Nordlicht mit oststeirischer Erdung

Bis zu 500 Stunden TV-Präsenz im Jahr, eineExtraportion Frohsinn und Selbstironie – und eine große Liebe zur zweiten Heimat: Moderatorin Madita van Hülsen über Sommer in Dechantskirchen und Backfreuden mit ihrer oststeirischen Mama, Frühstücksfernsehen und heiteres Familienchaos.

Zwanzig Tage nonstop durchmoderieren. Oder zehnmal die Welt im Flugzeug umrunden. Das hätte in einem Pensum von bis zu 500 Stunden TV-Präsenz im Jahr Platz. Madita van Hülsen lebt ihre Berufung. Schon mit 14 Jahren wollte die Hamburgerin mit oststeirischen Wurzeln Moderatorin werden, wurde beim Casting aber wegen ihres jugendlichen Alters abgelehnt. Mit 25 fand sie den Weg über die Wetteransage auf die Bildschirme. Heute ist die 45-Jährige in unterschiedlichen TV-Formaten höchst präsent. Seit dem Vorjahr moderiert sie „Abenteuer Leben täglich“ auf Kabel Eins, seit heuer ist sie im Team des Frühstücksfernsehens von Sat.1. Zum Lebensglück gehören Partner Björn, der fünfjährige Sohn Tjorven, eine positive Grundstimmung – und Erholung bei den Eltern in der Oststeiermark. Auf ihrer Website steht geschrieben: „Manche sagen auch: Selbst wenn Madita den Raum verlässt, steht ihr Lächeln noch eine Weile in der Luft. Und das nimmt man mit.“

Du bist in Hamburg geboren und aufgewachsen, hast aber eine sehr enge Beziehung zur Oststeiermark. Woher kommt diese starke Verbindung?
Für mein Gefühl bin ich eher in Österreich groß geworden, weil ich bis zum Alter von 15 Jahren alle Ferien bei meinem Opa in Dechantskirchen verbracht habe. Meine Erinnerungen daran sind viel schöner als jene an die doofe Schulzeit in Deutschland. In Hamburg waren es Alltag und Pflichtprogramm – in der Oststeiermark aber Freiheit und Abenteuer.

Was hat diese Zeit in der Oststeiermark für dich denn so besonders gemacht?
Ganz vieles. Ich bin immer wie Heidi mit einer silbernen Kanne auf den Bauernhof gegenüber gelaufen, um frische Milch zu holen. Dort habe ich im Stall mitgeholfen, die Tiere gefüttert und unglaublich viel gelernt – zum Beispiel, dass Hühner Allesfresser sind und auch die Schale ihrer eigenen Eier verspeisen, weil das gesund für sie ist. Ich wusste immer viel mehr über die Natur als die reinen Stadtkinder. Mein Opa hat bei der Eisenbahn gearbeitet, er war aber auch Imker. Wir haben im Garten eine ganze Menge selbst angebaut und ich habe oft Schnittlauchbrot gegessen, das gab es in Hamburg nie. Es war eine kleine, heile Welt.

Wie hat sich die Beziehung zur zweiten Heimat denn über die Jahre entwickelt?
Klar, irgendwann wollte ich dann einfach die Welt sehen. Ich war mit meiner Familie aber weiterhin regelmäßig zu Besuch, es gibt auch viele Verwandte da. Nachdem mein Opa gestorben war, haben meine Eltern das Haus Schritt für Schritt umgebaut. Mein Papa ist Hamburger, er fand Österreich aber eigentlich auch immer besser. Während ich in Hamburg geblieben bin, sind sie später ganz in die Oststeiermark gezogen. Damit ist es für mich ein Zuhause geblieben.

Auch heute bist du regelmäßig in der Oststeiermark zu Gast. Was steht denn dann am liebsten auf deinem Programm?
Ich versuche vor allem meinem Sohn Tjorven das weiterzugeben, was ich als Kind selbst schön fand. Wir füttern noch immer die Hühner auf dem Bauernhof gegenüber und wir machen lange Spaziergänge. Ich möchte, dass er weiß, wie es im Wald riecht, wie sich Natur anfühlt. Wir genießen das ruhige, beschauliche Dorfleben. Ich mag die Menschen sehr gerne da. Wir lieben auch den Badesee in Pinggau und die Baumhäuser in Fürstenfeld.

Auch beruflich ist deine Verbindung zu Österreich immer wieder ein Thema – in der Sat.1-Show „Das große Promibacken“, die du 2024 gewonnen hast, aber auch bei deinem im Vorjahr erschienenen Backbuch „Cookie Madita“?
Total. Da ging und geht es viel um meine Herzensrezepte – um Mehlspeisen, um Kekse wie Linzer Augen und Nussbusserl. Es ist all das, was meine steirische Mama immer gemacht hat. Im Buch habe ich vegane Varianten ergänzt. Der Kern ist ganz klar österreichisch, das liebe ich. Einiges stammt aber auch aus meiner Zeit in Amerika. Ein eigenes Buch war immer mein Traum. Ich finde Kekse eigentlich viel besser als Kuchen. Es ist doch cool, wenn man statt eines Stücks drei verschiedene essen kann. Oder vier. Oder acht. Oder zwölf. „Das große Promibacken“ war eine unglaubliche Herausforderung. Aber es hat mir gezeigt, dass sich viel Übung und Herzblut lohnen. Die Nüsse für die Rezepte habe ich von meiner Tante Resi aus der Oststeiermark mit nach Berlin genommen. Ich bin übrigens auch beim Promibacken- Osterspezial zu sehen. Das Backtalent habe ich von meiner Mama. Mit ihr teile ich noch eine Gabe: Wir können hervorragend über uns selbst lachen. Wir sind da beide sehr schambefreit, im besten Sinn.

Deine Fans lieben deine schonungslose Ehrlichkeit, deine Selbstironie und deinen Humor. Wie wichtig ist dir Authentizität?
Sehr. Ich will zeigen, dass niemand perfekt ist. Ich bin zu Hause halt manchmal auch eine total chaotische Mutter, die einfach froh ist, wenn sie es geschafft hat, ihr Kind rechtzeitig in die Kita zu bringen. Viele schreiben mir, dass ihnen meine Instagram-Postings als „Mamadita“ im lilafarbenen Bademantel ihren Tag verschönern. Ich bin fernab davon, mich 24 Stunden durch den Tag zu grinsen, aber gerade in einer Zeit, in der so vieles schwer ist, tun ein paar Minuten Leichtigkeit einfach gut.

Wie gleichst du denn deinen Energiehaushalt am besten aus?
Ich liebe Menschen und meinen Job. Ich bin gerne im Studio, aber auch sehr gerne bei Reporterdrehs draußen unterwegs. Arbeit kostet mich keine Energie. Energieräuber sind eher das permanente Unterwegssein, Verspätungen auf Reisen, die Nächte außer Haus. Mein Mann und ich, wir achten auch sehr auf eine möglichst gute Mischung aus Arbeit und Freizeit, was freilich nicht immer perfekt funktioniert. Und ich muss sagen: Mein absolutes Seelenheil ist unser Tierschutzhund Charly. Er ist so ein feiner Kerl und ich finde, der beste Mensch in der ganzen Familie. Ohne ihn wäre ich schon verrückt geworden. Also wirklich verrückt.

Welche deiner persönlichen Eigenschaften macht dich denn besonders stark?
Ich glaube, ich habe eine hohe Willenskraft. Es gibt Menschen, die haben mich in meinem Leben geprägt, das kennt sicherlich jede und jeder von uns. Eine Frau davon war meine Chefin bei einer Produktionsfirma. Sie hat mal zu mir gesagt: „Der letzte Kilometer ist der wichtigste beim Marathon. Es ist eigentlich egal, ob du die 41 Kilometer vorher gelaufen bist, wenn du den letzten Kilometer nicht schaffst, war alles umsonst.“ Ich finde, das stimmt für viele Lebenssituationen – und aufgeben war noch nie so mein Ding.

Welche Wünsche, Pläne und Visionen hast du für die Zukunft?
Ich hätte große Lust, irgendwann mit einem kleinen Comedy-Programm auf Tour zu gehen – humorvoll, ehrlich, mit viel Selbstironie, so wie „Mamadita“ eben. Und privat träume ich von einer längeren Campingreise mit meiner Familie. Einfach losfahren, Zeit haben, draußen sein. Wir unternehmen ja jetzt schon immer wieder viele Camping-Ausflüge, zumeist aber nur für ein paar Tage. Vielleicht machen wir das ja einmal länger in der Steiermark.

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