirchenwirt
Inzwischen verköstigt der Bartholomäer Kirchenwirt also seit über 23 Jahren seine Gäste – und das auf hohem Niveau. Wir besuchen das Gasthaus zu einer besonders delikaten Zeit: bei den Wildwochen im Oktober. „Jetzt besteht alles auf unserer Speisekarte aus Wild, angefangen von der Wildkraftsuppe mit Wild-Milzschnitten über Hirschsteak bis hin zum Rehschnitzel“, sagt Heike Jölli. Ein Teil des verarbeiteten Wilds stammt aus dem eigenen Sikawildgatter, ein Teil aus der Gemeindejagd, bei der Gerhard selbst als Aufsichtsjäger fungiert. Und schon bei der Jausenplatte namens „Wilde Vorspeise“ fallen uns beinahe die Augen aus dem Kopf: Hirschsalami im Wildkräutermantel, Hirschrohschinken, Rohwürstel und eine hausgemachte Hirschleberstreichwurst warten auf uns.
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Die Würste aus eigenem Wildfleisch werden von der Fleischerei Mahofer in St. Andrä im Sausal produziert. Und auch sonst wird nicht mit regionalen Produkten gespart. Obst und Gemüse stammen großteils vom Gemüsebauer Langmann aus Hitzendorf, die Eier ebenfalls aus Hitzendorf und das Kürbiskernöl von der Familie Fürpass direkt aus St. Bartholomä. Da wundert es kaum, dass Gerhard und Heike Jölli zu den langjährigsten Mitgliedern von Kulinarium Steiermark zählen: „Wir haben damals davon gelesen und sofort gemerkt, dass das perfekt zu unserer Linie passt. Somit haben wir uns dann gleich gemeldet“, berichtet Heike Jölli. Und Gerhard ergänzt: „Wir fühlen uns sehr mit der Steiermark verbunden und sind froh, im wunderschönen Grünen Herz Wirtsleute sein zu können.“
Carpaccio der besonderen Art
Trotz der Vielfalt der steirischen Küche ist für uns heute klar: Es muss Wild auf ganzer Linie sein. Also probieren wir auch das Hirschcarpaccio, das sich als purer Gaumenschmaus entpuppt. Im Unterschied zum klassischen Carpaccio mit Rindfleisch benötigt das Hirschcarpaccio weniger Öle oder Gewürze – das Fleisch an sich schmeckt schon deutlich aromatischer und würziger. Beliebt bei den Kirchenwirt-Gästen sind übrigens auch die altbekannten Klassiker auf der Speisekarte. „Unsere Speisekarte wechselt zwar circa einmal pro Monat. Was aber immer drauf bleibt, sind die beliebtesten Klassiker wie das Backhendl und unser Kirchenwirt-Hausteller“, erzählt Heike. Letzterer vereint übrigens die ganze Pracht steirischer Fleischstücke auf einem Teller: ein Wiener Schnitzel, ein Cordon bleu und ein Kotelett, dazu gibt’s Pommes und einen Preiselbeerpfirsich. Ebenfalls auf der Speisekarte zu finden ist Flecksuppe. „Mein Schwiegervater war Fleischhacker und wir tragen die Philosophie, das ganze Tier zu verarbeiten, ebenso mit. Daher gibt’s natürlich auch immer wieder Innereien bei uns“, so Heike.
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Auch fleischlose Klassiker
Ganz so fleischlastig, wie es klingt, ist der Bartholomäer Kirchenwirt dann aber doch auch wieder nicht. Auch vegetarische Gerichte wie Risotto und Erdäpfel-Frischkäse-Taschen sind auf der Speisekarte zu finden. Und auch Heikes steirischer Favorit kommt ohne tierische Produkte aus: „Käferbohnen mit Kernöl und dazu ein Glaserl Schilcher!“ Apropos Schilcher: Kurz werfen wir auch einen Blick in den urigen Weinkeller, in dem Degustationsmenüs serviert werden. Rund 60 verschiedene steirische Weine sind hier zu finden – die perfekte Begleitung für alle Speisen also, ob nun mit oder ohne Fleisch.
Sikahirsch mit ungewöhnlicher Füllung
Trotz aller Vorzüge der vegetarischen Speisen bleiben wir aber heute beim Fleisch. Wenn schon Wild, dann so richtig. Deswegen krönen wir unseren Besuch noch mit der Verkostung von Sikahirsch-Schnitzel in Haselnusspanier. Gefüllt ist der Hirsch mit Speck, Bergkäse und Preiselbeeren, dazu werden Kürbis-Erdäpfel gereicht, die im Ofen knusprig gebraten wurden. Gerhard übertreibt definitiv nicht, wenn er sagt, dass er für Hirschgerichte lebt – denn bei diesem Festmahl spüren wir seine Liebe zu Wildgerichten mit jedem Bissen.

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Mit Herz dabei: der Brandhof
Weiter geht’s zum Brandhof im Herzen von Graz, gleich beim Kaiser-Josef-Platz. Das Gasthaus wird von Franz Kaufmann in dritter Generation geführt und ist ein klassischer Familienbetrieb: Neben Franz sorgen auch Lebensgefährtin Andrea Oechs und Sohn Georg Oechs dafür, dass niemand den alteingesessenen Traditionsbetrieb hungrig verlässt. Und man kann eines sagen: Der Brandhof hat schon eine Menge leerer Mägen gefüllt. Ein ganzer Teilbereich des Gasthauses ist mit Fotos und Autogrammen prominenter Personen geschmückt, die sich hier dem leiblichen Wohl hingegeben haben – darunter Musiker Paul Pizzera, Kabarettist Leo Lukas, die ehemalige Opernsängerin Birgit Sarata, die Schauspieler Gerald Pichowetz und Karl Merkatz sowie Komponist Robert Stolz. Die Nähe zur Grazer Oper sowie die Tatsache, dass es im Brandhof bis 23 Uhr warme Küche – und zwar die vollständige Speisekarte, nicht nur Toast – gibt, hat die Räumlichkeiten zum Treffpunkt von Operngästen und auch Darstellern gemacht.
Hohe Ansprüche mit bodenständiger Küche
Auf dem Boden geblieben ist man trotzdem – auf Schickimicki wird nämlich nach wie vor verzichtet. Stattdessen gibt es hier gutbürgerliche steirische Küche mit Schwerpunkt auf Innereien. „Wir haben zwei verschiedene Arten von Hühnerleber und gleich vier Varianten von Kalbsleber auf der Speisekarte“, erklärt Andrea Oechs. Auch Blutwurst und Breinwurst, frisch vom Bauernmarkt am Kaiser-Josef-Platz, werden serviert. Zubereitet wird immer alles frisch, und das trotz der umfangreichen Speisekarte. Zu Mittag gibt es täglich eigene Mittagsgerichte, aber kein Mittagsmenü. Warum? „Weil unsere Portionen so groß sind, dass es den Leuten mit der Suppe dann meistens schon zu viel geworden ist“, schmunzelt Andrea. Wir gönnen uns heute, an diesem schönen Herbsttag, trotzdem ein Süppchen, und zwar gleich ein richtig herbstliches: Maronicremesuppe. Die vollmundige Suppe passt perfekt zur Jahreszeit und ist, wie vieles, auf die saisonalen Zutaten abgestimmt. „Wir wechseln unsere Speisen beinahe monatlich. Im Frühling gibt es Spargel- und Bärlauchgerichte, übrigens großteils vegetarisch. Dann natürlich Schwammerl, Wild und Gansl. Und auch die Nachspeisen werden an die jeweilige Saison angepasst, derzeit gibt es Maroni, vorher haben wir zum Beispiel Zwetschkenstrudel gehabt“, erklärt uns Franz Kaufmann.
Spezialität des Hauses: geröstete Hühnerleber
Als nächstes müssen wir natürlich die geröstete Hühnerleber probieren, eines der Lieblingsgerichte der Gäste. Serviert wird sie mit Speck und Zwiebel im Reisring – und sie schmeckt vorzüglich. Beliebt sind im Brandhof aber auch die anderen steirischen Klassiker: Backhendl, faschierter Braten, Beuschl und Kalbsbries zum Beispiel. „Bei uns bekommt man auch Kalbskopf, den man fast gar nirgends mehr bekommt“, erzählt Franz Kaufmann. Die Spezialitäten stammen von heimischen Schlachthöfen, denn es gilt das Credo: regionale Küche. Das bezeugt auch das Kulinarium-Steiermark-Gütesiegel am Eingang. „Wir stehen für regionale, saisonale Speisen und Kulinarium Steiermark ist die perfekte Plattform, um das auch zu transportieren“, fasst Franz Kaufmann zusammen.
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Herbstliches Dessert
Zuletzt probieren wir das Maroni-Parfait auf pürierten Waldbeeren – wieder schön herbstlich, wieder ein Hochgenuss. Und das Dessert zeigt wieder eindrucksvoll, dass hier definitiv nicht mit Portionsgrößen gegeizt wird. Als wir das Gasthaus verlassen, sind wir nicht nur begeistert von der geradlinigen, ehrlichen Küche, die hier aufgetischt wird, sondern auch richtig, richtig satt.
Das gute Leben im Gasthof Thomahan
Als wir am Nachmittag (nach einer kleinen Verdauungspause) beim Gasthof Thomahan in Friesach ankommen, staunen wir nicht schlecht: Wo andere Gastronomiebetriebe die Nachmittagsruhe genießen, herrscht hier Hochbetrieb. Ist hier gerade eine Hochzeit oder eine große Feiergesellschaft zu Gast? „Ach, das ist ein ganz normaler Nachmittag bei uns“, lacht Elisabeth Leben, die den Gasthof mitsamt seiner 15 Gästezimmer seit 2019 in dritter Generation führt.
Hektisch geht es trotzdem nicht zu, im Gegenteil: Wir werden herzlich willkommen geheißen und sowohl in der Küche als auch im Service wirkt man alles andere als gestresst. Jeder hat ein Lächeln auf den Lippen und in der Küche wird nebenbei gescherzt, während ein Schnitzel nach dem anderen herausgebacken und ein Salat nach dem anderen liebevoll angerichtet wird.
Gebackenes in jeder Form
Die vielfältige Speisekarte sorgt dafür, dass auch sonst keine Langeweile aufkommt. „Wir haben jeden Monat eine Monatskarte, angepasst an die jeweilige Saison – Kürbis, Wild, Ganserl, Adventschmankerl usw.“, erzählt uns Elisabeth Leben. Am beliebtesten ist und bleibt bei ihren Gästen jedoch Gebackenes in jeder Form: Wiener Schnitzel, Cordon bleu und ihr Hühnerfilet in Sesampanade. „Und bei uns wird sehr viel Fisch bestellt. Wir haben auch jeden Tag einen Tagesfisch, den wir nach Möglichkeit von Kulmer Fisch beziehen“, so Elisabeth Leben. Zu Kulinarium Steiermark ist der Gasthof Thomahan aber nicht nur wegen seiner regionalen Zutaten gekommen, sondern vor allem durch den ehemaligen steirischen Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer. Elisabeth Leben plaudert aus dem Nähkästchen: „Hermann Schützenhöfer ist einer unserer Stammgäste und liebt unser Gulasch und unsere Beuschelsuppe. So hat er uns dann einmal ans Herz gelegt, doch auch das Kulinarium-Steiermark-Gütesiegel zu tragen – und das tun wir seither mit Stolz.“ Dabei gehe es nicht nur um die Auszeichnung selbst, sondern auch um die regelmäßige Erinnerung daran, bei den steirischen Wurzeln zu bleiben. „Wir haben zum Beispiel im vergangenen Frühjahr eine Frühlingsrolle kreiert, die auf steirische Art mit Schweinsbraten, Kraut und Kümmel gefüllt war. Immer wenn wir zu exotisch werden, besinnen wir uns dank Kulinarium Steiermark wieder darauf, steirisch zu bleiben.“

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Immer wieder neue Konzepte
Moderne Gerichte findet man trotzdem. „Wir bemühen uns sehr, immer wieder neue Gerichte auf die Speisekarte zu bringen“, so Elisabeth Leben. Und die wird teilweise auf durchaus kreative Art und Weise entworfen: Einmal ging Sous-Chefin Verena durch den Gasthof und fragte alle Mitarbeiter, auf welches Gericht sie gerade Lust hätten. Aus diesen Gelüsten entstand dann die bunt gemischte Sommerkarte, die vom Clubsandwich nach Thomahan-Art bis zum Vitello tonnato reichte. Dazwischen gab es im Zuge der Fischwochen die Aktion „Create your plate“: „Dabei konnten sich die Gäste ihren eigenen Fischteller zusammenstellen und sich den Fisch, die Art der Zubereitung – gebraten, gebacken, gegart oder gegrillt – sowie die Beilagen und die entsprechende Soße aussuchen“, berichtet Elisabeth Leben. Jeden Tag gibt es auch ein vegetarisches Tagesgericht. „Und unser Strudelduett mit einem Kraut- und einem Erdäpfelstrudel sowie unser gratiniertes Marktgemüse sind als fleischlose Gerichte ebenfalls sehr beliebt.“
Beef Tatar geht immer
Nachdem alles himmlisch klingt, entscheiden wir uns heute für absolute Klassiker: Beef Tatar, Forelle und (irgendwann muss es einfach sein!) ein richtiges Kalbswiener. Beim Beef Tatar, das natürlich aus steirischem Rindfleisch gemacht wird, dürfen wir dem Team in der Küche über die Schulter schauen. Gearbeitet wird dabei gleich zu dritt – denn Elisabeth Leben hat in ihrem rund 30-köpfigen Team auch sechs Lehrlinge, und drei davon bereiten mit einem etwas verlegenen Lächeln unsere Vorspeise zu. Und sie können es: Das Beef Tatar schmeckt nämlich ausgezeichnet!
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Ein Schnitzel, wie es sich gehört
Das Wiener Schnitzel wird traditionell in der Pfanne zubereitet und mit herzhaften Petersilkartoffeln serviert. Auch hier können wir natürlich auf heimisches Fleisch setzen und freuen uns über den Geschmack wie damals bei Oma. „Für mich ist die steirische Küche immer etwas, das Familien und Generationen verbindet“, stimmt uns auch Elisabeth Leben zu. Schließlich haben auch ihre eigene Oma und ihre Mutter jahrzehntelang im Thomahan aufgekocht. Und noch immer ist der Gasthof ein Familienbetrieb: Elisabeths Schwester Carolin Leben arbeitet als Serviceleitung und Schwager René Rieger ist mittlerweile seit zehn Jahren der Küchenchef im Thomahan.
Urlaub am Teller
Auch die Forelle wird klassisch in der Pfanne herausgebrutzelt und danach mit Mandelbutter übergossen. Das Gericht schmeckt gleichzeitig nach Heimat und nach Urlaub. Wäre das Wetter schöner, wäre es perfekt für den urigen Gastgarten, der sich vollständig überdachen lässt und im Sommer Veranstaltungsort für verschiedene Live-Konzerte und Themenabende ist. Am Ende wollen wir noch wissen, was Elisabeth Leben selbst am liebsten isst. „Meine Familie und ich essen generell gern“, schmunzelt sie. „Aber wenn ich mir was aussuchen könnte, wäre das ein Naturschnitzerl oder ein Backhendlsalat. Der steht bei uns immer auf der Karte.“ Und die Speisekarte müssen wir hier ohnehin einmal in Ruhe durchkosten!
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