Werner Gregoritsch & Fußball-WM: Der Vater des Erfolgs

Der Steirer Michael Gregoritsch hat Österreich zur Fußball-Weltmeisterschaft 2026 geschossen. Doch sein Vater Werner trainierte nicht nur ihn – sondern fast die gesamte WM-Generation. Von Peter K. Wagner

Es gibt selten nur einen sprichwörtlichen Vater des Erfolgs. Und auch in dieser Geschichte waren es naturgemäß zahlreiche Personen, die es gemeinsam geschafft haben, dass Österreich im Juni 2026 erstmals seit 28 Jahren wieder bei einer Fußball-Weltmeisterschaft dabei sein darf. Da ist zum einen der deutsche Fußballlehrer und rot-weiß-rote Teamchef Ralf Rangnick, da sind zahlreiche Spieler rund um Marko Arnautović oder David Alaba, um nur die bekanntesten zu nennen. Aber da ist auch: der Gregerl.

Also eigentlich: die Gregerls – ein Vater und sein Sohn, beides Protagonisten des österreichischen Fußballs, beides waschechte Steirer. Und beide standen am historischen Dienstagabend des 18. November 2025 im Wiener Ernst-Happel-Stadion im Mittelpunkt. Während Sohn Michael in der 59. Minute beim entscheidenden Spiel gegen Bosnien eingewechselt wurde und wenige Minuten später nicht zum ersten Mal in seiner Karriere ein entscheidendes Tor schoss, war Vater Werner auch dabei. Nicht nur als Vater, sondern als Besucher auf der Tribüne.

Der Senior kellnert, der Junior weint

„Wir waren zusammen mit anderen Ex-Spielern wie Andreas Herzog oder Heimo Pfeifenberger zum Spiel eingeladen. Ich musste dort dann kurzerhand für Getränkenachschub sorgen“, erzählt er, als wir ihn beim GAK-Trainingszentrum in Messendorf treffen. Und muss lachen. Doch nach Schlusspfiff hielt es Gregerl senior nicht lange auf der Tribüne, an diesem besonderen Abend im Prater. Während Sohn Michael gerade mit Tränen in den Augen Interviews am Spielfeld gab, wurde seinem Vater kurzerhand von einem ranghohen ÖFB-Mitarbeiter erlaubt, auf den Rasen zu kommen.

„Ich wollte mich überhaupt nicht in den Mittelpunkt stellen, aber es war schön für mich, allen Spielern zu gratulieren. Ich habe sie alle trainiert – bis auf David Alaba und Marko Arnautović.“ Da sind wir jetzt beim (heimlichen) Vater des Erfolgs. Denn Werner Gregoritsch begleitete eben quasi das gesamte aktuelle Nationalteam. Zwischen 2012 und 2024 trainierte er die U21-Auswahl, die letzte Nachwuchsstufe des österreichischen Fußballverbands, in dem die größten Talente des Landes darum kämpfen, auch den Aufstieg ins Nationalteam zu schaffen.

„Ich hatte immer wieder Angebote aus der Bundesliga – von Rapid, Salzburg, Austria“, sagt er heute ganz offen. „Aber mich hat das Projekt mit der U21 enorm fasziniert, ich wollte diese jungen Spieler begleiten. Vor allem die menschliche Komponente stand für mich immer auch im Vordergrund.“ Zu Gregoritsch, der einst für den GAK, die Vienna und VOEST Linz in der Bundesliga spielte und später als Trainer Mattersburg, den GAK und Kapfenberg betreute, passte die Rolle als Letztentwickler der größten Fußballtalente des Landes. Denn im Brotberuf ist der gebürtige Grazer Lehrer. Disziplin, Ehrlichkeit, Respekt seien so Schlagworte und Werte, die ihm als Trainer wichtig waren. „Meine Teams waren wie Familien. Der Spaß kam auch nie zu kurz“, sagt er.

Jüngster Bundesliga-Torschütze aller Zeiten

Dass Sohn Michael Profi wurde, daran war Papa Werner natürlich nicht ganz unschuldig. „Michi ist mit dem Fußball aufgewachsen und hat beim GAK gespielt – schon in der Jugend gemeinsam mit seinem heutigen Nationalteamkollegen Marcel Sabitzer“, erinnert sich Papa Werner. Doch mit 13 wechselte Michael zu Kapfenberg, wo sein Vater Cheftrainer der Bundesliga-Mannschaft war. Und dann entwickelte sich der Junior rasant.

Er schoss viele Tore in der Jugend und ein paar Tage vor seinem 16. Geburtstag rutschte er aufgrund einiger Verletzungen ins Abschlusstraining für das Spiel gegen Austria Wien. „Er war richtig gut drauf und hat zwei Wundertore gemacht – eines mit dem Kopf und eines genau ins Kreuz. Unser Präsident Erwin Fuchs war auch dabei und hat gemeint, ich soll ihn fürs Spiel in den Kader nehmen. Zuerst habe ich abgelehnt.“ Aber dann saß Michael doch auf der Bank. „Irgendwann hat mein Co-Trainer Kurt Russ gemeint, das wäre ein Spiel für den Michi. Ich habe mich gewehrt, ich wollte das eigentlich nicht, der Vorwurf der Protektion für meinen Sohn stand eh schon im Raum.“ Doch der Spielverlauf gab es her, dass sein Sohn doch der Richtige war – für so ein Spiel, in dem es noch 0 : 0 stand und ein Stürmer wie Michael gefragt war. Der Rest ist auch historisch. Mit der zweiten Ballberührung erzielte der Filius den Führungstreffer für die Kapfenberger. Bis heute ist er mit 15 Jahren und 361 Tagen der jüngste Bundesliga-Torschütze aller Zeiten in Österreich.

Meine Teams waren immer wie Familien.

Werner Gregoritsch

Hört der Sohn auf den Vater - oder umgekehrt?

Bald wechselte das große Talent nach Deutschland und machte dort Karriere, doch in der U21 kreuzten sich wieder für einige Jahre die Wege von Vater und Sohn. „Er war für mich in der U21 immer ein Typ wie ein Kapitän, der immer gewusst hat, wie man die Spieler behandeln muss, und mir sehr viel geholfen hat.“

Wie ist denn das, wenn man den eigenen Sohn trainiert? Hört der eigentlich überhaupt? „Es waren immer Gespräche, wenn er sie gewollt hat. Wenn ich sein Trainer war, hab ich ihn gleich behandelt wie jeden Spieler“, sagt Gregoritsch. „Ich glaube schon, dass er viel auf mich gehört hat, aber wenn man 14  Jahre Deutsche Bundesliga spielt, lernt und erlebt man so viel, dass ja auch umgekehrt ich sehr viel davon profitiere, was er mir erzählt.“

Michis Talent war da – aber ganz von ungefähr kam es dann auch nicht, dass er sich immer weiterentwickelte. Er schob mit Papa Werner und dessen bestem Freund, dem ehemaligen GAK-Sportdirektor Günther Koschak, Extraeinheiten in Thal bei Graz ein, wo die Gregerls mittlerweile zu Hause sind. Auch dort reifte Michael Gregoritsch zu dem Spieler, der er heute ist.

„Seine Ballannahme, seine Schusstechnik, sein Kopfballspiel – das sind seine großen Stärken“, weiß Papa Werner. „Dass er so viele entscheidende Tore erzielt hat, ist kein Zufall.“ Und deshalb wird Michael Gregoritsch auch im Juni bei der Endrunde ein wesentlicher Faktor sein. „Den Michi kannst du von Anfang an spielen lassen oder nur zehn Minuten – er ist immer für ein Tor gut.“ Es wäre nicht verwunderlich, wenn Michael Gregoritsch auch bei der WM in den USA wieder ein entscheidender Treffer gelingt. Wie immer gäbe es dann viele Väter des Erfolgs. Aber einer davon wird ganz sicher wieder Werner Gregoritsch sein – Trainer, Mentor und Wegbegleiter der aktuellen österreichischen WM-Generation.

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